LIPFENDRA: FDA lÀsst ersten PCSK9-Hemmer als tÀgliche Tablette zu
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 18:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit der Freigabe von LIPFENDRA (Enlicitid) in einer Dosierung von 20 Milligramm als Tablette durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA steht erstmals ein oral verabreichter PCSK9-Inhibitor zur VerfĂŒgung.
Das PrĂ€parat wurde fĂŒr erwachsene Patienten mit HypercholesterinĂ€mie zugelassen, einschlieĂlich der heterozygoten familiĂ€ren Form, und soll einmal tĂ€glich ergĂ€nzend zu einer ErnĂ€hrungsumstellung sowie körperlicher Bewegung eingenommen werden. Bisherige Therapien dieser Wirkstoffklasse erforderten regelmĂ€Ăige Injektionen.
Studiendaten belegen deutliche Senkung des LDL-Cholesterins
Die Entscheidung der FDA stĂŒtzt sich auf zwei randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-3-Studien des Herstellers Merck mit den Bezeichnungen CORALreef Lipids und CORALreef HeFH. Der primĂ€re Endpunkt beider Untersuchungen war die mittlere prozentuale VerĂ€nderung des LDL-Cholesterins vom Ausgangswert bis zur 24. Behandlungswoche.
In der Studie CORALreef Lipids wurden 1.935 Patienten mit LIPFENDRA und 969 Patienten mit einem Placebo behandelt. Merck verzeichnete dabei eine placebokorrigierte LDL-C-Senkung um 56 % sowie eine mittlere Senkung um 57 %.
Wer seine Cholesterinwerte und andere wichtige Blutparameter dauerhaft im Blick behalten möchte, sollte die Bedeutung der einzelnen Laborwerte genau kennen. Dieser kostenlose 25-seitige Report hilft Ihnen dabei, Ihre Ergebnisse selbst zu interpretieren und gezielt fĂŒr Ihre Gesundheit vorzusorgen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern
Nach dem Ausschluss biologisch unmöglicher Ausgangswerte lag dieser Wert bei 60 %. In der Studie CORALreef HeFH, an der 202 Patienten in der Verum-Gruppe und 101 Patienten in der Placebo-Gruppe teilnahmen, betrug die placebokorrigierte LDL-C-Reduktion 59 %, wÀhrend die mittlere Senkung bei 58 % lag.
Auch bei den sekundĂ€ren Endpunkten berichtete Merck ĂŒber RĂŒckgĂ€nge wichtiger Lipidparameter. In der Untersuchung CORALreef Lipids sanken non-HDL-C um 54 % und ApoB um 50 %. In der HeFH-Studie betrugen die entsprechenden RĂŒckgĂ€nge 52 % beim non-HDL-C und 48 % beim ApoB.
ErgĂ€nzend hielt die US-FDA in einer Mitteilung fest, dass Lipfendra in klinischen Studien mit insgesamt 3.207 Erwachsenen das LDL-Cholesterin ĂŒber einen Zeitraum von 24 Wochen um 56â59 % reduzierte. Dieser Effekt sei mit den Ergebnissen injizierbarer PCSK9-Inhibitoren vergleichbar.
VertrÀglichkeitsprofil und offene kardiovaskulÀre Endpunkte
Das Sicherheitsprofil des Wirkstoffs entsprach nach Angaben von Merck weitgehend dem von Placebo. In der HeFH-Studie traten unter LIPFENDRA Diarrhö bei 7 % der Behandelten gegenĂŒber 2 % in der Kontrollgruppe auf. Schwindel wurde bei 9 % der Patienten unter dem Verum und bei 4 % unter Placebo erfasst.
Obwohl Enlicitid das LDL-Cholesterin in randomisierten, placebokontrollierten Studien deutlich stĂ€rker senkte als Placebo, ist ein direkter Nutzen hinsichtlich der Reduktion von Herzinfarkten oder anderen kardiovaskulĂ€ren Ereignissen bisher nicht nachgewiesen. Eine entsprechende kardiovaskulĂ€re Endpunktstudie zu LIPFENDRA wird nach Unternehmensangaben derzeit durchgefĂŒhrt.
Viele Menschen kennen zwar ihren Cholesterinspiegel, unterschĂ€tzen aber, welche weiteren Vitalstoff-Werte fĂŒr ein langes und gesundes Leben entscheidend sind. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden von Dr. Ulrich Fricke, welche Laborwerte wirklich wichtig sind und welche oft ĂŒberbewertet werden. Gratis-Report: Was Ihre Blutwerte wirklich verraten
Klinische Einordnung und internationale Perspektiven
FachĂ€rzte fĂŒr Kardiologie stufen Lipfendra laut Fachberichten nicht als Erstlinientherapie ein, da die Etablierung im therapeutischen Alltag und der Nachweis harter Endpunkte noch ausstehen.
Auch fĂŒr MĂ€rkte auĂerhalb der USA sind noch regulatorische Schritte erforderlich. So liegt die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr eine potenzielle Zulassung in Indien bei der Central Drugs Standard Control Organization (CDSCO), die vor einer Genehmigung unter UmstĂ€nden eigene lokale klinische Studien verlangen kann.
Bis zum Vorliegen der Ergebnisse zur kardiovaskulĂ€ren Ereignisreduktion bleibt das PrĂ€parat vor allem eine neue Behandlungsoption fĂŒr Patienten, die unter bestehenden Therapien unzureichende Senkungen erreichen oder eine orale Gabe bevorzugen.
