Level 4: IIHS-Analyse sieht 68 Prozent weniger UnfÀlle als bei Menschen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vollautonome Fahrsysteme der Stufe Level 4 weisen im Vergleich zu menschlichen Fahrern ein signifikant geringeres Unfallrisiko auf. Nach einer Untersuchung des Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) verursachen autonome Fahrzeuge auf Level 4 bezogen auf die gefahrene Strecke 68 Prozent weniger UnfÀlle als der Mensch.
Die Analyse des US-Sicherheitsinstituts stĂŒtzt sich im Kern auf Fahrleistungsdaten des Anbieters Waymo, da dieser als bislang einziges Unternehmen entsprechende Kilometerleistungen öffentlich zugĂ€nglich gemacht hat.
Die Auswertungen des IIHS verdeutlichen zugleich, dass sich die Art der ZwischenfĂ€lle unterscheidet: Lediglich 22 Prozent der registrierten Kollisionen mit autonomen Fahrzeugen waren ĂŒberhaupt meldepflichtig. Davon ereigneten sich zwei Drittel wĂ€hrend des komplett fahrerlosen Betriebs ohne Sicherheitsperson am Steuer.
Deutliche Senkung schwerer Verletzungsrisiken
Im Vergleich zu manuell gesteuerten Fahrzeugen schlagen autonome Systeme insbesondere bei schweren ZwischenfÀllen positiv zu Buche. Laut der IIHS-Auswertung verzeichnete Waymo in vier untersuchten StÀdten 81 Prozent weniger VerletzungsunfÀlle pro gefahrener Meile als menschliche Fahrer.
Umfangreichere Daten des Technologieunternehmens Waymo ĂŒber eine Strecke von mehr als 200 Millionen fahrerlos zurĂŒckgelegten Meilen (rund 322 Millionen Kilometer) stĂŒtzen diesen Trend. Demnach lagen UnfĂ€lle mit schweren oder tödlichen Verletzungen um 94 Prozent niedriger als im manuellen Verkehr.
Die Zahl der UnfĂ€lle mit PersonenschĂ€den sank laut den Unternehmensangaben um 82 Prozent, wobei UnfĂ€lle mit verletzten FuĂgĂ€ngern um 93 Prozent und mit Radfahrern um 84 Prozent zurĂŒckgingen. Bereits Auswertungen aus dem Jahr 2023 hatten fĂŒr vollautonome Fahrzeuge von Waymo 85 Prozent weniger Kollisionen als fĂŒr Menschen ausgewiesen.
Das Potenzial autonomer Systeme verdeutlicht auch eine Modellrechnung der Fachpublikation IEEE Spectrum: WĂŒrde die Zahl der VerkehrsunfĂ€lle weltweit um lediglich 50 Prozent sinken, lieĂen sich rechnerisch 580.000 Menschenleben pro Jahr retten. Derzeit fordern VerkehrsunfĂ€lle global rund 1,16 Millionen Todesopfer jĂ€hrlich und stellen die hĂ€ufigste Todesursache in der Altersgruppe von 5 bis 29 Jahren dar.
Die IIHS-Analyse weist fĂŒr Level-4-Fahrzeuge 68 Prozent weniger UnfĂ€lle pro gefahrener Strecke aus als fĂŒr menschliche Fahrer â doch die Auswertung stĂŒtzt sich im Kern auf die Fahrleistungsdaten eines einzigen Anbieters. Wer als Versicherer oder Flottenmanager daraus PrĂ€mien- oder Haftungsmodelle ableiten will, braucht eine belastbare Einordnung der Datenlage. Der kostenlose Report vergleicht die vorliegenden Studien, benennt die Grenzen der Ăbertragbarkeit und liefert eine Checkliste zu den Haftungsrisiken im Robotaxi-Betrieb. Analyse-Report jetzt kostenlos anfordern
Fehlverhalten im StraĂenverkehr als Hauptursache
Eigene Untersuchungen von Waymo im Journal of Safety Research heben hervor, dass allein das Eliminieren von alkoholisierten Fahrern die stĂ€dtische Rate tödlicher UnfĂ€lle um 23 Prozent senken könnte â von 1,42 auf 1,10 pro 100 Millionen Meilen.
Eine weitere Auswertung tödlicher US-UnfĂ€lle auf Basis der FARS-Datenbank von 2023 durch Waymo und IRCOBI ergab, dass bei ĂŒber 77 Prozent der 37.654 untersuchten TodesfĂ€lle mindestens ein Risikofaktor wie BeeintrĂ€chtigung, ĂŒberhöhte Geschwindigkeit oder fehlende Gurtnutzung vorlag. Autonome Systeme könnten nach Berechnungen von Waymo bis zu 83 Prozent der Systemfehler bei tödlichen Pkw-UnfĂ€llen in den USA adressieren.
In der Praxis zeigen sich die Kollisionen zudem oft harmloser als im regulĂ€ren Verkehr. Im Los Angeles County sank Waymos Kollisionsrate mit zunehmender FlottengröĂe von rund 57 UnfĂ€llen pro einer Million Meilen im Jahr 2023 auf unter 6 pro Million Meilen im Jahr 2026. Mehr als 80 Prozent der VorfĂ€lle im Jahr 2026 verliefen ohne Verletzungen. Viele ZusammenstöĂe geschehen im Stillstand, weil autonome Systeme bei unklaren Situationen anhalten.
Sicherheitsdaten nicht auf alle Systeme ĂŒbertragbar
Verkehrsexperten warnen jedoch vor voreiligen Verallgemeinerungen. Die ehemalige Bundesreguliererin fĂŒr Fahrzeugsicherheit, Ann Carlson, betonte, dass die Sicherheitsbilanz von Waymo nicht pauschal auf andere Marktteilnehmer wie Amazon Zoox oder Teslas geplante Cybercabs ĂŒbertragen werden dĂŒrfe.
Bei ĂŒber 77 Prozent der untersuchten tödlichen US-UnfĂ€lle lag mindestens ein Risikofaktor wie BeeintrĂ€chtigung, ĂŒberhöhte Geschwindigkeit oder fehlende Gurtnutzung vor â genau diese FĂ€lle adressieren autonome Systeme nach den vorliegenden Berechnungen zu einem groĂen Teil. FĂŒr Versicherer und Flottenmanager verschiebt sich damit die Schadenkalkulation: weg vom menschlichen Fahrfehler, hin zur Frage, welche Systemgeneration welche Ausfallmuster zeigt. Der kostenlose Report zeigt, wie Sie Schadenquoten datenbasiert je Fahrzeuggeneration trennen und wo die Beweislast im Haftungsfall heute liegt. Flotten-Sicherheitsanalyse jetzt anfordern
Daten zu Tesla Robotaxis zeigten zuletzt viermal mehr Kollisionen als bei menschlichen Fahrern. Zudem handelt es sich bei Teslas FSD-Software weiterhin um ein Level-2-System, das eine permanente Ăberwachung durch den Menschen vorschreibt und dessen Sicherheitsnachweise von unabhĂ€ngigen Forschern aufgrund methodischer SchwĂ€chen kritisiert werden.

