Lernen mit Abrufübungen: Pooja K. Agarwal rät zum Erinnern ohne Vorlage
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 19:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gängige Lernmethoden wie das wiederholte Durchlesen von Texten oder das farbige Markieren wichtiger Passagen erweisen sich beim langfristigen Wissensaufbau oft als wenig effektiv. Wie das Portal BusinessMirror am 3. Oktober 2026 berichtete, raten Experten aus der Kognitionspsychologie stattdessen zu Methoden, die das Gehirn gezielt fordern.
Die Kognitionspsychologin Pooja K. Agarwal empfiehlt dabei sogenannte Abrufübungen. Lernende sollten nach der Lektüre einiger Seiten innehalten und die wesentlichen Inhalte frei aus dem Gedächtnis notieren, anstatt die Abschnitte sofort erneut zu überfliegen.
Mentale Herausforderungen statt passivem Wiederholen
Die Wirksamkeit dieser aktiven Strategien deckt sich mit den Erkenntnissen von Robert Bjork. Dem Kognitionspsychologen zufolge unterstützen gezielte mentale Herausforderungen den Lernprozess nachhaltig.
Reine Wiederholungslektüre und das Unterstreichen von Textzeilen suggerieren zwar oft ein Gefühl von Vertrautheit mit dem Stoff, bringen für das langfristige Behalten von Informationen jedoch nur geringe Vorteile. Wenn sich Lernende hingegen anstrengen müssen, um Informationen ohne Vorlage zu rekonstruieren, verankert sich das Wissen tiefer im Gedächtnis.
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Zu ähnlichen Ansätzen raten auch praktische Leitfäden für intensives Lesen. Demnach empfiehlt es sich, längere Texte vorab zu überfliegen, sich klare Leseziele zu setzen und das Material in überschaubare Abschnitte zu gliedern. Nach jedem Abschnitt sollten die Hauptgedanken zusammengefasst, eigene Fragen formuliert und Schlüsselkonzepte zeitversetzt abgerufen werden.
Verteilte Einheiten und die Bedeutung von Schlaf
Neben dem aktiven Abruf spielt die zeitliche Organisation eine entscheidende Rolle für den Lernerfolg. Agarwal hebt hervor, dass verteiltes Lernen das langfristige Behalten deutlich besser unterstützt als kurzfristiges Pauken unmittelbar vor einem Test.
Als Rechenbeispiel nennt sie den Unterschied zwischen einer dreistündigen Lernphase direkt vor einer Freitagsprüfung und einer zeitlichen Aufteilung, bei der jeweils eine Stunde am Montag, Mittwoch und Freitag für den Stoff aufgewendet wird. Durch die zeitlichen Abstände wird das Wissen mehrfach reaktiviert, was die Gedächtnisspuren festigt.
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Ergänzend zu den aktiven Lernphasen ist die anschließende Erholung für das Gehirn unverzichtbar. Ausreichend Schlaf bildet eine grundlegende Voraussetzung für die Gedächtniskonsolidierung, bei der neu aufgenommene Informationen in dauerhafte Wissensstrukturen überführt werden.
Für die Gestaltung der Arbeitsphasen selbst werden strukturierte Zeitintervalle wie der Pomodoro-Rhythmus empfohlen, bei dem 25 Minuten konzentriertes Lesen von fünf Minuten Pause gefolgt werden.
