Minuten, Stress

Lesen: Sechs Minuten tÀglich senken Stress um 68 Prozent

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 16:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden regelmĂ€ĂŸiges Lesen mit weniger Stress, höherer kognitiver Reserve und einem geringeren Demenzrisiko im Alter.

Lesen stÀrkt das Gehirn und kann Demenzrisiko senken
Ein friedlicher, sonnendurchfluteter Bereich in einer Bibliothek mit hölzernen BĂŒcherregalen und sanftem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Neurowissenschaftliche BeitrĂ€ge verdeutlichen die essenzielle Rolle, die das Lesen fĂŒr die kognitive LeistungsfĂ€higkeit und die Erhaltung der geistigen Gesundheit spielt. Fachleute betonen dabei, dass die regelmĂ€ĂŸige Auseinandersetzung mit Texten weit ĂŒber den reinen Informationsgewinn hinausgeht und tiefgreifende Auswirkungen auf die Gehirnstruktur sowie die psychische Resilienz hat.

Neurowissenschaftliche Effekte und Stressreduktion

Nach EinschĂ€tzung der Neurowissenschaftlerin Ana Asensio stĂ€rkt Lesen maßgeblich das GedĂ€chtnis, die Aufmerksamkeit und die KonzentrationsfĂ€higkeit. Zudem fördere es die Empathie sowie die NeuroplastizitĂ€t des Gehirns. Ein entscheidender Faktor sei der Aufbau einer sogenannten kognitiven Reserve, die das Gehirn widerstandsfĂ€higer gegen Alterungsprozesse mache.

Die prĂ€ventive Wirkung des Lesens wird durch langjĂ€hrige Studien untermauert. Eine Untersuchung der University of Sussex zeigte auf, dass bereits sechs Minuten stilles Lesen ausreichen, um das Stressniveau um 68% zu senken. ErgĂ€nzend dazu stellte die im Fachmagazin Neurology veröffentlichte Studie von Wilson et al. aus dem Jahr 2013 fest, dass regelmĂ€ĂŸiges Lesen das Risiko eines kognitiven Abbaus im Alter um 32% reduzieren kann.

Langfristige PrÀvention und kognitive Reserve

Aktuelle Daten aus dem Jahr 2026 belegen den Nutzen geistiger AktivitĂ€t in der Langzeitbetrachtung. Eine schwedische Kohortenstudie, die 20.811 Erwachsene ĂŒber einen medianen Zeitraum von 19,2 Jahren begleitete, untersuchte den Zusammenhang zwischen sitzenden TĂ€tigkeiten und Demenz. Bei Studienbeginn im Jahr 1997 waren die Teilnehmenden im Schnitt 51,1±8,0 Jahre alt; 68,6% davon waren Frauen.

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WĂ€hrend der Nachbeobachtung traten 596 DemenzfĂ€lle auf. Die Ergebnisse zeigen, dass jede zusĂ€tzliche Stunde „geistig aktiven Sitzens“ pro Tag – wozu auch das Lesen zĂ€hlt – das Demenzrisiko um 4% senkte. Dieser Effekt erwies sich als signifikant mit steigendem Alter und war unabhĂ€ngig vom ĂŒbrigen Bewegungsverhalten der Probanden.

Weitere Untersuchungen der SISSA in Triest, die in den Fachzeitschriften „Neuropsychology“ und „Brain Sciences“ erschienen, stĂŒtzen die Bedeutung der kognitiven Reserve bei Personen ĂŒber 65 Jahren.

Forscher stellten fest, dass eine höhere kognitive Reserve mit einem besseren Sprachvermögen einherging, das teilweise das Niveau junger Erwachsener erreichte. Zudem verbessere emotionale Intelligenz die Effizienz kognitiver Prozesse sowie das ArbeitsgedÀchtnis.

Einbettung in den allgemeinen Lebensstil

Die kognitive Gesundheit wird laut Veröffentlichungen in JAMA Neurology durch insgesamt fĂŒnf zentrale Lebensstilfaktoren beeinflusst. Neben der geistigen AktivitĂ€t spielt die körperliche BetĂ€tigung eine wesentliche Rolle. Das British Journal of Sports Medicine gab 2024 an, dass regelmĂ€ĂŸige körperliche AktivitĂ€t das Demenzrisiko um bis zu 40% senken kann, wobei 150 Minuten Sport pro Woche beziehungsweise 30 Minuten an fĂŒnf Tagen empfohlen werden.

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Weitere Faktoren zur Risikominimierung sind:
- Kognitives Training, das laut Alzheimer's & Dementia das Risiko um bis zu 25% senkt.
- Die Einhaltung der MIND-DiĂ€t, die gemĂ€ĂŸ einer Studie der American Society for Nutrition aus dem Jahr 2025 ebenfalls eine Senkung um 25% bewirken kann.
- Der Verzicht auf das Rauchen sowie die Einstellung eines normalen Blutdrucks und Blutzuckers im mittleren Alter. Studien aus dem Jahr 2024 zufolge können diese Maßnahmen das Leben ohne Demenz um bis zu 13 Jahre verlĂ€ngern.

Gesellschaftliche Trends und Bildungsaspekte

Trotz der belegten Vorteile deuten Daten von Eurostat und der Reading Agency aus dem Jahr 2024 auf eine rĂŒcklĂ€ufige Lesekultur hin. In der EuropĂ€ischen Union gab fast die HĂ€lfte der BĂŒrger an, innerhalb von zwölf Monaten kein Buch gelesen zu haben. In Großbritannien liest die HĂ€lfte der Erwachsenen nicht zum VergnĂŒgen.

PISA-BegrĂŒnder Andreas Schleicher merkte in diesem Zusammenhang an, dass Lernen nur durch eine aktive Auseinandersetzung entstehe. Er warnte davor, dass der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz diesen Prozess aushöhlen könne. Fachleute identifizierten zudem den Einfluss von Smartphones und sozialen Medien als Mitursache fĂŒr weltweit sinkende Leistungen von 15-JĂ€hrigen in den Bereichen Mathematik und Lesen.

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