Lehrermangel 2026: 6.200 Stellen fehlen, Teilzeitquote auf Rekord
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Personalkrise an deutschen Schulen verschĂ€rft sich. Im Schuljahr 2024/25 arbeiteten rund 44 Prozent der etwa 752.100 LehrkrĂ€fte an allgemeinbildenden Schulen in Teilzeit â ein Höchststand seit 2009.
Teilzeitquote: Frauen besonders betroffen
Besonders ausgeprĂ€gt ist der Trend bei Frauen: Ăber die HĂ€lfte (51 Prozent) hat ihr Deputat reduziert, bei MĂ€nnern sind es rund 23 Prozent. Zum Vergleich: Ăber alle Branchen hinweg liegt die Teilzeitquote in Deutschland bei etwa 31 Prozent.
Die regionalen Unterschiede sind massiv. Stadtstaaten wie Hamburg (55 Prozent) und Bremen (52 Prozent) verzeichnen Spitzenwerte. In ThĂŒringen sind es dagegen nur 23 Prozent, in Sachsen-Anhalt 24 Prozent.
Belegschaft altert: Jeder Dritte ĂŒber 50
Parallel dazu altert das Personal: 25 Prozent der LehrkrĂ€fte sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 10 Prozent sind 60 oder Ă€lter. Nur 20 Prozent sind jĂŒnger als 35. In Sachsen-Anhalt ist die Lage besonders zugespitzt â dort ist mehr als jede zweite Lehrkraft ĂŒber 50.
PersonallĂŒcke wĂ€chst: 6.200 Stellen fehlen 2026
Der Bedarf ĂŒbersteigt das Angebot zusehends. FĂŒr 2026 prognostizieren Branchenanalysen einen Einstellungsbedarf von 35.300 Stellen, dem nur 29.100 Bewerber gegenĂŒberstehen. Besonders kritisch ist die Lage in der Sekundarstufe I und an beruflichen Schulen. Bis 2035 rechnen SchĂ€tzungen mit einer kumulierten LĂŒcke von 27.000 LehrkrĂ€ften.
Die LĂ€nder reagieren mit Quer- und Seiteneinsteigern. Deren Anteil stieg binnen eines Jahrzehnts von 4 Prozent (2014/15) auf 11 Prozent. In Hessen haben im Grundunterricht stellenweise 25 bis 50 Prozent des Personals kein klassisches Lehramtsstudium absolviert.
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Stressfaktoren: SchĂŒlerverhalten und BĂŒrokratie
Die Belastung im Lehrerberuf wĂ€chst. Eine Umfrage unter rund 1.000 LehrkrĂ€ften im Februar 2026 zeigt: 45 Prozent nennen das SchĂŒlerverhalten als gröĂten Stressfaktor, gefolgt von administrativen Aufgaben (39 Prozent) und mangelhafter Work-Life-Balance (38 Prozent).
Auch Bewertungsportale zeigen wachsende Unzufriedenheit: Die Organisation an Schulen wird hĂ€ufiger negativ bewertet als im Branchendurchschnitt. Bei interner Kommunikation und FĂŒhrung liegen die Werte ebenfalls unter dem Marktniveau. Stabilisierend wirkt dagegen der Zusammenhalt in den Kollegien.
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LĂ€nder reagieren: Rekordetat und neue Ausbildungsmodelle
Hessen investiert im aktuellen Schuljahr einen Rekordetat von 6,2 Milliarden Euro â 370 Millionen mehr als zuvor. Ein GroĂteil flieĂt in den Ausbau der Ganztagsbetreuung, fĂŒr die seit August ein Rechtsanspruch fĂŒr ErstklĂ€ssler besteht. ZusĂ€tzlich starten Pilotprojekte mit standardisierten Mathe-Checks und festen Lesezeiten.
Sachsen-Anhalt setzt auf gezielte Ausschreibungen: 378 Lehrerstellen wurden fĂŒr das neue Schuljahr ausgeschrieben, fĂŒr bestimmte Positionen gibt es Zulagen.
Auch die Ausbildung wird reformiert. Die Leuphana UniversitĂ€t entwickelt ein Modell nach dem Vorbild von UniversitĂ€tskliniken â mit Praxisbezug ab dem ersten Semester. Das Projekt wird mit 3,4 Millionen Euro gefördert und lĂ€uft bis Mitte 2030.
