LIFE-Studie, Bewegung

LIFE-Studie: Bewegung bewahrte Älteren häufiger die Gehfähigkeit

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden regelmäßige Aktivität mit erhaltener Selbstständigkeit und geringerem Demenzrisiko; Fachleute empfehlen zudem gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining.
Ein heller, minimalistischer Übungsraum mit Holzboden und einer einzelnen Yogamatte in einer ruhigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Gezieltes Krafttraining und regelmäßige Bewegung stehen im Mittelpunkt zahlreicher Konzepte, die darauf abzielen, die körperliche Fitness, die Gelenkgesundheit sowie die kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen langfristig zu sichern.

Wissenschaftliche Untersuchungen und Fachgesellschaften betonen zunehmend, dass Muskelaufbau und koordinative Übungen bis ins hohe Alter wirksame Mittel sind, um die Selbstständigkeit im Alltag zu bewahren und typischen Abbauprozessen entgegenzuwirken.

Medizinische Einordnung und wissenschaftliche Belege

In einem Fachbeitrag warnte Prof. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, davor, das Altern pauschal als Krankheit einzustufen. Gleichzeitig kritisierte er Verjüngungsversprechen ohne belastbare wissenschaftliche Nachweise, wie sie etwa für Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine oder Peptide formuliert werden.

Als wissenschaftlich gesicherte Maßnahmen für ein gesundes Altern hob Denkinger eine ausgewogene Ernährung, den Verzicht auf Rauchen, geringen Alkoholkonsum, soziale Kontakte, Schutzimpfungen sowie Früherkennungsuntersuchungen hervor. Ein zentraler Baustein sei zudem regelmäßige körperliche Aktivität mit speziellem Fokus auf das Krafttraining der Beine und das Gleichgewicht.

Die Wirksamkeit systematischer Bewegung belegt unter anderem die LIFE-Studie, an der mehr als 1.600 körperlich eingeschränkte und zuvor wenig aktive Menschen im Alter von 70 bis 89 Jahren teilnahmen. Strukturierte Bewegungsprogramme trugen in der Untersuchung messbar dazu bei, die Selbstständigkeit der Teilnehmenden zu erhalten; bei etwa jeder 19. Person konnte dadurch der vollständige Verlust der Gehfähigkeit abgewendet werden.

Zudem belegen große Kohortenanalysen den Einfluss von Aktivität auf das Gehirn. Auswertungen der US-amerikanischen Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS) zeigen einen Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und geistiger Gesundheit.

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Bei einem Vergleich der Gruppe mit der höchsten Gesamtaktivität mit jener mit der niedrigsten Aktivität ergab sich ein geringeres Demenzrisiko (Hazard Ratio 0,72; 95%-Konfidenzintervall 0,68–0,76) sowie ein reduziertes Risiko für subjektiven kognitiven Abbau (Relatives Risiko 0,77; 95%-Konfidenzintervall 0,73–0,80).

Die Datengrundlage umfasste 63.596 Teilnehmende der Nurses' Health Study und 43.440 des HPFS zur Demenzanalyse, 13.647 Teilnehmende bezüglich der objektiven Kognition sowie 29.801 beziehungsweise 17.162 Personen hinsichtlich des subjektiven Abbaus.

Bereits regelmäßiges Gehen war mit einem verringerten Demenzrisiko (HR 0,76; 95% KI 0,72–0,80) und weniger subjektivem Abbau (RR 0,82; 95% KI 0,79–0,86) verbunden, während intensive Ausdaueraktivität ähnliche Effekte aufwies (Demenz HR 0,89; subjektiver Abbau RR 0,89).

Muskelaufbau als Schutz vor Funktionsverlust

Für den Einstieg in den Kraftsport sei es nie zu spät, betont Prof. Dr. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Insbesondere Frauen in den Wechseljahren verlieren durch das sinkende Östrogenniveau leichter an Muskel- und Knochenmasse, was Risiken für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gewichtszunahme und Muskelschwund steigert.

Bereits zwei Trainingseinheiten pro Woche können laut Göbel langfristig messbare Verbesserungen der Knochendichte bewirken. Darüber hinaus unterstütze das Training die Regulierung von Blutzucker und Blutdruck, verbessere Gleichgewicht, Schlaf und Konzentration und helfe bei Hitzewallungen sowie Stress. Für den Einstieg eignen sich sowohl geführte Geräte im Studio als auch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht wie Kniebeugen, Planks oder Liegestütze.

Fitnesstrainerin Patricia Vera empfiehlt Personen ab einem Alter von 60 Jahren vier spezifische Übungen ohne Zusatzgewichte, um Beschwerden beim Treppensteigen vorzubeugen: Gesäßbrücken, Kniebeugen und Fersenheben mit jeweils drei Sätzen à 10 bis 15 Wiederholungen sowie den einbeinigen Flamingostand für jeweils mindestens fünf Sekunden pro Seite.

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Grundvoraussetzung sei eine schmerzfreie Ausführung; treten Schmerzen im Rücken oder in der Hüfte auf, sollte das Trainingsprogramm angepasst oder sportmedizinischer Rat eingeholt werden.

Kommunale Angebote und Praxisinitiativen

Bundesweit etablieren Sportvereine und Kommunen niedrigschwellige Trainingsangebote. Das Spektrum reicht von Hockergymnastik für Beweglichkeit und Muskelkraft im Sitzen bis hin zu generationenübergreifenden Bewegungsgruppen in öffentlichen Parks oder Programmen zur Demenzverzögerung.

Ergänzt wird die Praxis durch Fachveranstaltungen zu Biomechanik und Freihanteltraining sowie Aufklärungsvorträge über den therapeutischen Nutzen des Muskelaufbaus, die älteren Menschen Wege zu einem langfristig mobilen und selbstbestimmten Alltag aufzeigen.

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