Londoner Robotaxis: Sadiq Khan fordert Obergrenze für autonome Flotten
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deLondons Bürgermeister Sadiq Khan fordert eine Obergrenze für die Zahl autonomer Taxis in der britischen Hauptstadt. Während die britische Regierung plant, vollständig fahrerlose Fahrzeuge landesweit zuzulassen, warnte Khan davor, dass die Politik das Tempo des technologischen Wandels bislang nicht erfasst habe.
Der unregulierte Einsatz autonomer Flotten könne Arbeitsplätze gefährden sowie Staus und die Luftqualität in der Metropole verschlechtern. Gleichzeitig stellte Khan die Eignung des aktuellen Regelwerks für autonome Fahrzeuge infrage.
Fehlende Kontrollbefugnisse für Londons Verkehrsbehörde
Bislang verfügt die zuständige Behörde Transport for London (TfL) über eingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten. Sie kann den Einsatz autonomer Fahrzeuge im Stadtgebiet lediglich genehmigen oder ablehnen, verfügt jedoch über keine Handhabe, den Betrieb kommerzieller Robotaxi-Dienste zu verwalten oder zu lizenzieren. Khan strebt daher eine Erweiterung der behördlichen Kompetenzen an, um verbindliche Flottenlimits festsetzen zu können.
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Rückendeckung erhält dieser Vorstoß durch das Stadtparlament. Bereits im Oktober forderte der Verkehrsausschuss der London Assembly in einem Bericht, dass TfL unter den für 2027 geplanten Regelungen sowohl die Genehmigungen als auch die Flottengrößen kontrollieren müsse.
Die britische Regierung solle die Verkehrsbehörde ermächtigen, entsprechende Lizenzen für automatisierte Passagierdienste im Rahmen des Automated Vehicles Act zu erteilen, zu entziehen und Obergrenzen festzulegen.
Wachsende Testaktivitäten internationaler Anbieter
Die Debatte gewinnt an Dringlichkeit, da mehrere Unternehmen ihre Testprogramme auf Londons Straßen ausbauen. Freenow by Lyft stellte chinesische Fahrzeuge des Kooperationspartners Baidu vor. Rund 24 Baidu-Apollo-Go-Fahrzeuge werden im Stadtteil Brent erprobt, wobei fahrerlose Dienste unter dem nationalen Lizenzregime angestrebt werden.
Lyft-CEO David Risher stellte für das kommende Jahr zunächst eine Testflotte von Dutzenden Fahrzeugen in Aussicht, die nach erfolgter Genehmigung auf Hunderte Einheiten skaliert werden könnte.
Auch der Konkurrent Uber testet in London. Seit dem 3. September bietet das Unternehmen gemeinsam mit Wayve überwachte Fahrten im Rahmen eines Private-Hire-Angebots an, bei denen ein lizenzierter TfL-Fahrer zur Sicherheit an Bord sitzt.
TfL hatte im August entsprechende Lizenzen für autonome Fahrzeuge unter der Bedingung eines menschlichen Fahrers erteilt, woraufhin Fahrten mit 15 elektrischen Ford Mustangs starteten. Am 28. September genehmigte die Behörde Umbauten für Tests mit bis zu 15 Fahrzeugen.
Uber plant zudem, an einem britischen Pilotprogramm teilzunehmen, das kommerzielle fahrerlose Taxis und kleine autonome Busse ermöglichen soll. Neben Uber, Lyft und Baidu bereitet auch Waymo London als vorrangiges Expansionsziel für Robotaxi-Dienste vor.
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Kritik von Gewerkschaften und Forschern
Die Pläne der Technologieunternehmen stoßen in der Hauptstadt auf Widerstand. Gewerkschaften protestierten vor den Londoner Niederlassungen von Wayve und Waymo gegen die fahrerlose Flottenentwicklung. Vertreter der Branche verweisen hingegen auf den demografischen Wandel im Gewerbe.
Nach Angaben von Danny O'Gorman von Freenow UK sind zwei Drittel der traditionellen Londoner Black-Taxi-Fahrer über 50 Jahre alt und stehen vor dem Ruhestand. Ein Robotaxi-Einsatz werde nur langsam skalieren und biete teils Umschulungschancen in Bereichen wie der Fernüberwachung und der Fahrzeugwartung.
Zusätzliche Bedenken äußert die Forschung. Das Institute for Driverless Transport (IfDT) mahnte in einer Untersuchung an, zentrale Fragen vor der breiten Einführung zu klären.
Auf Basis von mehr als 30 Fachgesprächen mit Kommunen, Betreibern, Verbänden und Versicherern warnt das Institut vor Risiken einer zu großen Abhängigkeit von autonomen Fahrdiensten für Schlüsselaktivitäten, falls Anbieter ausfallen oder sich zurückziehen. Zudem bleibe ungeklärt, wie der Wegfall von Fahraufträgen im bestehenden Beschäftigungssystem aufgefangen werden könne.
