Krebsforschung: PRDX1-Enzym hemmt Immunabwehr gezielt
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 18:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein neuer Mechanismus der Tumorumgehung
Wissenschaftler der University of Cambridge und der Oregon Health & Science University haben einen bisher unbekannten Weg identifiziert, auf dem Krebszellen das Immunsystem manipulieren.
Wie aus Fachberichten vom September 2026 hervorgeht, spielt das antioxidative Enzym PRDX1 dabei eine zentrale Rolle. Den Forschungsergebnissen zufolge geben Tumorzellen dieses Enzym aktiv an ihre Umgebung ab, was eine direkte Auswirkung auf die Wirksamkeit der körpereigenen Abwehr hat.
Die in der Fachzeitschrift Science dargelegte Untersuchung zeigt, dass PRDX1 gezielt T-Zellen hemmt. Diese Immunzellen benötigen fĂŒr ihre Aktivierung reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS). Das von den Krebszellen freigesetzte PRDX1 entzieht den T-Zellen diese notwendigen Verbindungen, wodurch deren FĂ€higkeit, den Tumor zu bekĂ€mpfen, massiv eingeschrĂ€nkt wird. Damit fungiert das Enzym als ein Schutzschild fĂŒr bösartige Zellen gegen den Angriff des Immunsystems.
CRISPR-Studien und experimentelle Belege
Im Rahmen der Forschung nutzten die Wissenschaftler die CRISPR-Technologie, um das Gen fĂŒr PRDX1 in Versuchsreihen mit MĂ€usen auszuschalten. Diese gezielte Deletion fĂŒhrte in den Experimenten zu einer deutlichen TumorabstoĂung.
Besonders hervorzuheben ist laut den Berichten, dass die Abwesenheit des Enzyms die Immunantwort nicht nur verstĂ€rkte, sondern die Tumoren zudem empfindlicher fĂŒr die sogenannte Checkpoint-Blockade machte. Dies ist eine Form der Immuntherapie, die darauf abzielt, die Bremsen des Immunsystems zu lösen, bei vielen Krebsarten jedoch oft auf Resistenzen stöĂt.
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Die Relevanz dieser Entdeckung wird durch weiterfĂŒhrende Untersuchungen an menschlichem Material untermauert. Die Forscher analysierten insgesamt 23 menschliche Zelllinien aus elf verschiedenen Krebsarten. Dabei stellte sich heraus, dass PRDX1 das am hĂ€ufigsten von diesen Krebszellen freigesetzte Antioxidans war.
ErgĂ€nzende Daten aus klinischen Proben stĂŒtzen diese Beobachtung: Bei zwei Patienten mit einem Melanom (schwarzer Hautkrebs) konnte in der aus den Tumoren gewonnenen FlĂŒssigkeit eine höhere Konzentration von PRDX1 nachgewiesen werden als im Blutkreislauf derselben Personen. Dies deutet darauf hin, dass die Anreicherung des Enzyms unmittelbar in der Mikroumgebung des Tumors stattfindet.
Systematische Bedeutung fĂŒr die Forschung
Die Identifizierung von PRDX1 als Faktor der Immunflucht eröffnet neue Perspektiven fĂŒr die onkologische Forschung. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Blockade dieses Enzyms die EffektivitĂ€t bestehender Immuntherapien signifikant steigern könnte, indem die T-Zellen in die Lage versetzt werden, ihre fĂŒr die Aktivierung kritischen Sauerstoffverbindungen beizubehalten.
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Trotz der Tragweite dieser Erkenntnisse mahnen die beteiligten Forscher der University of Cambridge und der Oregon Health & Science University zur Vorsicht in der praktischen Anwendung. Die Autoren der Studie raten ausdrĂŒcklich von eigenmĂ€chtigen DiĂ€tĂ€nderungen ab, die auf diesen Ergebnissen basieren könnten.
Die komplexen biochemischen Prozesse innerhalb der Tumormikroumgebung lassen sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht durch allgemeine ErnĂ€hrungsumstellungen beeinflussen, da die gezielte Freisetzung von PRDX1 ein lokaler, tumorspezifischer Prozess ist. ZukĂŒnftige AnsĂ€tze mĂŒssten daher voraussichtlich auf pharmakologische Lösungen setzen, die direkt am Tumor ansetzen.
