LIPFENDRA, FDA

LIPFENDRA: FDA lÀsst erste orale PCSK9-Tablette zur LDL-Senkung zu

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die FDA genehmigt Enlicitide von Merck; Phase-3-Daten zeigen deutliche LDL-Senkungen, wÀhrend Auswirkungen auf die Sterblichkeit offenbleiben.
Ein modernes, steriles medizinisches Labor mit analytischen LaborgerÀten auf einer sauberen ArbeitsflÀche. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen erreicht mit der Entwicklung neuer Substanzklassen eine verĂ€nderte Ausgangslage. WĂ€hrend die Hemmung des Proteins PCSK9 bislang Injektionen von Antikörpern erforderte, liegt mit LIPFENDRA (Enlicitide) des Herstellers Merck die US-Zulassung fĂŒr die erste orale Tablette dieser Wirkstoffklasse vor.

Das PrĂ€parat mit einer WirkstĂ€rke von 20 mg wurde von der US-Arzneimittelbehörde FDA fĂŒr die einmal tĂ€gliche Einnahme bei Erwachsenen mit HypercholesterinĂ€mie, einschließlich der heterozygoten familiĂ€ren Form (HeFH), als ErgĂ€nzung zu DiĂ€t und Bewegung zugelassen. Außerhalb der USA und Kanadas vertreibt das Unternehmen seine Produkte unter dem Namen MSD.

Robuste LDL-Senkung in den Phase-3-Studien

Die Zulassungsentscheidung stĂŒtzt sich auf zwei randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-3-Studien mit den Bezeichnungen CORALreef Lipids und CORALreef HeFH. Der primĂ€re Endpunkt beider Erhebungen lag auf der mittleren prozentualen VerĂ€nderung des LDL-Cholesterinspiegels (LDL-C) von den Ausgangswerten bis zur 24. Behandlungswoche.

In der Studie CORALreef Lipids wurden 1.935 Patienten unter LIPFENDRA mit 969 Teilnehmern in der Placebogruppe verglichen. Die placebokorrigierte Senkung des LDL-C belief sich auf 56 %, wÀhrend die mittlere Senkung bei 57 % lag.

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Nach dem Ausschluss biologisch unmöglicher Ausgangswerte ergab sich eine Senkung um 60 %. In der kleineren Untersuchungsgruppe CORALreef HeFH erhielten 202 Probanden den Wirkstoff und 101 ein Placebo. Hier erreichte die placebokorrigierte Absenkung des LDL-C einen Wert von 59 % bei einer mittleren Reduktion von 58 %.

Auch die sekundĂ€ren Endpunkte zeigten deutliche Effekte: Der non-HDL-C-Wert verringerte sich um 54 % beziehungsweise 52 %, wĂ€hrend das Apolipoprotein B (ApoB) um 50 % beziehungsweise 48 % zurĂŒckging. Das allgemeine Sicherheitsprofil erwies sich als vergleichbar mit Placebo.

Bei Patienten mit HeFH traten unter dem Wirkstoff jedoch hĂ€ufiger Diarrhö (7 % gegenĂŒber 2 % unter Placebo) sowie Schwindel (9 % gegenĂŒber 4 %) auf. Eine dezidierte kardiovaskulĂ€re Endpunktstudie lĂ€uft derzeit; verlĂ€ssliche Erkenntnisse ĂŒber die Auswirkungen auf MorbiditĂ€t und GesamtmortalitĂ€t stehen bislang noch aus.

Dynamik im internationalen Marktumfeld

Die EinfĂŒhrung oraler Behandlungsoptionen fĂ€llt in eine Phase weltweiter Diversifizierung von Cholesterintherapien. In China erteilte die dortige Zulassungsbehörde NMPA dem Hersteller Innovent Biologics die Genehmigung fĂŒr die Tafolecimab-Injektion (SINTBILO).

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Als erster in China zugelassener heimischer PCSK9-Hemmer, der als vollhumaner monoklonaler Antikörper konzipiert ist, wird das PrÀparat in Intervallen von zwei (150 mg), vier (450 mg) oder sechs Wochen (600 mg) verabreicht.

Parallel dazu rĂŒcken Fixkombinationen zur Förderung der Therapietreue stĂ€rker in den Fokus. So beantragte das Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo bei der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die Zulassung fĂŒr zwei Dreifach-Fixkombinationen auf Basis von BempedoinsĂ€ure, Ezetimib und jeweils Atorvastatin oder Rosuvastatin. Die BempedoinsĂ€ure hemmt nach enzymatischer Umwandlung die ATP-Citrat-Lyase und ergĂ€nzt damit bestehende Statintherapien.

Kardiologische Fachgesellschaften definieren in Leitlinien zunehmend strikte Zielwerte: Bei hohem kardiovaskulÀrem Risiko wird hÀufig ein LDL-C-Wert von unter 70 mg/dl und in der SekundÀrprÀvention ein Wert von unter 55 mg/dl angestrebt, verbunden mit einer Reduktion um mindestens 50 %.

Vor diesem Hintergrund erweitern orale Darreichungsformen wie Enlicitide das therapeutische Spektrum fĂŒr Patienten, die trotz maximal vertrĂ€glicher Standardmedikation diese Zielkorridore verfehlen.

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de | wissenschaft | 70447377 |