Klimawandel belastet GrundwasserqualitĂ€t fĂŒr Millionen Leute
07.06.2024 - 04:14:14Infolge steigender Temperaturen könnten einer Prognose zufolge bis zum Jahr 2100 Hunderte Millionen Menschen in Gebieten leben, in denen die QualitĂ€t des Grundwassers beeintrĂ€chtigt und ihre Gesundheit gefĂ€hrdet ist. «Das bedeutet, dass das Wasser dort nicht bedenkenlos direkt getrunken werden kann, sondern zum Beispiel abgekocht werden muss», erklĂ€rte Susanne Benz vom Institut fĂŒr Photogrammetrie und Fernerkundung des Karlsruher Instituts fĂŒr Technologie (KIT) in einer Mitteilung. «Je nach Klimaszenario werden bis zum Jahr 2100 bis zu mehrere Hundert Millionen Menschen betroffen sein.»
Gesundheitsgefahr: Legionellen und Arsen
Die Temperatur des Grundwassers spielt den Angaben nach eine entscheidende Rolle fĂŒr die WasserqualitĂ€t - inwiefern sich zum Beispiel schĂ€dliche Stoffe wie Arsen oder Mangan anreichern. «Diese erhöhten Konzentrationen können sich negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken, insbesondere wenn das Grundwasser als Trinkwasserquelle genutzt wird», erlĂ€uterte Benz. Auch könnten sich Krankheitserreger wie Legionellen ausbreiten.
DarĂŒber hinaus wirken sich steigende Wassertemperaturen demnach auch auf die BiodiversitĂ€t aus. Fischarten wie der Lachs nutzten LaichplĂ€tze in FlĂŒssen, die von Grundwasser gespeist werden. Seien diese zu warm, gefĂ€hrde das die Fortpflanzung.Â
Bisher war der Mitteilung zufolge wenig darĂŒber bekannt, wie sich die ErwĂ€rmung der ErdoberflĂ€che infolge des Klimawandels auf das Grundwasser auswirkt. Das Team um Benz prognostizierte nun VerĂ€nderungen der Grundwassertemperatur bis zum Jahr 2100 weltweit. Die Ergebnisse wurden jĂŒngst im Fachmagazin «Nature Geoscience» veröffentlicht.
Appell zum Schutz der Grundwasserressourcen
Die Forschenden untersuchten verschiedene AusmaĂe der Treibhausgasentwicklung. In einem mittleren Szenario steigt die Temperatur des Grundwassers um 2,1 Grad, in einem extremen um 3,5 Grad. Dann könnten 77 bis 188 Millionen Menschen beziehungsweise 59 bis 588 Millionen Menschen in Gebieten leben, in denen das Grundwasser den höchsten von einem Land festgelegten Grenzwert fĂŒr die Trinkwassertemperatur ĂŒberschreitet.Â
«Die starken Schwankungen hĂ€ngen mit der rĂ€umlichen VariabilitĂ€t des Klimawandels und der Bevölkerungsentwicklung zusammen», schreibt das KIT. Die geringsten ErwĂ€rmungsraten wĂŒrden fĂŒr Gebirge mit einem tief liegendem Grundwasserspiegel wie die Anden oder Rocky Mountains erwartet.
«Schon heute leben rund 30 Millionen Menschen in Gebieten, in denen das Grundwasser wĂ€rmer ist, als die strengsten Richtlinien fĂŒr Trinkwasser vorgeben», machte Benz allerdings deutlich. «Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, MaĂnahmen zum Schutz der Grundwasserressourcen zu ergreifen und nachhaltige Lösungen zu finden, um den negativen Auswirkungen des Klimawandels auf das Grundwasser entgegenzuwirken.»


