Lehrkräftemangel, Stellen

Lehrkräftemangel in MV: 3.600 Stellen, aber nur 2.700 Nachwuchskräfte

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Befragung zeigt hohe Zusatzbelastungen, Schwierigkeiten beim Seiteneinstieg und eine anhaltende Lücke beim Lehrkräftenachwuchs.

Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern laut Studie strukturell überlastet
Ein leerer Klassenraum mit unbeschriebener Tafel und leeren Schultischen in einem hellen Schulgebäude. Illustration mit AI erstellt.

Die personelle Situation an den allgemeinbildenden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern führt zu einer anhaltenden Überlastung des Lehrpersonals. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung „Verbesserung der Attraktivität des Lehrberufs in MV“, die von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erarbeitet wurde.

Unter der Leitung von Dr. Thomas Hardwig stellt die Erhebung fest, dass rund 12.000 Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen des Bundeslandes flächendeckend und strukturell überlastet sind, wie Medien am 06.10.2026 berichteten. Als wesentliche Ursache gilt der Mangel an Fachkräften, der fortlaufend zu Unterrichtsausfällen führt.

Belastungsspirale durch Personalnot an den Schulen

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von gut 2.000 Pädagoginnen und Pädagogen. Lediglich 10 Prozent der Teilnehmenden gaben an, keinen Lehrkräftemangel an ihrer Einrichtung zu erleben. Vier von fünf Lehrkräften übernehmen zusätzliche Verpflichtungen wie kurzfristig anberaumten Vertretungsunterricht oder zusätzliche Überstunden.

Diese Mehrarbeit schlägt sich deutlich auf das Schulklima nieder: 92 Prozent der Befragten beobachten eine schlechtere Stimmung innerhalb des Kollegiums, wobei Regionalschulen als besonders betroffen hervorgehoben werden. Um der Belastung entgegenzuwirken, haben 24 Prozent der Lehrkräfte ihre reguläre Stundenzahl reduziert.

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Die Frustration spiegelt sich auch in der Bewertung des eigenen Berufswegs wider. Jede zweite Lehrkraft würde anderen Personen inzwischen davon abraten, den Lehrerberuf zu ergreifen. Nur 42 Prozent der Befragten würden sich rückblickend erneut für diesen Beruf entscheiden, und lediglich 15 Prozent sprachen eine uneingeschränkte Weiterempfehlung aus.

Hürden beim Quereinstieg und absehbare Lücken

Auch die Strategie, offene Stellen über alternative Zugangswege zu besetzen, greift laut den Ergebnissen der Göttinger Arbeitsgruppe bislang unzureichend. Die Bedingungen für Seiteneinsteiger erweisen sich demnach häufig als unzureichend gestaltet. Lediglich 20 Prozent der befragten Seiteneinsteigenden fühlen sich umfassend in das schulische Umfeld eingearbeitet.

Zudem erhalten 38 Prozent kein gesetzlich vorgesehenes Monitoring, und 43 Prozent sehen sich im Kollegium nicht voll anerkannt. Für 61 Prozent der Seiteneinsteiger ist die Schultätigkeit mit mehr Stress verbunden als in ihrer vorherigen beruflichen Laufbahn.

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Gleichzeitig bleibt der künftige Nachwuchsbedarf hoch. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Schwerin sind in den kommenden fünf Jahren rund 3.600 Neueinstellungen an den Schulen des Landes erforderlich. Im gleichen Zeitraum werden jedoch voraussichtlich nur etwa 2.700 Fachkräfte direkt im Land ausgebildet, wodurch die Deckungslücke weiterhin bestehen bleibt.

Gewerkschaftliche Forderungen nach Entlastungsmaßnahmen

Angesichts der Ergebnisse verweist die GEW auf einen dringenden Reformbedarf an den Schulstandorten. Die Landesvorsitzende der GEW Mecklenburg-Vorpommern, Ulrike von Malottki, sprach sich dafür aus, dass Lehrkräfte durch den Einsatz qualifizierter Fachkräfte in der Schulverwaltung entlastet werden müssten, um sich wieder auf den reinen Fachunterricht konzentrieren zu können.

Daneben fordert die Gewerkschaft eine Absenkung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl für Lehrkräfte, die verbindliche Einführung von mindestens einer Vollzeitstelle für Schulsozialarbeit an jeder Schule sowie die Bereitstellung einer landesweit einheitlichen Software zur Schulverwaltung.

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