Lebensmittelrettung: Foodsharing verteilt in Mainz 1,5 Tonnen kostenlos
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 09:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am bundesweiten Tag der Lebensmittelrettung am 26. September 2026 haben Initiativen in zahlreichen Städten das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung thematisiert. Die Organisation foodsharing führte dezentrale Aktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch, um genießbare Waren vor der Vernichtung zu bewahren.
Allein in Mainz wurden im Rahmen der Aktionen 1,5 Tonnen gerettete Lebensmittel kostenfrei an Passanten und Hilfsorganisationen abgegeben. Eine Bestandsaufnahme verdeutlicht, wie lokale Netzwerke arbeiten und welche politischen Forderungen die Akteure stellen.
Lokale Logistik und Verteilung in den Städten
In Mainz fand die zentrale Aktion auf dem Leichhof statt. Nach Angaben der Stadtverwaltung engagieren sich rund 600 Personen im Mainzer Foodsharing-Netzwerk, das mit etwa 100 Betrieben kooperiert. Acht sogenannte FairTeiler, öffentlich zugängliche Regale und Kühlschränke, stehen im Stadtgebiet zur Verfügung.
Ehrenamtliche holen regelmäßig aussortierte Waren bei Supermärkten, Bäckereien, Cafés und Restaurants ab. Eva Benz von Foodsharing Mainz betonte in diesem Zusammenhang, dass Lebensmittel grundsätzlich in Bäuche und nicht in die Tonne gehörten. Die Weitergabe erfolgte unter anderem an die Nachbarschaft, die Obdachlosenhilfe sowie den Frauennotruf.
Dass die Rettung oft in engen Zeitfenstern stattfindet, zeigt der Einsatz des ehrenamtlichen Retters Konrad Hagn. Bei wöchentlichen Rundgängen auf dem Mainzer Wochenmarkt sicherte er zuletzt binnen einer Viertelstunde rund zehn Kilogramm Mirabellen, Brötchen, Croissants und Olivenpaste.
In zwei Jahren rettete er schätzungsweise 1.000 Kilogramm Lebensmittel. Auch in anderen Regionen beteiligten sich Gruppen: Im westfälischen Werl, wo die Initiative seit Dezember 2020 aktiv ist, wurden am 26. September im Kurpark gerettete Waren ohne Bedürftigkeitsprüfung verteilt.
Karlsruher Protest und politische Forderungen
Auf dem Marktplatz vor dem Karlsruher Rathaus schichteten Aktivisten der Bezirke Karlsruhe, Ettlingen und Bruchsal am 26. September mehr als drei Tonnen gerettete Lebensmittel zu einer Pyramide auf. Im regulären Betrieb sammeln dort mehr als 800 Helfer täglich rund 200 Kisten Lebensmittel bei etwa 200 Partnerbetrieben ein; rund zehn FairTeiler stehen bereit.
Rund 600 Menschen sind allein in Mainz beim Lebensmittelretten aktiv, acht öffentlich zugängliche Regale und Kühlschränke stehen dort bereit — und trotzdem landet weiterhin ein Drittel aller Lebensmittel im Abfall. In drei Schritten zeigen wir Ihnen, wie Sie in Ihrer Stadt einsteigen: Standort finden, Abholung planen, Waren rechtssicher weitergeben. Kostenlosen Leitfaden zur Lebensmittelrettung anfordern
Foodsharing-Botschafterin Anette Rößler erklärte, dass rund ein Drittel aller Lebensmittel für den Abfall produziert werde und viele Menschen das reale Ausmaß der Verschwendung unterschätzten.
Aus der Initiative heraus werden konkrete Rahmenbedingungen gefordert: ein gesetzlicher Wegwerfstopp für genießbare Lebensmittel im Handel, verbindliche Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette, mehr Rechtssicherheit für rettende Personen sowie eine Reform der Handelsnormen und gesetzliche Anpassungen beim Mindesthaltbarkeitsdatum.
Bundesweite Dimensionen und Großaktionen
Nach Angaben von foodsharing zählt die Organisation bundesweit über 180.000 Ehrenamtliche, die pro Tag etwa 8.500 Rettungseinsätze absolvieren. Seit dem Jahr 2014 seien so mehr als 317 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Entsorgung bewahrt worden.
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Während FairTeiler im Landkreis Augsburg als unentgeltliches Zusatzangebot und ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Tafeln betrieben werden, gab es am 26. September auch privatwirtschaftlich initiierte Großaktionen.
In Berlin verteilte das Unternehmen Sirplus am Spreeufer über 500.000 Packungen Nudeln, die wegen Überproduktionen oder logistischer Gründe nicht in den Handel gelangt waren. Gründer Raphael Fellmer kündigte an, diese Verteilung als Weltrekordversuch in einer neu geschaffenen Kategorie erfassen zu lassen.
