Landwirte unter Druck: Depressionen und Angst deutlich ĂŒber Bevölkerung
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die psychische Belastbarkeit von Landwirten rĂŒckt verstĂ€rkt in den Fokus wissenschaftlicher und praxisnaher Betrachtungen. Wie der Umweltpsychologe Dr. Norman Schmid im Rahmen von FachbeitrĂ€gen erlĂ€uterte, stellt Zuversicht dabei eine wesentliche Komponente dar. Diese sei keine unverĂ€nderliche Charaktereigenschaft, sondern eine erlernbare FĂ€higkeit, welche die individuelle Resilienz nachhaltig festigen könne.
Untersuchungen deuteten darauf hin, dass optimistische Personen nach schweren SchicksalsschlĂ€gen schneller wieder eine stabile LebensfĂŒhrung erreichen.
Strategien zur Förderung der psychischen Widerstandskraft
Zur StĂ€rkung dieser Zuversicht empfahl Dr. Schmid konkrete Verhaltensweisen. Dazu gehörten die bewusste Konzentration auf positive Erlebnisse, die Praxis der Achtsamkeit sowie das Offensein fĂŒr neue Erfahrungen. Diese AnsĂ€tze zielen darauf ab, die psychischen Abwehrmechanismen gegenĂŒber den spezifischen Belastungen des landwirtschaftlichen Alltags zu krĂ€ftigen.
ErgÀnzend dazu betonte Professorin Undine Lang von den UniversitÀren Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel die Bedeutung externer und interaktiver Faktoren. In einer Stellungnahme wies sie darauf hin, dass soziale Kontakte, Humor und Dankbarkeit zentrale SÀulen der Resilienz seien.
Zudem fördere regelmĂ€Ăige sportliche BetĂ€tigung die psychische StabilitĂ€t. Ein wesentlicher Aspekt der mentalen Selbsthilfe sei zudem die Fokussierung auf jene Bereiche des Lebens und Betriebs, die tatsĂ€chlich steuerbar sind, anstatt sich in unbeeinflussbaren Sorgen zu verlieren.
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Statistische Erhebung zur Belastungssituation
Die Notwendigkeit solcher Resilienzstrategien wird durch Daten einer Online-Umfrage der UWK untermauert, die im Zeitraum von Oktober 2024 bis Februar 2025 erhoben wurden. An der Befragung nahmen rund 2.000 Landwirte teil. Die Ergebnisse zeigten in fast allen untersuchten Kategorien eine deutlich höhere psychische Belastung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
- Depressionen: 28,0 % bei Landwirten gegenĂŒber 21,4 % in der Gesamtbevölkerung.
- AngstzustÀnde: 31,1 % im Vergleich zu 14,6 %.
- Stress: 66,9 % der Befragten gaben hohe Belastungswerte an (Allgemeinbevölkerung: 51,0 %).
- Schlaflosigkeit: 15,3 % gegenĂŒber 9,0 %.
- Suizidgedanken: 19,7 % im Vergleich zu 14,3 %.
Lediglich beim Alkoholmissbrauch lag der Wert unter den Landwirten mit 15,8 % niedriger als in der restlichen Bevölkerung, wo dieser bei 20,7 % verortet wurde.
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Hilfsangebote und Beratung fĂŒr Betroffene
Um dieser Situation zu begegnen, wurden spezialisierte UnterstĂŒtzungssysteme etabliert. Das Projekt âHappy am Hofâ, eine Kooperation des Maschinenrings, der Sozialversicherung der SelbstĂ€ndigen (SVS) und der Organisation âLebensqualitĂ€t Bauernhofâ, bietet gezielte Hilfe fĂŒr psychisch belastete Personen im Agrarsektor an.
Ein zentraler Bestandteil dieses Netzwerks ist das Sorgentelefon der Organisation âLebensqualitĂ€t Bauernhofâ. Unter der Rufnummer 0810/67 68 10 erhalten Betroffene von Montag bis Freitag zwischen 8:30 und 12:30 Uhr UnterstĂŒtzung.
Die Kosten fĂŒr diesen Dienst belaufen sich auf etwa 1,30 Euro pro Stunde. Diese niedrigschwelligen Angebote sollen sicherstellen, dass Landwirte in Krisensituationen zeitnah professionelle Begleitung finden können.
