Lieferroboter: Großbritannien legalisiert autonome Flitzer auf Gehwegen
30.06.2026 - 01:18:50 | boerse-global.de
Die britische Regierung will Lieferroboter auf Bürgersteigen legalisieren und damit eine jahrhundertealte Gesetzeslücke schließen. Geplant ist eine Reform des Highways Act von 1835, der bislang Fahrzeuge auf Gehwegen verbietet – und autonome Maschinen in eine rechtliche Grauzone drängt.
Modernisierung aus dem 19. Jahrhundert
Das Vorhaben zielt darauf ab, eine klare rechtliche Grundlage für die kleinen Flitzer zu schaffen. Bisher bewegen sie sich in einem rechtlichen Niemandsland, obwohl sie in Städten wie Milton Keynes, Bristol, Cambridge, Reading, Leeds und Sheffield bereits unterwegs sind.
Bereits im März signalisierte Verkehrsstaatssekretär Lord Hendy, dass die Regierung eine eigene Kategorie für diese Geräte schaffen könnte. Denkbar wäre eine Einstufung als langsame, emissionsfreie Fahrzeuge. Ein solcher Rahmen würde Einzelhändlern und Technologieunternehmen endlich klare Spielregeln geben.
Technische Daten und Expansionspläne
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Die Roboter sind mit maximal 6,4 km/h unterwegs – etwas schneller als ein durchschnittlicher Fußgänger. Radar, Kameras, Sensoren und Künstliche Intelligenz helfen ihnen, sich im städtischen Dschungel zurechtzufinden.
Starship Technologies, der führende Anbieter in diesem Bereich, hat große Pläne für den britischen Markt. Das Unternehmen will eine Flotte von über 10.000 Robotern aufbauen und prüft sogar den Bau einer eigenen Produktionsstätte im Land. Interessant: Ab Sommer 2026 zieht Starship seine Roboter von mehreren US-Universitäten ab, darunter Purdue University und UW-Madison.
Rückzug aus den USA, Expansion in Europa
CEO Ahti Heinla begründet den Schritt mit den saisonalen Schwankungen auf dem Campus – städtische Lebensmittellieferungen seien dagegen das ganze Jahr über profitabel. In Finnland erledigen die Roboter bereits jede fünfte Lebensmittellieferung. Mehr als 1.200 Geräte werden nun von Hochschulen zu Lebensmitteleinzelhändlern in Europa und den USA verlagert.
Sicherheitsbedenken und Kritik
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Doch nicht alle sind begeistert. Die Organisation Living Streets, die sich für Fußgänger und barrierefreie Städte einsetzt, warnt vor erheblichen Hindernissen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Besonders Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte könnten auf überfüllten Gehwegen Probleme bekommen. Kritiker verweisen auf Vorfälle aus anderen Regionen – etwa an der University of Pittsburgh, wo ein Roboter eine Studentin im Rollstuhl blockierte.
Die öffentliche Konsultation wird nun zeigen, wie sich technologischer Fortschritt und emissionsfreie Lieferkonzepte mit dem Grundrecht der Fußgänger auf ungehinderte Fortbewegung vereinbaren lassen.
