Lernen, Tests

Lernen mit Tests: Wechsel aus Abruf und Wiederlesen erzielt 68 Prozent

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 05:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien belegen Vorteile von AbrufĂŒbungen, ErklĂ€ren und visuellen Techniken; auch reizreduzierte Ruhe unterstĂŒtzt das Erinnern.
Ein minimalistischer Schreibtisch mit einem geschlossenen Notizbuch in einer ruhigen, konzentrierten Lernumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Steigerung der GedĂ€chtnisleistung im Alltag und in Ausbildungsprozessen hĂ€ngt maßgeblich von den gewĂ€hlten Methoden ab. Verschiedene Konzepte wie die Feynman-Methode, strukturierte Übungen zur Informationsspeicherung sowie mentale Bildsprache zeigen, wie Lernende Inhalte tiefer verarbeiten können. Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen dabei regelmĂ€ĂŸig, dass aktive Lernprozesse dem rein passiven Wiederholen ĂŒberlegen sind.

Aktiver Abruf und der Nutzen des ErklÀrens

Ein verbreitetes Problem beim Lernen besteht darin, dass passives Wiederlesen und das Markieren von Textabschnitten trĂŒgerische Sicherheit vermittelt. Nach EinschĂ€tzung des Fachmanns SebastiĂĄn La Rosa entspricht dieses Vorgehen nicht der Art und Weise, wie das Gehirn Informationen abspeichert.

Deutlich effektiver sei der aktive Abruf, bei dem das Lehrbuch geschlossen und der Inhalt aus dem GedÀchtnis rekonstruiert wird. Fehler und die mentale Anstrengung stÀrken dabei die Verankerung im GedÀchtnis.

Dies deckt sich mit empirischen Erkenntnissen: Eine Untersuchung von Karpicke und Roediger aus dem Jahr 2007 ergab, dass Studierende mit fĂŒnf Leseeinheiten und 15 Tests nach einer Woche 64 Prozent der Inhalte behielten. Bei 15 LesedurchgĂ€ngen und lediglich fĂŒnf Tests lag der Wert bei 57 Prozent, wĂ€hrend der Wechsel von Testen und Wiederlesen eine Quote von 68 Prozent erreichte.

Bereits 2006 zeigte sich, dass Personen mit reinem Wiederlesen zwar nach fĂŒnf Minuten vorne lagen, getestete Teilnehmer jedoch nach zwei Tagen und nach einer Woche bessere Resultate erzielten. Eine Übersichtsarbeit von Dunlosky aus dem Jahr 2013 stufte das Übungstesten sowie verteiltes Üben als einzige von zehn untersuchten Techniken mit hohem Nutzen ein.

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Auch das Weitergeben von Wissen festigt Inhalte. Die sogenannte Feynman-Methode verlangt, Sachverhalte in eigenen Worten verstĂ€ndlich darzulegen, um das eigene VerstĂ€ndnis zu ĂŒberprĂŒfen.

Forscher wie Fiorella und Mayer zeigten 2013 anhand des ProtegĂ©-Effekts, dass Probanden, die Stoff mit der Erwartung lernten, ihn anschließend anderen zu erklĂ€ren, nach einer Woche am besten abschnitten. Die Lernexpertin Johanna Hörter hob hervor, dass das ErklĂ€ren den Abruf erzwinge und ZusammenhĂ€nge sichtbar mache, wobei eine inhaltliche Kontrolle unerlĂ€sslich bleibe.

Visuelle Methoden und Mnemotechniken

Mentale Bildsprache stĂŒtzt sich theoretisch auf das duale Kodierungsmodell. Durch die simultane verbale und visuelle Verarbeitung entstehen zwei GedĂ€chtnisspuren, was die kognitive Last mindert. Zu den praktischen AnsĂ€tzen zĂ€hlen die Loci-Methode, auch als GedĂ€chtnispalast bekannt, visuelle Verkettungen sowie mentale Modelle.

Dresler und Kollegen wiesen 2017 nach, dass ein sechswöchiges Training des GedĂ€chtnispalastes den Wortabruf und die funktionelle KonnektivitĂ€t des Gehirns verbesserte. Bereits 1969 demonstrierten Bower und Clark, dass narrative Geschichten das serielle Erinnern unterstĂŒtzen.

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Mnemotechniken wie Akronyme oder Reime nutzen die Mustererkennung des Gehirns. Die biologische Festigung im LangzeitgedĂ€chtnis wird dabei ĂŒber die Neurotransmitter Dopamin und Acetylcholin vermittelt. Grenzen existieren bei Personen mit Aphantasie, die keine bildlichen Vorstellungen erzeugen können.

Pausenmanagement und gezielte Ruhephasen

FĂŒr die kognitive LeistungsfĂ€higkeit spielen auch zeitliche Strukturen eine zentrale Rolle. Die Pomodoro-Technik setzt auf Blöcke von 25 Minuten Lernen mit fĂŒnf Minuten Pause, ergĂ€nzt durch Visualisierungen. Der Neurowissenschaftler Dr. Fabiano de Abreu Agrela stellte auf Basis einer Studie aus dem Jahr 2021 zehn Memorierungstechniken vor.

Dazu zĂ€hlen das Verstehen vor dem Auswendiglernen, Zeitblöcke von 20 bis 30 Minuten, verteilte Wiederholungen, das Ausschalten von Ablenkungen sowie gesunder Schlaf und ErnĂ€hrung. Der brasilianische SchĂŒler Caio Temponi wandte diese Strategien erfolgreich an.

ZusĂ€tzlich fördert reizreduzierte Wachruhe die Speicherung. Eine Metaanalyse von Wolf Pink und Kollegen ĂŒber 54 Untersuchungen mit 3.673 Teilnehmenden zeigte einen positiven Effekt auf die spĂ€tere Erinnerung mit einem mittleren Wert von Hedges g = 0,35. Eine unabhĂ€ngige Metaanalyse an der University of Notre Dame mit 142 EffektgrĂ¶ĂŸen aus 51 Studien bestĂ€tigte dieses Bild, wobei der Vorteil besonders bei Ă€lteren Personen und hoher GedĂ€chtnislast hervortrat.

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