LinkedIn, KI-Schreibwerkzeug

LinkedIn: KI-Schreibwerkzeug entfernt nach 1 Million Slop-Meldungen

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 17:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

LinkedIn ersetzt seinen KI-Textgenerator durch einen Korrekturleser. Nutzer meldeten über eine Million KI-Inhalte, was zu 40 Prozent weniger Aufrufen führte.

LinkedIn entfernt KI-Schreibhilfe: Neuer Korrekturleser statt Generator
Eine konzentrierte Person arbeitet an einem Laptop in einem modernen, hellen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Karrierenetzwerk LinkedIn hat seine Strategie im Umgang mit künstlicher Intelligenz angepasst und das bisherige KI-Schreibwerkzeug „enhance your post“ dauerhaft aus der Plattform entfernt.

An die Stelle des Generators, der Beiträge automatisch optimieren oder umschreiben sollte, tritt nun ein reiner Korrekturleser. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer massiven Zunahme von KI-generierten Inhalten, die von der Nutzerschaft zunehmend kritisch bewertet werden.

Wie das Unternehmen mitteilte, reagiert die Plattform damit auf das Nutzungsverhalten der vergangenen Wochen. Seit dem Start einer neuen Meldefunktion am 30. Juli 2026 haben Anwender den Button mit der Aufschrift „Seems like AI slop“ (deutsch etwa: sieht nach KI-Abfall aus) mehr als eine Million Mal angeklickt.

Laut CPO Hari Srinivasan hatte diese Form der Nutzer-Moderation messbare Auswirkungen auf die Plattform-Hygiene: Die Ansichten von Beiträgen, die von der Community als KI-generierter „Slop“ eingestuft wurden, seien seither um 40 % gesunken.

Warnhinweise für Autoren und neue Qualitätsstandards

Neben der Entfernung der automatischen Schreibhilfe führt LinkedIn ein System von Warnhinweisen ein. Autoren, deren Beiträge durch die Nutzer-Meldungen als minderwertige KI-Inhalte markiert wurden, erhalten nun eine entsprechende Benachrichtigung. Damit wolle das Unternehmen die Transparenz erhöhen und die Ersteller dazu anhalten, verstärkt auf authentische, eigenständig verfasste Texte zu setzen.

Die Notwendigkeit für diese Maßnahmen belegen aktuelle Marktanalysen. Eine Untersuchung des Anbieters Pangram kam zu dem Ergebnis, dass mittlerweile 41 % der längeren Beiträge auf LinkedIn vollständig von einer künstlichen Intelligenz verfasst werden.

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Eine weitere Studie, die im Juli 2026 veröffentlicht wurde, bezifferte diesen Anteil auf 40,5 %. Dieser Trend führt offenbar zu einer Sättigung der Plattform mit generischen Inhalten, der das Netzwerk nun durch technische Einschränkungen und Nutzer-Feedback entgegenwirken will.

Rechtliche Unsicherheiten im KI-Sektor nehmen zu

Die Entscheidung von LinkedIn steht im Kontext einer sich verschärfenden rechtlichen Lage für Anbieter von KI-Modellen. Während LinkedIn seine eigenen Werkzeuge zurückfährt, kämpfen große KI-Entwickler mit weitreichenden Urheberrechtsklagen.

So geht der Carlsen Verlag aktuell gerichtlich gegen OpenAI vor. Die Authors Guild sowie namhafte Autoren wie James Patterson und Donna Tartt führen bereits seit geraumer Zeit Sammelklagen gegen Unternehmen wie OpenAI, Meta und Google.

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Im Kern dieser Auseinandersetzungen steht das Training der Sprachmodelle mit urheberrechtlich geschützten Werken. Ein zentraler Streitpunkt ist das sogenannte „Books3“-Dataset, das rund 200.000 geschützte Bücher enthalten soll. Juristen weisen darauf hin, dass die gesetzlichen Schadensersatzforderungen in den USA bis zu 150.000 US-Dollar pro Werk betragen können.

Gerichtsurteile setzen Rahmenbedingungen

Zuletzt hatten gerichtliche Entscheidungen die Branche unter Druck gesetzt. In einem Verfahren gegen das Unternehmen Anthropic ordnete Richter Alsup die Zahlung eines Schadensersatzes in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar an, da das Kopieren von Büchern aus sogenannten Schattenbibliotheken als rechtswidrig eingestuft wurde.

Zwar erklärten Gerichte das grundsätzliche Training auf Buchdaten in einigen Fällen für rechtmäßig, doch im Fall Thomson Reuters gegen Ross Intelligence wurde klargestellt, dass die Klausel der fairen Nutzung (Fair Use) nicht greift, wenn das KI-Training direkt mit dem Ursprungswerk konkurriert.

Zudem herrscht durch das Urteil im Fall Thaler gegen Perlmutter Klarheit darüber, dass vollständig von einer KI generierte Werke keinen Urheberrechtsschutz genießen. Für Plattformen wie LinkedIn bedeutet dies, dass eine Flut an KI-Beiträgen nicht nur die Qualität der Diskussionen mindert, sondern auch rechtlich in einer Grauzone steht.

Die Rückbesinnung auf menschliche Korrekturfunktionen und die stärkere Gewichtung von Nutzer-Meldungen markiert somit eine Zäsur in der Integration von KI-Tools in sozialen Business-Netzwerken.

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