Langlebigkeit: Hundertjährige Eltern senken Sterberisiko um 42%
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 20:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Studie liefert neue Belege dafür, dass ein besonders langlebiger Elternteil das eigene Sterberisiko messbar senkt.
Das Team um Eric R. Reed vom Albert Einstein College of Medicine wertete Daten von rund 4.000 bis über 5.000 Personen aus drei Langzeitstudien in den USA und Großbritannien aus, von denen mehr als 2.300 mindestens einen mindestens 100 Jahre alt gewordenen Elternteil hatten. Die Beobachtungszeit reichte teils bis zu 29 Jahre.
Deutlich geringeres Sterberisiko
Nach den Ergebnissen hatten Nachkommen von Hundertjährigen ein um 42 Prozent geringeres Sterberisiko als Vergleichspersonen. Der Tod trat im Schnitt 3,1 Jahre später ein. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte sich ein Vorteil: Das Risiko lag um 33 Prozent niedriger. Bluthochdruck betraf die Nachkommen von Hundertjährigen seltener – das Risiko war um 32 Prozent reduziert, und Hypertonie setzte im Schnitt 5,2 Jahre später ein.
Diese Effekte blieben laut der Studie auch bestehen, nachdem die Forscher für Rauchen, Bildung, sozioökonomischen Status, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Ernährung kontrolliert hatten – ein Hinweis darauf, dass Lebensstilfaktoren allein die Unterschiede nicht erklären.
Gemischtes Bild bei Schlaganfall und Krebs
Nicht alle untersuchten Erkrankungen folgten diesem Muster. Beim Schlaganfallrisiko fiel das Ergebnis uneinheitlich aus: In zwei der drei untersuchten Kohorten zeigte sich eine Risikoreduktion, in den britischen Daten dagegen nicht. Beim Krebsrisiko fand die Studie keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Nachkommen von Hundertjährigen und der Vergleichsgruppe.
Einschränkungen der Studie
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Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass es sich um eine Assoziation handelt und nicht um einen Beweis dafür, dass ein hundertjähriger Elternteil automatisch ein langes Leben garantiert. Zudem bestand die Mehrheit der Teilnehmer aus weißen Personen, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen einschränkt.
Einordnung in die Langlebigkeitsforschung
Die Ergebnisse reihen sich in eine Reihe aktueller Untersuchungen zum Altern ein. So untersuchte eine Studie im Fachjournal Science unter Leitung von Julia El-Sayed Moustafa vom King's College London an 335 Frauen der Zwillingskohorte TwinsUK über median sechs Jahre, wie sich Tausende Gene und hunderte Metabolite mit dem Alter verändern – etwa eine sinkende TP53-Aktivität.
Eine im Fachjournal Cell Reports Medicine beschriebene Untersuchung an einer 117-jährig verstorbenen Frau, die bis zu ihrem Tod im August 2024 als älteste bestätigt lebende Person galt, fand ein biologisches Alter, das nach sechs verschiedenen epigenetischen Uhren rund 23 Jahre unter ihrem tatsächlichen Alter lag.
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Auch tierexperimentelle Ansätze liefern Hinweise: Das seit 2020 laufende Dog Aging Project identifizierte bei zehntausenden untersuchten Hunden 48 von 133 Stoffwechselprodukten mit klarem Bezug zum Alter, wobei die Nierenfunktion eine zentrale Rolle spielte.
Für die praktische Vorsorgeplanung bleibt relevant, dass genetische Vorteile individuelle Unterschiede erklären, statistische Lebenserwartungswerte aber Durchschnittsgrößen darstellen.
Nach einer Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Statistischen Bundesamts liegt die statistische Restlebenserwartung mit 65 Jahren aktuell bei 21,2 Jahren für Frauen und 18,2 Jahren für Männer – tatsächlich erreichte Lebensdauern lagen historisch jedoch häufig darüber.
Fachleute der Deutschen Aktuarvereinigung weisen darauf hin, dass viele Menschen sich bei der eigenen Lebenserwartung am Lebensalter ihrer Eltern oder Großeltern orientieren und dadurch unterschätzen können, wie lange finanzielle Vorsorge tatsächlich reichen muss.
