Kratos-Netzwerk zerschlagen: BKA und FBI heben Phishing-Plattform aus
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 08:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Cyber-Angriffe ist im ersten Halbjahr 2026 drastisch gestiegen. Besonders SMS-Betrug und Attacken auf Finanzdienstleister nehmen rasant zu. Während Ermittler Erfolge gegen internationale Netzwerke vermelden, starten Kommunen und Bildungsträger neue Aufklärungsprogramme.
Betrugszahlen explodieren
Die Fallzahlen bei SMS-Betrug sind in den ersten sechs Monaten um 146 Prozent gestiegen. Parallel dazu legte der Online-Betrug um 134 Prozent zu. Im Fokus der Kriminellen: Kunden von Sparkassen und Versicherungen.
Die Täter setzen auf Echtzeit-Methoden, um Sicherheitsmechanismen auszuhebeln. Über gesponserte Suchanzeigen locken sie Opfer auf gefälschte Portale. Während der Nutzer seine Daten eingibt, authentifizieren sich die Angreifer simultan beim echten Dienstleister – inklusive Abfrage von Einmalpasswörtern.
Eine weitere Masche nutzt die Deutsche Rentenversicherung als Vorwand. Unter dem Hinweis auf ein angebliches Sicherheitsupdate werden Bürger auf manipulierte Webseiten gelotst.
Ermittler zerschlagen „Kratos“-Netzwerk
Das Bundeskriminalamt (BKA) und das FBI haben im Juli eine der größten Phishing-Plattformen ausgehoben. Das Netzwerk „Kratos“ betrieb 200 Server und wurde von rund 1.800 Abonnenten genutzt. Monatlich führten sie etwa 15.000 Betrugskampagnen durch.
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Bei der Operation „Olympus Blade“ entdeckten Ermittler zudem eine App-Infrastruktur zur Verbreitung von Schadsoftware. Besonders gefährlich: der Trojaner „Dolphin X“. Er verfügt über mehr als 300 Funktionen und kann Daten aus Hunderten von Anwendungen extrahieren.
Experten warnen auch vor KI-generierten Apps in offiziellen Stores. Sie sind zunehmend schwerer als bösartig zu identifizieren.
Deutschland im internationalen Risiko-Ranking
Eine aktuelle Studie von Adobe zum digitalen Reisebetrug ordnet die Gefährdungslage ein. Deutschland erreicht einen Risiko-Index von 57,57. Zum Vergleich: Indien liegt bei 100, die Philippinen bei 82,42. Spanien und Griechenland schneiden deutlich besser ab.
In der Reisebranche beobachten Fachleute eine perfide Masche bei Booking.com. Kriminelle nutzen echte Buchungsdaten und fordern Reisende kurz vor dem Aufenthalt über Messenger zur Zahlung auf gefälschten Seiten auf.
Die Devise der Experten: Bei verdächtigen Nachrichten direkt die Unterkunft anrufen. Und sensible Logins niemals in öffentlichen WLAN-Netzen verwenden.
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Bildungsinitiativen gegen die digitale Bedrohung
Um der Professionalisierung der Kriminellen zu begegnen, starten bundesweit neue Projekte. In Lemgo und Kalletal begann im Juli eine kostenfreie Kursreihe zu digitalen Werkzeugen und Künstlicher Intelligenz. Ziel: Berührungsängste abbauen und die Sicherheit im Umgang mit digitalen Diensten erhöhen.
In Schleswig-Holstein unterstützen Ehrenamtliche gezielt Senioren bei der Nutzung mobiler Endgeräte. Auch international wird aufgerüstet: In Hanoi startete eine initiative, die die digitale Kompetenz der Beamten bis Ende 2027 auf 100 Prozent steigern soll.
Sicherheitsbehörden empfehlen grundlegende Schutzmaßnahmen: Zwei-Faktor-Authentifizierung, eigene Versandetiketten auf Online-Marktplätzen und konsequente Rückrufe bei unangeforderten Kontaktaufnahmen durch angebliche Bankmitarbeiter.
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