Krankenhäuser-Hitze, Haus

Krankenhäuser-Hitze: Nur jedes dritte Haus klimatisiert

27.06.2026 - 22:43:03 | boerse-global.de

Deutsche Krankenhäuser sind unzureichend gegen extreme Hitze gewappnet. Finanzielle Engpässe verhindern den Ausbau von Kühltechnik und Schutzmaßnahmen.

Hitzeschutz in Kliniken: Nur jedes dritte Krankenhaus ist vorbereitet
Krankenhäuser-Hitze - Ein warmer, leicht verschwommener Flur in einem deutschen Krankenhaus mit einem Thermometer, das hohe Temperaturen anzeigt, und indirektem Licht. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Extremtemperaturen fordern die medizinische Infrastruktur heraus – und Fachleute weisen auf eine unzureichende Vorbereitung vieler Krankenhäuser hin. Besonders bei langanhaltenden Hitzeperioden zeigen sich die Schwachstellen.

Fehlende Klimatisierung: Nur jedes dritte Krankenhaus ist vorbereitet

Ein Großteil der deutschen Krankenhäuser verfügt über keine flächendeckende Klimatisierung. Nach Angaben des Marburger Bundes ist lediglich in etwa einem Drittel der Kliniken eine Kühlung der Patientenzimmer vorhanden. Die Vorsitzende Susanne Johna kritisiert, dass klare gesetzliche Vorgaben zur Temperaturkontrolle bislang vorwiegend für sensible Bereiche wie Operationssäle oder die Radiologie existieren. Auch bei Neubauten fehle es häufig an effektiver Außenbeschattung.

Die finanzielle Lage der Träger gilt als Hauptursache für den schleppenden Ausbau des Hitzeschutzes. Laut einer Umfrage unter 289 Kliniken gaben 96 Prozent der Einrichtungen Geldmangel als Grund für fehlende Maßnahmen an. Etwa 60 Prozent der befragten Häuser haben bisher keine spezifischen Vorkehrungen gegen extreme Hitze getroffen. Die Krankenhausgesellschaften fordern daher verstärkte Investitionsmittel von den Bundesländern.

Hitzetote und überlastete Notaufnahmen

Die gesundheitlichen Auswirkungen hoher Temperaturen spiegeln sich in den Notaufnahmen wider. Mediziner in Hessen und Nordrhein-Westfalen berichten vermehrt über Fälle von Dehydrierung, Hitzschlag und Kreislaufproblemen. Besonders vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Kinder und Obdachlose sind betroffen. Fachärzte rechnen zudem mit einer Zunahme von Herzinfarkten bei extremer thermischer Belastung.

Historische Daten verdeutlichen die Gefahr: Im Jahr 2018 starben während einer Periode von 20 Hitzetagen schätzungsweise 7.000 Menschen in Deutschland. Für 2025 registrierte das Robert Koch-Institut rund 2.500 hitzebedingte Todesfälle bei insgesamt elf Hitzetagen. Die Intensivmedizinerin Anne Hübner ordnet die Situation so ein, dass deutsche Kliniken in der Hitzeprävention etwa zehn Jahre hinter der Entwicklung in Frankreich zurücklägen.

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Temperaturen über 38 Grad: Wo die Lage eskaliert

An einzelnen Standorten führt die bauliche Situation zu erheblichen Schwierigkeiten. An der Universitätsklinik Düsseldorf wurden an der Südfront einer Herzstation Temperaturen von über 38 Grad gemessen – dort ist keine Klimaanlage installiert. In der Universitätsklinik Freiburg bereiteten Verantwortliche aufgrund der extremen Hitze bereits Evakuierungspläne vor.

Demgegenüber stehen Konzepte wie das des BG-Unfallkrankenhauses Berlin (UKB), das als Vorreiter gilt. Die Klinik setzt eine Klimamanagerin ein und nutzt Kühldecken auf Normalstationen sowie digitale Heatmaps zur Überwachung der Raumtemperaturen. Das Bundesgesundheitsministerium hat zudem einen Muster-Hitzeschutzplan bereitgestellt, der Kühlziele von 26 Grad am Tag und 20 Grad in der Nacht empfiehlt – allerdings bisher nicht verbindlich.

Hitze betrifft nicht nur Krankenhäuser

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Die klimatischen Bedingungen beeinflussen über den Kliniksektor hinaus die öffentliche Daseinsvorsorge. In Regionen wie Bad Oeynhausen und Löhne wurde zur sparsamen Nutzung von Trinkwasser aufgerufen, da Lieferschwierigkeiten und Baumaßnahmen die Versorgung einschränkten.

Im Bildungssektor kam es zu weitreichenden Anpassungen. In Nordrhein-Westfalen wurde die Regelung für Hitzefrei befristet bis Ende Juli 2026 auf die Oberstufe ausgeweitet. Zahlreiche Schulen in Städten wie Herford und Gütersloh beendeten den Unterricht vorzeitig, während öffentliche Veranstaltungen und Märkte aufgrund der Gesundheitsgefahren abgesagt wurden. Auch Pflegeheime reagierten mit engmaschigen Flüssigkeitskontrollen und angepassten Speiseplänen – fordern jedoch wie die Kliniken langfristige Förderungen für technische Kühllösungen.

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