Lehrerausbildung: Hessen verkürzt Referendariat auf 18 Monate
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen einer geplanten Umstrukturierung der Lehrerausbildung in Hessen hat das Kultusministerium einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine deutliche Verkürzung des Referendariats vorsieht.
Wie aus Berichten von Anfang September 2026 hervorgeht, plant die schwarz-rote Landesregierung, den Vorbereitungsdienst für angehende Lehrkräfte von derzeit 21 auf 18 Monate zu reduzieren. Damit orientiert sich Hessen an einer Entwicklung, die bereits in 11 von 16 Bundesländern vollzogen wurde.
Kernpunkte des neuen Gesetzentwurfs in Hessen
Die geplante Reform umfasst neben der zeitlichen Straffung wesentliche Änderungen im Ausbildungsalltag und in der Bewertungsskala. Ein zentraler Punkt ist die Erhöhung des eigenverantwortlichen Unterrichts. Während Referendare bislang maximal 12 Stunden pro Woche eigenständig unterrichten, soll dieses Pensum laut dem Entwurf auf 14 bis 16 Stunden steigen.
Parallel dazu ist eine Reduktion der Prüfungsbelastung vorgesehen. Die Anzahl der benoteten Unterrichtsbesuche soll von 14 auf 8 sinken. Gleichzeitig verschiebt sich die Gewichtung der einzelnen Beurteilungsfaktoren: Das Schulgutachten, das die Leistung der angehenden Lehrer an der jeweiligen Schule bewertet, soll künftig mit 25 % in die Endnote einfließen. Bisher betrug dieser Anteil lediglich 7,5 %.
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Kultusminister Schwarz kündigte in diesem Zusammenhang an, dass im Oktober eine Anhörung zu dem Vorhaben stattfinden werde. Das erklärte Ziel der Landesregierung ist es, den Berufseinstieg zu beschleunigen und den jungen Lehrkräften einen früheren Zugang zur Besoldungsstufe A13 zu ermöglichen.
Kritik an Qualitätsverlust und Verdichtung der Ausbildung
Das Vorhaben stieß im hessischen Landtag sowie bei Fachverbänden auf geteiltes Echo. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte vor einem drohenden Qualitätsverlust durch die Verkürzung der Ausbildungszeit. Auch die Oppositionsparteien Grüne, FDP und AfD äußerten deutliche Kritik und bezeichneten die Reform als eine Maßnahme der Verdichtung, die zulasten der Ausbildungsqualität gehe.
Vertreter der Grünen in Hessen berechneten, dass die Erhöhung der Unterrichtsstunden für Referendare rechnerisch etwa 10.000 bis 15.000 zusätzliche Unterrichtsstunden generiere. Dies entspreche einer Kapazität von etwa 400 bis 600 Lehrerstellen.
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Vor diesem Hintergrund wurde in Berichten Kritik laut, wonach es sich bei der Reform um ein verdecktes Sparpaket handele, das durch eine höhere Unterrichtsverpflichtung und weniger Ausbilder gekennzeichnet sei.
Vergleichbare Entwicklungen in Berlin
Die Diskussion über die Reform des Vorbereitungsdienstes ist kein rein hessisches Phänomen. In Berlin startete am 1. September 2026 ebenfalls ein reformiertes Referendariat, das unter anderem den Einsatz von Qualifizierungslehrkräften vorsieht. Auch hier gibt es jedoch erhebliche Vorbehalte.
Die GEW Berlin bezeichnete den Start der neuen Strukturen als überhastet und kritisierte die steigende Belastung für die Auszubildenden. In der Bundeshauptstadt wurde der Ausbildungsunterricht von 10 auf 12 Stunden angehoben, während Fachseminare nur noch in einem zweiwöchentlichen Rhythmus stattfinden.
Diese Entwicklungen unterstreichen den bundesweiten Trend, die Lehrerausbildung durch eine höhere praktische Lehrbeteiligung bei gleichzeitig verkürzter oder gestraffter Dauer an den bestehenden Personalbedarf anzupassen.
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