Legal-Tech: Spellbook und M-Files starten agentische KI-Systeme
Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 16:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 30. Juni 2026 stellten gleich zwei fĂŒhrende Anbieter â Spellbook und M-Files â neue KI-Systeme vor, die den gesamten Lebenszyklus von GeschĂ€ftsvertrĂ€gen automatisieren sollen. Statt bloĂer Dokumentenverwaltung setzen die Unternehmen auf sogenannte âagentische" KI, die eigenstĂ€ndig handelt und nur noch minimale menschliche Aufsicht benötigt.
Spellbook: Vom Entwurf bis zur VerlÀngerung
Die Rechts-KI-Plattform Spellbook hat ihr Autonomous Contract Management (ACM)-System im Early Access gestartet. Das Besondere: Die Software greift selbststĂ€ndig auf KommunikationskanĂ€le wie E-Mail, Slack und Microsoft Teams zu, aber auch auf CRM-Systeme wie Salesforce oder HubSpot. Aus den dort gefundenen Dokumenten extrahiert die KI relevante Informationen, prĂŒft Vertragsklauseln, leitet Unterschriftenprozesse ein und ĂŒberwacht nach Abschluss Fristen und Risikofaktoren.
Mehr als 4.500 Anwaltskanzleien in 80 LĂ€ndern nutzen bereits die Technologie von Spellbook. Das Unternehmen, das im MĂ€rz 2026 eine Fremdkapitalfinanzierung von 40 Millionen US-Dollar (rund 37 Millionen Euro) erhielt, wird derzeit mit etwa 350 Millionen Dollar bewertet. FĂŒr das vierte Quartal 2026 ist zudem die Funktion Radar angekĂŒndigt â sie soll Ănderungen externer Richtlinien erkennen, die bestehende VertrĂ€ge betreffen könnten.
M-Files: Kontextbewusste Agenten fĂŒr Unternehmen
Parallel dazu hat M-Files eine Suite kontextbewusster KI-Agenten vorgestellt. Die Werkzeuge basieren auf dem Enterprise Knowledge Graph des Unternehmens und unterstĂŒtzen das Model Context Protocol (MCP). Im Fokus stehen drei spezialisierte Agenten:
- Contracts Agent: Extrahiert strukturierte Daten aus unstrukturierten Dokumenten
- Metadata Agent: Verbessert die Auffindbarkeit von VertrÀgen
- Insights Agent: VerknĂŒpft Vertragsbedingungen mit Unternehmensdaten
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Das Ziel: Umsatzverluste durch veraltete oder falsch angewandte Vertragsklauseln vermeiden. Indem die KI Vertragsinhalte direkt mit Finanzsystemen abgleicht, sollen Abweichungen sofort erkannt werden.
Branche im Wandel: Vom Speicher zur intelligenten Steuerung
Der Trend zur Digitalisierung von VertrÀgen erfasst zunehmend auch spezialisierte Sektoren und regionale MÀrkte. Auf den Philippinen etwa startete OCS Philippines am 25. Juni 2026 ein eigenes Customer Contract Management System (CCMS), das von der indonesischen Tochter adaptiert wurde.
In den USA treiben vor allem Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Verteidigungsindustrie die Modernisierung voran. Anbieter wie TechnoMile konzentrieren sich auf die komplexen regulatorischen Anforderungen dieser Branchen. Die Systeme setzen verstÀrkt auf domÀnenspezifische KI, um hochriskante Verpflichtungen zu managen.
Leistungssprung bei Legal-KI
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Die zugrundeliegende Technologie macht ebenfalls Fortschritte. Am 30. Juni integrierte die Legal-KI-Plattform Harvey das Modell Claude Sonnet 5 von Anthropic. In Branchentests erreichte das System 91,3 Prozent auf dem BigLaw-Benchmark â ein deutlicher Hinweis auf verbesserte Risikobewertung und Vertragserstellung.
Branchenbeobachter sehen einen klaren Trend: Weg von der reinen Dokumentenablage, hin zur intelligenten Orchestrierung von VertrĂ€gen. Generative KI extrahiert Daten fĂŒr Compliance-PrĂŒfungen und proaktives VerlĂ€ngerungsmanagement. Zwar bleiben Herausforderungen wie Datenschutz und die Gefahr von KI-Halluzinationen bestehen. Doch durch verbesserte Verankerungstechniken (Grounding) steigt die ZuverlĂ€ssigkeit automatisierter Workflows stetig.
