Lidl Plus vor Gericht: vzbv klagt wegen exklusiver Rabatte per App
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 12:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zunehmende Digitalisierung des Lebensmitteleinzelhandels verĂ€ndert die Preisgestaltung an den Kassen grundlegend. Immer mehr HĂ€ndler gewĂ€hren spezielle PreisnachlĂ€sse nur noch jenen Kunden, die sich ĂŒber firmeneigene Smartphone-Anwendungen registrieren.
Diese Praxis beschĂ€ftigt inzwischen auch die Gerichte. Am Brandenburgischen Oberlandesgericht an der Havel stand die Verhandlung ĂŒber eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen Lidl und dessen Programm Lidl Plus auf dem Plan (Az. 6 UKl 2/25), angesetzt auf den 29.09.2026 um 10.00 Uhr.
Rechtliche Bedenken wegen möglicher Benachteiligung
Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht die Frage, ob exklusive VergĂŒnstigungen fĂŒr App-Nutzer bestimmte Kundengruppen unzulĂ€ssig benachteiligen. Der vzbv argumentiert, dass Ă€ltere, behinderte und jĂŒngere Menschen durch derartige Bonusprogramme ins Hintertreffen geraten, da sie entsprechende EndgerĂ€te oder Programme hĂ€ufig nicht nutzen können oder dĂŒrfen.
Das Verfahren gegen Lidl ist dabei kein Einzelfall. Der Verbraucherverband ging bereits juristisch gegen die Discounter Netto und Penny vor. Diese Klagen wurden von den zustÀndigen Gerichten unter anderem mangels ausreichender Belege abgewiesen.
RechtskrĂ€ftig sind diese Urteile jedoch nicht, da die Revision zugelassen wurde. Folglich wird sich auch der Bundesgerichtshof mit der grundsĂ€tzlichen RechtmĂ€Ăigkeit der App-Rabatte befassen mĂŒssen; ein Termin vor dem BGH steht bislang noch aus.
Hohe Akzeptanz trifft auf Skepsis bei Verbrauchern
Trotz der rechtlichen Kontroversen sind Kunden-Apps im Alltag vieler Verbraucher fest verankert. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2.040 Erwachsenen in Deutschland, die im Zeitraum vom 28. bis 31.08.2026 durchgefĂŒhrt wurde, verdeutlicht die Verbreitung digitaler Treueprogramme.
Demnach nutzen drei Viertel der Befragten entsprechende Rabatt-Apps, wobei jeder Zweite mindestens einmal wöchentlich darauf zurĂŒckgreift. DemgegenĂŒber gaben 24 % der Befragten an, derartige Angebote nicht zu nutzen. Nach Daten des Instituts fĂŒr Handelsforschung (IFH) verfĂŒgen die Anwender im Durchschnitt ĂŒber 4,2 verschiedene HĂ€ndler-Apps auf ihren GerĂ€ten.
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Unter den tatsĂ€chlichen Nutzern stehen pragmatische Motive im Vordergrund: Laut YouGov gaben 93 % das Sparen von Geld als Grund an, 86 % nannten die gezielte Angebotssuche, 72 % schĂ€tzen individuelle PreisnachlĂ€sse und 56 % nutzen die Anwendungen fĂŒr eine bessere Einkaufsplanung.
Gleichzeitig offenbart die YouGov-Erhebung jedoch erhebliche Vorbehalte in der Gesamtbevölkerung. Unter allen Befragten bewerteten 55 % PreisnachlĂ€sse, die ausschlieĂlich registrierten Kunden gewĂ€hrt werden, als unfair.
Rund die HĂ€lfte der Befragten Ă€uĂerte Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Zudem empfinden 47 % den Aufwand fĂŒr die Nutzung als zu hoch, 46 % fĂŒhlen sich durch Werbung gestört und 29 % halten die Bedienung der Anwendungen fĂŒr kompliziert.
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Geringe Ersparnis und unterschiedliche HĂ€ndlerstrategien
WĂ€hrend viele Kunden auf spĂŒrbare NachlĂ€sse hoffen, fĂ€llt der tatsĂ€chliche finanzielle Ertrag im Gesamteinkauf oft moderat aus. Nach Erhebungen des Preisvergleichsdienstes Smhaggle belĂ€uft sich die durchschnittliche Ersparnis pro App ĂŒber alle HĂ€ndler hinweg lediglich auf rund 1 % der Gesamtausgaben.
In der Branche herrscht zudem keine geschlossene Linie bezĂŒglich der digitalen Kundenbindung: WĂ€hrend Ketten wie Lidl auf exklusive VergĂŒnstigungen setzen, verzichten Wettbewerber wie Aldi Nord und Aldi SĂŒd bislang auf entsprechende App-Bonusprogramme.
Mehr zum Thema bei WirtschaftsWoche: âLidl Plus: Klage gegen Lidl-App - Gericht will Entscheidung verkĂŒndenâ
