Leberfett: Intervallfasten bringt gegenüber Mittelmeerdiät keinen Zusatznutzen
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 03:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deBeim Abbau von Leberfett bringt das zeitlich begrenzte Essen keinen messbaren Zusatznutzen gegenüber einer klassischen mediterranen Ernährung. Zu diesem Ergebnis kommt eine spanische klinische Studie der Universität Granada (UGR) und der Public University of Navarra (UPNA), deren Resultate im Fachjournal JHEP Reports veröffentlicht wurden. Die Untersuchung analysiert die Effekte verschiedener Zeitfenster der Nahrungsaufnahme im direkten Vergleich mit herkömmlichen Ernährungsansätzen.
Studiendesign mit MRT-Messungen des Leberfetts
Für die Untersuchung begleiteten die Forscherinnen und Forscher der UGR und der UPNA insgesamt 197 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 30 bis 60 Jahren, die an Übergewicht oder Adipositas litten. Die Studiendauer belief sich auf 12 Wochen.
Das Design gliederte das Kollektiv in vier Gruppen: Ein frühes Essensfenster von ungefähr 9 bis 17 Uhr, ein spätes Intervall von 14 bis 22 Uhr, ein selbstgewähltes Zeitfenster mit einem Durchschnitt von 12:20 bis 20 Uhr sowie eine Kontrollgruppe.
Der Fettgehalt der Leber wurde im Verlauf präzise per Magnetresonanztomographie (MRT) erfasst. Die Auswertung ergab, dass keines der drei Fastenfenster das Leberfett signifikant stärker senkte als die mediterrane Ernährung allein. Auch hinsichtlich der allgemeinen Lebergesundheit sowie der Zusammensetzung der fäkalen Mikrobiota zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Testgruppen.
Ein relevanter Rückgang des Leberfetts war primär an die generelle Gewichtsabnahme gekoppelt. Die stärkste Reduktion zeigte sich ab einem Gewichtsverlust von ?5%. Diesen Schwellenwert erreichten 40 bis 45% der fastenden Teilnehmenden. Spezifische metabolische Effekte zeigten sich zudem beim frühen Fasten: Wurde die letzte Mahlzeit vor 17 Uhr eingenommen, verbesserten sich die Glukosewerte im Nüchternzustand sowie während der Nacht.
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Differenzierte Befunde zum Gewichtsverlust
Frühere Untersuchungen desselben Forschungsteams im Fachblatt Nature Medicine hatten bereits belegt, dass ein 8-Stunden-Essensfenster das Körpergewicht wirksam reduziert und die kardiovaskuläre sowie metabolische Gesundheit verbessern kann. Eine Sekundäranalyse dieses Versuchs zeigte, dass Fastende durchschnittlich 3 bis 4 kg mehr an Gewicht verloren als Probanden, die ausschließlich eine Ernährungsberatung erhielten.
Diesen Trend untermauert eine weitere Studie mit 99 Teilnehmenden über einen Beobachtungszeitraum von 12 Monaten. Dabei wurden während einer zwölfwöchigen Interventionsphase vier Gruppen verglichen, die alle eine Beratung zur Mittelmeerdiät erhielten: ein Essensfenster von ?12 Stunden, ein 8-Stunden-Fenster vor 10 Uhr, ein 8-Stunden-Fenster nach 13 Uhr sowie eine frei wählbare Einteilung.
Nach 12 Wochen lag der Gewichtsverlust in der Gruppe mit dem ?12-Stunden-Fenster im Mittel bei 1,4 kg, während die 8-Stunden-Gruppen 3 bis 4 kg verloren. Nach 12 Monaten verzeichnete die ?12-Stunden-Gruppe eine Zunahme von +0,4 kg, wohingegen die Probanden im frühen und späten Intervallfasten einen Verlust von circa -2 kg beibehielten.
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Einordnung durch die Studienleitung
Dr. Alba Camacho-Cardenosa von der Universität Granada legte auf dem Europäischen Adipositas-Kongress in Spanien weitere, noch nicht peer-reviewte Daten vor.
Demnach führe ein tägliches 8-Stunden-Essensfenster innerhalb eines Jahres zu einem Gewichtsverlust von 3 bis 4 kg sowie einer deutlicheren Abnahme des Taillen- und Hüftumfangs. Dieser Effekt sei primär auf die 16-stündige Fastenphase zurückzuführen und hänge nicht von der konkreten Tageszeit ab.
Der Koordinator der Untersuchungen, Dr. Jonathan Ruiz, erklärte, dass Intervallfasten ein geeigneter Ansatz für übergewichtige und adipöse Erwachsene sei. Um die langfristigen physiologischen Auswirkungen abschließend zu bewerten, seien jedoch weitere größere Langzeitstudien erforderlich.
