Kreislaufwirtschaft, Deutschland

Kreislaufwirtschaft: Deutschland könnte 125 Milliarden Euro bis 2045 generieren

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dortmunder Gespräche zeigen: KI, Robotik und zirkuläre Modelle sollen Lieferketten stärken, Rohstoffe sichern und ESG-Vorgaben erfüllen.

Logistik im Wandel: Resilienz, KI und Kreislaufwirtschaft prägen Branche
Ein weitläufiges, modernes Logistiklager mit leeren Regalsystemen und polierten Betonböden in sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine Analyse der aktuellen Entwicklungen in der Logistikbranche verdeutlicht einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel: Die Branche bewegt sich weg von einer rein auf Effizienz getriebenen Strategie hin zu resilienten und kreislauforientierten Modellen. Im Zentrum dieser Transformation stehen technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik sowie neue regulatorische Anforderungen an die Nachhaltigkeit.

Dortmund als Zentrum der Resilienz-Debatte

Am 8. September 2026 starteten in Dortmund die 44. Dortmunder Gespräche, ein Zukunftskongress für Logistik, an dem über 350 Experten teilnahmen. Unter dem Leitthema „Sichere Logistik für unsichere Zeiten“ forderte das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML eine Abkehr vom reinen Effizienzdenken.

Prof. Uwe Clausen betonte in diesem Zusammenhang, dass Resilienz oft nur so lange als Gegenspieler zur Effizienz wahrgenommen werde, bis ein Krisenfall eintrete. Erst dann zeige sich der wirtschaftliche Wert robuster Strukturen.

Fachleute wie Prof. Michael Henke wiesen darauf hin, dass die technologischen Voraussetzungen für eine sichere Logistik bereits vorhanden seien. Der Fokus liege nun auf der Implementierung dieser Bausteine, insbesondere im Bereich der KI und der Robotik, um Lieferketten gegen globale Instabilitäten abzusichern.

In der begleitenden Debatte wurde deutlich, dass die neue Globalisierung zunehmend durch regionale Redundanzen geprägt ist. Branchenbeobachter verweisen hierbei auf neue Leitbilder wie „Made with Taiwan“ statt des herkömmlichen „Made in Taiwan“, was den Trend zu tieferen, partnerschaftlichen Wertschöpfungsnetzwerken unterstreicht.

Anzeige

Wer im internationalen Handel tätig ist, muss neben der Resilienz auch die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Ihnen, die Sorgfaltspflichten der neuen EU-Entwaldungsverordnung rechtssicher umzusetzen. Gratis-Report und Checkliste zur EU-Verordnung herunterladen

Wirtschaftliche Potenziale der Zirkularität

Parallel zur Resilienz-Debatte rückt die Kreislaufwirtschaft als strategischer Faktor in den Vordergrund. Einer gemeinsamen Studie von BCG und dem BDI zufolge könnte die zirkuläre Bruttowertschöpfung in Deutschland bis zum Jahr 2045 auf bis zu 125 Milliarden Euro ansteigen, was einer kumulierten Wertschöpfung von 880 Milliarden Euro entspricht. Besonders im Maschinenbau werden neue Marktpotenziale von über 150 Milliarden Euro identifiziert.

Ein wesentlicher Vorteil der Kreislaufwirtschaft liegt in der Sicherung der Rohstoffversorgung. Schätzungen zufolge kann Recycling zwischen 20 und 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Dies ist insbesondere für Hochtechnologiesektoren relevant.

So befasst sich das EU-Projekt GENESIS, an dem über 50 Partner beteiligt sind, bis zum Jahr 2028 mit der Entwicklung nachhaltiger Technologien für die Chipfertigung. Das Fraunhofer IPMS koordiniert in diesem Rahmen Maßnahmen zur Minimierung von Abfall und Emissionen, etwa durch das Recycling von CMP-Slurries und die Reduktion von Treibhausgasen wie SF6 und NF3.

Regionale Initiativen und regulatorische Rahmenbedingungen

Auch im Bausektor gewinnt die Ressourcenschonung an Bedeutung. Eine am 8. September 2026 in Berlin vorgestellte Forderung einer Verbändeallianz für Kreislaufwirtschaft setzt sich für praxistaugliche Regeln bei Sekundärbaustoffen ein. Ziel ist es, die Ersatzbaustoffverordnung weiterzuentwickeln und den Produktstatus von Recyclingmaterialien zu klären.

Aktuell decken Sekundärbaustoffe bereits ein Sechstel des mineralischen Bedarfs in Deutschland. Auf regionaler Ebene wurde dazu im Saarland am 3. September 2026 ein Bündnis für zirkuläres Bauen von elf Partnern unterzeichnet, um Materialkreisläufe zu stärken und die öffentliche Vergabe nachhaltiger zu gestalten.

Anzeige

Die Einhaltung neuer Umweltstandards ist heute für jedes Logistikunternehmen unverzichtbar, um Sanktionen zu vermeiden. Ein kostenloser Download bietet Ihnen jetzt eine praktische Checkliste, mit der Sie Ihre Compliance-Prozesse effizient prüfen können. EU-Entwaldungsverordnung: Kostenloses E-Book inkl. Checkliste sichern

Die Integration dieser Themen in die betriebliche Praxis wird zudem durch rechtliche Vorgaben und Ausbildungsinhalte flankiert. In der Logistik ist der Umweltschutz gemäß der geltenden Ausbildungsordnung fester Bestandteil der fachübergreifenden Kompetenzen.

Unternehmen bereiten sich zudem auf verschärfte ESG-Vorgaben und Berichtspflichten vor, die beispielsweise auch Thema der für den 22. und 23. September 2026 angekündigten NOW Green Economy Days in Wien sind. Hierbei stehen neben der Dekarbonisierung vor allem die Kosteneffizienz und die Umsetzung der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) im Fokus der Branche.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70075554 |