Lange, Arbeitszeiten

Lange Arbeitszeiten: Ab 55 Wochenstunden steigt das Schlaganfallrisiko um 35 Prozent

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arbeitsmedizinische Daten zeigen erhöhte Herz-Kreislauf-Risiken bei langen Arbeitswochen; Fachleute betonen Prävention und gesunde Organisationskultur.
Ein leerer Fußballtrainingsplatz bei Dämmerung mit langen Schatten auf dem Rasen und dramatischem Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Nach dem medizinischen Vorfall um Vincent Kompany steht die Belastung im Spitzenfußball erneut im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Cheftrainer des FC Bayern München hatte beim Training ein Unwohlsein erlitten, wurde per Hubschrauber transportiert und wegen einer Hirnhautreizung in einer Klinik behandelt. Das Krankenhaus konnte er an einem Mittwoch wieder verlassen. Berichten zufolge absolviert der Trainer regelmäßig Arbeitstage von bis zu 18 Stunden.

Erkrankung statt reiner Überlastung

Trotz der Diskussionen über die zeitliche Beanspruchung im Trainerberuf trat die sportliche Leitung des Vereins Spekulationen über die Ursachen des Vorfalls entgegen.

Sportvorstand Max Eberl widersprach der Annahme, der Zusammenbruch sei die direkte Folge einer Überlastung. Es handele sich um eine Erkrankung, die jeden treffen könne und unabhängig vom Druck in der Bundesliga zu betrachten sei. Gleichzeitig hatte Eberl zuvor erklärt, dass es eine der zentralen Aufgaben des Vereins sei, den Trainer zu schützen, auch vor sich selbst.

Hohe Anforderungen im Traineralltag

Die Debatte spiegelt Erfahrungen weiterer Akteure im Profifußball wider. Der Trainer Ivan Leko berichtete aus seiner Zeit bei Cercle Brügge von extremen Belastungen, bei denen er von 6 bis 22 Uhr gearbeitet und kaum geschlafen habe.

David Hubert verwies auf das Fehlen eines mentalen Abschalters im Traineralltag. Vincent Euvrard verglich das Anforderungsprofil und das Verantwortungsniveau der Trainertätigkeit mit Berufsfeldern wie jenen von Chirurgen oder Lehrkräften.

Fachärzte für Psychiatrie weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die reine Arbeitszeit nicht allein das Problem darstelle. Warnsignale für eine kritische Überlastung seien unter anderem Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit, Zynismus sowie körperliche Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen.

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Als Entlastung werden unter anderem tägliche bewusste Auszeiten von zwölf Minuten empfohlen. Parallel dazu erforscht die Uniklinik Köln den Einfluss von chronischem Stress auf das biologische Alter.

Arbeitsmedizinische Folgen dauerhafter Überarbeitung

Dass überlange Arbeitszeiten messbare gesundheitliche Risiken bergen, belegen arbeitsmedizinische Untersuchungen. Lode Godderis, Professor für Arbeitsmedizin an der KU Leuven und bei IDEWE, betonte, dass die Organisationskultur einen größeren Einfluss auf Personalausfälle habe als individuelle Persönlichkeitsmerkmale.

Godderis verwies auf eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation und der Internationalen Arbeitsorganisation: Bei einer Arbeitszeit von mindestens 55 Wochenstunden im Vergleich zu 35 bis 40 Stunden liege das Schlaganfallrisiko um 35 Prozent und das Risiko, an einem akuten Herzinfarkt zu sterben, um 17 Prozent höher. Burnout beschrieb der Arbeitsmediziner als chronische Dekompensation und verwies auf den japanischen Begriff Karoshi für den Tod durch Überarbeitung.

Prävention und Unternehmenskultur im Fokus

Auf europäischer Ebene rückt die Prävention psychischer Belastungen verstärkt in den Mittelpunkt. Im Rahmen einer Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hoben Arbeitsministerin Korinna Schumann und Fachleute die zentrale Rolle von Führungskräften hervor.

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Roland Pichler von der AUVA erklärte, dass der Schutz der Gesundheit eine bewusste Gestaltung der Aufgaben, der Arbeitsorganisation und des Umgangs miteinander erfordere. Arbeitspsychologen empfehlen frühzeitige Gespräche, regelmäßige Check-ins und klar definierte Anlaufstellen in Organisationen.

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