Kübler-Ross-Modell, Trauerphasen

Kübler-Ross-Modell: Fünf Trauerphasen sind laut Forschung nicht belegt

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kirchliche und soziale Initiativen verbinden Bewegung mit Begleitung; ein Forscher empfiehlt bei Trauer vor allem Unterstützung durch andere Menschen.

Trauerbegleitung: Pilgerwege und Gruppen schaffen Raum für Austausch
Ein ruhiger, von Bäumen gesäumter Waldweg in der Dämmerung, der zur Kontemplation und zum Wandern einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Kirchliche Initiativen und Hilfsorganisationen setzen vermehrt auf strukturierte Pilgerwege, geführte Wanderungen und ökumenische Projekte, um Menschen in Trauerphasen sowie während der Fastenzeit einen geschützten Rahmen für Reflexion und gegenseitigen Austausch zu eröffnen.

Die Verbindung aus körperlicher Bewegung in der Natur und professioneller seelsorgerischer Begleitung gilt in der Trauerarbeit als bewährtes Modell, um Betroffenen nach schweren Verlusten neue Haltelinien zu bieten.

Strukturierte Wege für Trauernde im Ruhrgebiet

Ein Beispiel für ein solches Angebot bietet das Bistum Essen gemeinsam mit „team exercitia“ an. Am Samstag, 3. Oktober 2026, führt von 10 bis 15 Uhr ein Pilgerweg für Menschen in Trauer entlang des Rhein-Herne-Kanals bis Ripshorst.

Die Wegstrecke wird fachlich von den Trauerbegleiterinnen Andrea Schlüter, Melanie Malitius und Beate Harst begleitet. Start- und Zielpunkt der gemeinsamen Route ist der Treffpunkt „Mary & Joe“ am Platz der Guten Hoffnung 1 in Oberhausen.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, erfordert jedoch eine vorherige Anmeldung bei Olivia Klose im Bistum Essen. Für die Wanderung werden wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk, ein Tagesrucksack mit Verpflegung sowie nach persönlichem Bedarf Wanderstöcke empfohlen.

Niedrigschwellige Angebote in Niederösterreich

Ähnliche Schwerpunkte setzen auch regionale Hilfsdienste im Nachbarland Österreich. Die Caritas St. Pölten veranstaltet samstags von 13:00 bis 14:00 Uhr geführte Spaziergänge für Trauernde in Waidhofen an der Ybbs und in Amstetten. Bei einer Gehzeit von ein bis zwei Stunden bewegen sich die Teilnehmenden in gemütlichem Tempo und ohne anstrengende Steigungen.

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Trauer verläuft nicht in fünf sauberen Phasen — sie ist ein Wechselspiel aus Erinnern und Neuorientieren, mal laut, mal leise. Genau dafür gibt es Wege, die man gemeinsam geht: Pilgerstrecken, geführte Spaziergänge und Wandertage, bei denen Bewegung und Begleitung zusammenkommen. Unser kostenloser Wegweiser zeigt, welche Formate es gibt und wie Sie das passende für sich finden. Kostenlosen Trauer-Wegweiser anfordern

Die Begleitung und Anmeldung übernimmt Maria Brandstetter, wobei der genaue Treffpunkt im Zuge der Registrierung mitgeteilt wird. Auch hier verweist die Organisation auf die Notwendigkeit von festem Schuhwerk und witterungsangepasster Kleidung.

Gemeinschaftlicher Austausch statt Isolation

Dass der persönliche Austausch über Jahrzehnte hinweg eine tragende Säule bleibt, belegen Initiativen der Selbsthilfe. In Böblingen startet am 29. September die Trauergruppe „Eltern im Schatten“. Elisabeth Maurer, die nach dem Tod ihrer Tochter ursprünglich nur ein einziges Treffen besuchen wollte, begleitet dort mittlerweile seit 33 Jahren verwaiste Mütter und Väter.

Die Gruppe verzeichnet aktuell einen Höchststand an Teilnehmenden. Ergänzend dazu laden die Evangelischen Kirchengemeinden Bonn-Mitte am Samstag, 3. Oktober 2026, zu einem rund zwölf Kilometer langen Wandertag auf dem Rheinhöhenweg von Oedingen über die Landskrone bis Bad Neuenahr ein, der ohne Voranmeldung offensteht.

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Wenn der Verlust da ist, fehlt oft zuerst die Struktur: kein Grund aufzustehen, keine Verabredung, kein Ort, an dem man offen sprechen darf. Genau hier setzen Gruppen an — Menschen, die dasselbe erlebt haben und weitergehen. Der Wegweiser hilft Ihnen, den ersten Kontakt zu finden, ohne sich zu erklären. 5 Schritte aus der Isolation — jetzt lesen

Die Bedeutung des persönlichen Miteinanders unterstreicht auch die wissenschaftliche Forschung. Dr. Michael Klenk von der Technischen Universität Nürnberg verweist darauf, dass Trauer ein individueller, nicht-linearer Prozess sei, der aus einem dualen Wechselspiel von Erinnerungsarbeit und Neuorientierung bestehe.

Die bekannten fünf Trauerphasen nach Kübler-Ross seien hingegen empirisch nicht belegt. Mit Blick auf digitale Angebote wie künstliche Gesprächssimulationen rät Klenk Betroffenen dazu, mit dem Schmerz nicht allein zu bleiben, sondern primär den Rückhalt in Selbsthilfegruppen, Familie und Freundeskreis zu suchen.

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