Langes Leben: Geriater Denkinger hĂ€lt ausgewogene ErnĂ€hrung fĂŒr ĂŒberbewertet
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Debatte ĂŒber ein langes und vitales Altern steht die Frage nach dem optimalen Lebensstil im Mittelpunkt. WĂ€hrend Ratgeber und Gesundheitsempfehlungen hĂ€ufig eine ausgewogene ErnĂ€hrung als unverzichtbaren Grundpfeiler darstellen, rĂŒckt die Altersmedizin zunehmend andere EinflussgröĂen in den Fokus.
Michael Denkinger, PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Geriatrie, hĂ€lt eine ausgewogene ErnĂ€hrung fĂŒr ein langes gesundes Leben fĂŒr ĂŒberbewertet. Wie das Portal evangelisch.de in einem Bericht vom 20. Oktober 2026 ĂŒber ein Interview Denkingers mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darlegt, stuft der Facharzt diese weit verbreitete Annahme als eines der gröĂten GerĂŒchte aller Zeiten ein.
Psychische Faktoren und Gemeinschaft als Schutzmechanismen
Anstelle einer einseitigen Konzentration auf NĂ€hrstoffe und SpeiseplĂ€ne hebt Denkinger andere Lebensbereiche hervor: Optimismus und soziale Kontakte seien fĂŒr ein langes und gesundes Leben weitaus wichtigere Faktoren als die ErnĂ€hrung. Die seelische Verfassung sowie das Eingebundensein in ein stabiles persönliches Umfeld spielen nach dieser EinschĂ€tzung eine ĂŒbergeordnete Rolle fĂŒr die physische Widerstandskraft im Alter.
Zur Untermauerung verweist Denkinger auf Erkenntnisse aus Beobachtungsstudien. Diese belegen demnach, dass eine optimistische Grundeinstellung mit einer lÀngeren Lebensdauer verbunden ist.
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Zudem zeigen solche Untersuchungen, dass optimistische Personen nach Operationen gĂŒnstigere ErholungsverlĂ€ufe aufweisen. Eine zuversichtliche Haltung geht somit mit Vorteilen fĂŒr die körperliche Regeneration einher, die ĂŒber rein ernĂ€hrungsbezogene MaĂnahmen hinausreichen.
Der soziale Aspekt am Beispiel Spaniens
Um den Stellenwert des gesellschaftlichen Rahmens gegenĂŒber strikten ErnĂ€hrungsvorgaben zu verdeutlichen, fĂŒhrt Denkinger das Beispiel Spanien an. Das Land weise die höchste Lebenserwartung innerhalb Europas auf, obwohl vegetarisches Essen dort eher unĂŒblich sei.
Ausschlaggebend sei in diesem Zusammenhang nicht die strikte Einhaltung bestimmter DiĂ€tregeln, sondern der soziale Kontext des Essens. Das gemeinsame Einnehmen von Mahlzeiten, der regelmĂ€Ăige Austausch und das Pflegen zwischenmenschlicher Beziehungen stiften ein soziales GefĂŒge, das nach Ansicht des Mediziners wesentlich zur hohen Lebenserwartung beitrĂ€gt.
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Einordnung fĂŒr die geriatrische Praxis
Die Perspektive Denkingers verdeutlicht einen Wandel in der Betrachtung des Alterns. WÀhrend diÀtetische Empfehlungen in der öffentlichen Wahrnehmung hÀufig dominieren, mahnen geriatrische Fachkreise an, die psychologischen und zwischenmenschlichen Komponenten nicht zu vernachlÀssigen.
Eine Verengung auf SpeiseplĂ€ne greift demnach zu kurz, wenn Aspekte wie soziale Isolation oder eine pessimistische Lebenseinstellung ausgeblendet bleiben. FĂŒr ein gesundes Ălterwerden sind die Pflege sozialer Netzwerke und die Förderung der persönlichen Zuversicht demnach mindestens ebenso bedeutsam wie die Wahl der Lebensmittel.
