Krankenhausprüfungen: Medizinischer Dienst verursacht 245 Millionen Euro Bürokratiekosten
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Krankenhäuser stehen unter erheblichem strukturellem Druck. Während Ärzteorganisationen fehlende verbindliche Standards für die Personalausstattung bemängeln, binden Prüfverfahren der Kostenträger finanzielle Mittel und Arbeitskraft. Berichte aus dem Herbst 2026 verdeutlichen, dass vor allem der bürokratische Kontrollaufwand sowie Engpässe in der Notfallversorgung die Einrichtungen vor wachsende Herausforderungen stellen.
Kritik an fehlenden Vorgaben zur Personalbemessung
Die Bundesärztekammer richtet deutliche Kritik an die Bundesregierung, weil diese auf die verpflichtende Anwendung eines Instruments zur Personalbemessung verzichten will. Die bedarfsgerechte Ausstattung soll stattdessen weitgehend den einzelnen Krankenhäusern überlassen bleiben. Nach Einschätzung der Bundesärztekammer sichert eine allgemeine Verpflichtung ohne überprüfbare Maßstäbe und entsprechende Finanzierung die Versorgungsqualität nicht ab.
Dabei habe eine vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragte Erprobung den systematischen Ansatz des ärztlichen Personalbemessungssystems ÄPS-BÄK grundsätzlich bestätigt. Nach Angaben der Ärztevertretung eignet sich dieses Verfahren für einzelne Kliniken und Fachabteilungen.
Bereits der 130. Deutsche Ärztetag 2026 hatte den Gesetzgeber aufgefordert, eine angemessene ärztliche Personalausstattung sicherzustellen und die dafür notwendigen Mittel zu finanzieren.
Hohe Bürokratielasten durch Prüfungen des Medizinischen Dienstes
Parallel dazu warnen Krankenhausvertreter vor einer Überlastung durch Abrechnungskontrollen. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, kritisierte die geltenden Prüfregeln des Medizinischen Dienstes und forderte einen spürbaren Bürokratieabbau.
Die Dimension der Belastung zeigt eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts. Den Ergebnissen zufolge verursachen Prüfungen des Medizinischen Dienstes in deutschen Kliniken jährlich Bürokratiekosten in Höhe von 245 Mio. Euro.
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Um diese Kontrollen abzuwickeln, sind bundesweit rund 4.000 Klinikbeschäftigte gebunden. Für das Jahr 2027 rechnen 98 % der befragten Kliniken mit einer weiteren Zunahme der Prüfungen und noch höheren Belastungen. Mehr als die Hälfte der Häuser hat aus diesem Grund bereits im Jahr 2026 zusätzliches Personal eingestellt.
Als Praxisbeispiel verwies die Umfrage auf einen Fall, bei dem der Medizinische Dienst die stationäre Behandlung eines schwer vorerkrankten 69-Jährigen trotz bestehenden Nachblutungsrisikos als ambulant durchführbar einstufte.
Notaufnahmen zwischen Überlastung und finanziellen Defiziten
Besonders angespannt stellt sich die Situation in den Notfallambulanzen dar. Die Chefärztin der Notaufnahme in Borna, Constanze Schwarz, bezeichnete die Notfallversorgung als Verlustgeschäft und wies auf fehlende verbindliche Personalvorgaben für diese Bereiche hin.
In Borna würden Hausarzt-Patienten mangels zeitnaher Termine häufig mit Überweisungen in die Notaufnahme geleitet. Der finanzielle Ertrag sei dabei oft unzureichend; so werde etwa ein Thrombose-Ausschluss dort mit 32 Euro abgerechnet.
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Dass Überlastung den Klinikalltag prägt, unterstreicht eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin. Demnach war fast jede zweite teilnehmende Notaufnahme in den vorangegangenen 24 Stunden überlastet. Entlastung soll eine Reform der Notfallstrukturen bringen, die im Herbst im Bundestag beschlossen werden soll.
Der Gesundheitspolitiker Hans Theiss erwartet durch eine optimierte Patientensteuerung im Rahmen der Reform Einsparungen, die bis in den Milliardenbereich reichen könnten. Zentrales Element der Reformpläne sind integrierte Notfallzentren, die Patienten künftig über einen gemeinsamen Tresen empfangen und weiterleiten sollen.

