Lewy-Körperchen-Demenz: Halluzinationen und Parkinson-Symptome als Warnzeichen
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 00:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer britische Schauspieler Patrick Stewart ist am 28. Oktober 2026 im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Los Angeles verstorben. Wie seine Sprecherin Kelly Bush Novak mitteilte, erlag der Darsteller den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung sowie einer Lewy-Körperchen-Demenz.
Laut Angaben seiner langjährigen Sprecherin handelte es sich um einen kurzen und heftigen Krankheitsverlauf. Stewart starb im Kreis von Angehörigen und hinterlässt seine Ehefrau Sunny Ozell sowie zwei erwachsene Kinder.
In einem Bericht vom 29. Oktober 2026 bestätigte auch die Familie des Schauspielers die beiden Diagnosen. Zwei Tage vor Stewart war am 26. Oktober 2026 bereits sein Star-Trek-Kollege Walter Koenig im Alter von 90 Jahren gestorben.
Stewart, 1940 im nordenglischen Mirfield geboren und ab 1966 Mitglied der Royal Shakespeare Company, erlangte 1987 weltweite Bekanntheit als Jean-Luc Picard in der Serie „Star Trek: The Next Generation“. Er verkörperte die Figur bis 2002 in sieben Fernsehstaffeln und vier Kinofilmen und kehrte von 2020 bis 2023 in „Star Trek: Picard“ zurück.
Zudem prägte er als Professor Charles Xavier die „X-Men“-Filmreihe. Stewart war mehrfach für Emmys und Golden Globes nominiert, gewann einen Grammy sowie zwei Laurence-Olivier-Preise, erhielt 1996 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und wurde von Königin Elizabeth II. zum Knight Bachelor geschlagen.
Medizinische Hintergründe der Lewy-Körperchen-Demenz
Der Krankheitsfall lenkt die Aufmerksamkeit auf die Lewy-Körperchen-Demenz. Nach der Alzheimer-Krankheit gilt sie als die zweithäufigste neurodegenerative Demenzform und macht schätzungsweise etwa 10 Prozent aller Demenzfälle aus. Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft beziffert den Anteil auf rund 5 Prozent aller Demenzkranken, eine Einschätzung, die sich auch im DocCheck Flexikon findet.
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Für Deutschland wird von schätzungsweise 100.000 Betroffenen ausgegangen. Die Symptome treten überwiegend erst nach dem 65. Lebensjahr auf, wobei der Männeranteil wahrscheinlich höher liegt als bei Alzheimer. Auch der Schauspieler Robin Williams war von der Krankheit betroffen.
Auf zellulärer Ebene unterscheidet sich das Krankheitsbild deutlich von Alzheimer: Während dort Ablagerungen von Beta-Amyloid und Tau-Proteinen typisch sind, entstehen Lewy-Körperchen durch abnormale Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuklein in den Neuronen. Treten beide Erkrankungen gemeinsam auf, bezeichnet die Alzheimer Association diesen Zustand als gemischte Demenz.
Symptome, Verlauf und Therapiemöglichkeiten
Zu den charakteristischen Beschwerden der Lewy-Körperchen-Demenz zählen ausgeprägte Schwankungen der geistigen Fähigkeiten und der Aufmerksamkeit, visuelle Halluzinationen, Schlafstörungen, Blutdruckabfälle mit Schwindel sowie Depressionen und Apathie. Hinzu kommen Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen wie Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungsabläufe.
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Ein wesentlicher Unterschied zu Alzheimer besteht darin, dass das Gedächtnis im Anfangsstadium oft gut erhalten bleibt. Fachärzte für Neurologie verweisen zudem auf frühe Warnzeichen wie REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Geruchsverlust, Verstopfung und Blutdruckschwankungen.
Die durchschnittliche Krankheitsdauer nach Diagnosestellung liegt bei 7 bis 8 Jahren, wobei Einrichtungen wie die Cleveland Clinic von 5 bis 8 Jahren ausgehen.
Bei Alzheimer beträgt die mittlere Dauer bis zum Lebensende laut der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft etwa 8 Jahre, bei schnellen Verläufen lediglich 2 Jahre. Im Endstadium der Lewy-Körperchen-Demenz treten häufig Schluckstörungen auf; der Tod wird meist durch eine Lungenentzündung verursacht.
Eine Heilung existiert bislang nicht, weshalb sich Behandlungen auf die Linderung von Symptomen beschränken. Zum Einsatz kommen Anticholinesterase-Präparate und Memantin sowie bei motorischen Beschwerden Parkinson-Medikamente wie Levodopa und Antidepressiva.
Neurowissenschaftler heben hervor, dass eine frühzeitige und präzise Diagnose für die gezielte Therapie und die Entlastung der Angehörigen von zentraler Bedeutung ist. Genetische Ursachen sind nicht bekannt; als Risikofaktoren gelten Umwelteinflüsse wie Pestizide und Luftverschmutzung sowie Bewegungsmangel, Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
