Lipödem, Krankenkasse

Lipödem: Krankenkasse zahlt Liposuktion ab Juli fĂŒr Millionen Frauen

25.06.2026 - 19:31:48 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 ĂŒbernimmt die Krankenkasse die Liposuktion bei Lipödem auch in den Stadien I und II. Die Nachfrage droht KapazitĂ€tsengpĂ€sse auszulösen.

Lipödem-OP: Kasse zahlt Fettabsaugung ab Juli 2026 auch in frĂŒhen Stadien
Lipödem - Nahaufnahme der Beine einer Frau, die subtile Schwellungen an Oberschenkeln und Waden zeigt, wĂ€hrend FĂŒĂŸe und HĂ€nde normal erscheinen. 25.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Ab dem 1. Juli 2026 weitet die Krankenkasse die operative Behandlung massiv aus.

Was ist ein Lipödem?

Die chronische Fettverteilungsstörung betrifft nahezu ausschließlich Frauen. SchĂ€tzungen zufolge leidet etwa jede zehnte Frau in Deutschland daran – rund drei bis vier Millionen Betroffene. Typisch ist eine symmetrische Fettgewebsvermehrung an Armen und Beinen. HĂ€nde und FĂŒĂŸe bleiben ausgespart.

Die Diagnose stellen Ärzte rein klinisch durch Anamnese und Tastbefund. Labortests gibt es nicht. Zu den Leitsymptomen gehören Schwellungen, Druckempfindlichkeit, SchweregefĂŒhl und spontane BlutergĂŒsse.

Experten warnen vor einer Zunahme von Fehldiagnosen durch soziale Medien. Entscheidend ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen wie Adipositas oder Lymphödem. Ein Lymphödem tritt hĂ€ufig asymmetrisch auf und betrifft auch den FußrĂŒcken – dort lassen sich typische Dellen eindrĂŒcken.

Neue Kassenleistung: Was Àndert sich?

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte die Weichen bereits im Oktober 2025 gestellt. Ab dem 1. Juli 2026 wird die Abrechnung finalisiert.

Dann können FachĂ€rzte die Liposuktion (Fettabsaugung) auch in den Stadien I und II ĂŒber den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen. Bisher war die Operation primĂ€r dem schweren Stadium III vorbehalten.

Voraussetzung: Eine dokumentierte, erfolglose konservative Therapie ĂŒber mindestens sechs Monate. Die neuen GebĂŒhrenordnungspositionen (GOP) sehen spezifische VergĂŒtungen vor:

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Ab Juli 2026 ĂŒbernimmt die Kasse die Liposuktion auch in den Stadien I und II. Damit Ihr Antrag reibungslos durchgeht, haben wir die wichtigsten Schritte und Voraussetzungen in einem Ratgeber zusammengefasst. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern

  • Eingriffe an Unterschenkeln, Unterarmen, Oberarmen oder Ellenbogen: 605,17 Euro (GOP 31095)
  • Eingriffe an Oberschenkeln oder Knien: 769,14 Euro (GOP 31096)

Konservative Therapie bleibt Basis

Trotz der neuen OP-Möglichkeiten: Die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) bleibt die Grundlage der Behandlung. Sie kombiniert manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Bewegung und Hautpflege.

Das Lipödem ist nicht heilbar. Ziel ist die Linderung der Beschwerden.

Die LipLEG-Studie belegt jedoch die Wirksamkeit operativer Eingriffe: Die Symptomatik verbessert sich nach einer Liposuktion um 68 Prozent. Mediziner betonen aber: Die Operation ist eine ergĂ€nzende Maßnahme. Begleitende konservative Therapie und angepasste ErnĂ€hrung bleiben notwendig.

KapazitÀtsengpÀsse drohen

Der theoretische Anspruch auf eine OP stĂ¶ĂŸt in der Praxis an Grenzen. Um den Bedarf aller betroffenen Frauen in Deutschland zu decken, wĂ€ren schĂ€tzungsweise zehn bis zwölf Millionen Operationen nötig. Doch nach Branchenangaben stehen nur rund 4.000 erfahrene Ärzte fĂŒr diese Eingriffe zur VerfĂŒgung.

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Die Nachfrage nach OP-Terminen wird enorm sein – zehn bis zwölf Millionen Eingriffe wĂ€ren nötig, aber nur rund 4.000 Chirurgen stehen bereit. Wer jetzt die Weichen stellt, sichert sich einen Platz. So sichern Sie sich Ihren OP-Platz

Diese Diskrepanz fĂŒhrt zur PrĂŒfung eines sogenannten Systemversagens. Können VertragskrankenhĂ€user in zumutbarer Entfernung keine zeitnahen OP-Termine anbieten, können Patientinnen unter bestimmten Voraussetzungen die KostenĂŒbernahme fĂŒr Behandlungen in Privatkliniken beantragen.

Experten forderten bei einer Fachveranstaltung in Berlin Ende Juni 2026 zudem eine stĂ€rkere Sensibilisierung von HausĂ€rzten. Ziel: den Weg von der Erstdiagnose zur leitliniengerechten Therapie verkĂŒrzen. Auch die Aufnahme des Lipödems in die Versorgungsmedizinische Verordnung wird diskutiert, um die Rechte der Betroffenen weiter zu stĂ€rken.

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