Long-Covid, Dopamin-Mangel

Long-Covid: Dopamin-Mangel erklÀrt Fatigue und Brain Fog

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 20:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien belegen GehirnentzĂŒndungen und Dopaminverlust als Ursachen fĂŒr Fatigue und Brain Fog bei Long-Covid.

Long-Covid-Forschung: Neuroinflammation und Dopaminmangel als SchlĂŒssel
Abstraktes 3D-Modell eines menschlichen Gehirns mit hervorgehobenen neuronalen VerknĂŒpfungen in einer klinischen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Forschung zu Long-Covid konzentriert sich immer mehr auf das zentrale Nervensystem. Aktuelle Studien aus dem Juli 2026 zeigen: EntzĂŒndungsprozesse im Gehirn und VerĂ€nderungen im Dopamin-Stoffwechsel sind entscheidend fĂŒr Symptome wie Fatigue und „Brain Fog“.

Neuroinflammation im Detail

Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Translational Psychiatry kartiert die Mechanismen der Neuroinflammation bei Long-Covid-Patienten. Demnach sind vor allem drei Faktoren beteiligt: die Aktivierung von Mikrogliazellen, gestörte SignalĂŒbertragung durch Zytokine und eine beeintrĂ€chtigte Blut-Hirn-Schranke. Auch oxidativer Stress spielt eine wesentliche Rolle.

Forscher der UniversitĂ€t Sevilla ergĂ€nzen: Zytokine aus der IL-6-Familie treiben nicht nur den akuten Zytokinsturm bei schweren Covid-VerlĂ€ufen an. Sie sind auch fĂŒr anhaltende EntzĂŒndungen bei Long-Covid verantwortlich. Als potenzielle Biomarker rĂŒcken inflammatorische Proteine und spezifische neuroimmune Profile in den Fokus.

Dopamin-Mangel als Fatigue-Ursache

Das Centre for Addiction and Mental Health (CAMH) in Kanada prÀsentierte im Juli 2026 eine PET-Bildgebungsstudie mit klaren Ergebnissen: Long-Covid-Patienten haben eine verringerte Dichte der Dopamin-Nerventerminals im Striatum.

Diese VerÀnderung korreliert direkt mit Symptomen wie chronischer Erschöpfung, verlangsamten Bewegungen und kognitiven Schwierigkeiten. Auf Basis dieser Ergebnisse planen Forscher klinische Studien mit Dopamin-Vorstufen oder Modulatoren. Ziel: die FunktionsfÀhigkeit des Striatums wiederherzustellen.

Medikamente gegen Long-Covid

Im Sommer 2026 wurden verschiedene Bestandsmedikamente auf ihre Wirksamkeit getestet:

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UrsodesoxycholsĂ€ure (UDCA): Eine Studie von Daewoong Pharma im Annals of Internal Medicine zeigt: Bei 81,6 Prozent der Probanden verbesserte UDCA die Symptome – gegenĂŒber 57,1 Prozent in der Placebogruppe. Voraussetzung: Die Gabe muss zwei bis sechs Monate nach der Infektion erfolgen. Bei lĂ€nger zurĂŒckliegenden Infektionen blieb der Effekt aus.

Fluvoxamin: Die brasilianische REVIVE-TOGETHER-Studie mit knapp 400 Teilnehmern deutet darauf hin, dass das Antidepressivum die Fatigue moderat reduziert. FĂŒr Metformin wurde kein Nutzen belegt.

Antihistaminika und Colchicin: Eine britische Untersuchung an 800 Erwachsenen zeigte eine leichte Verringerung der Fatigue durch die Kombination von Famotidin und Loratadin sowie durch Colchicin – allerdings nur nach zwölf Wochen. Nach 24 Wochen war der Effekt nicht mehr nachhaltig.

Vagusnerv-Stimulation als Option

Neben Medikamenten diskutieren Forscher die Stimulation des Vagusnervs. Der Nerv verbindet das Immunsystem mit dem Stoffwechsel des Gehirns. Eine gezielte Stimulation könnte eine dysregulierte Stressantwort korrigieren und die LeistungsfÀhigkeit der Patienten steigern.

Deutschland: 650.000 Betroffene, zu wenig Forschung

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Allein in Deutschland sind schĂ€tzungsweise 650.000 Menschen von ME/CFS betroffen – die Zahlen sind durch die Pandemie deutlich gestiegen. Betroffene berichten von vollstĂ€ndigem MobilitĂ€tsverlust und AbhĂ€ngigkeit von Hilfsmitteln wie RollstĂŒhlen.

Trotz der hohen Zahlen wird die schleppende Mittelvergabe kritisiert. Von den 50 Millionen Euro, die 2026 im Rahmen der „Nationalen Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen“ vorgesehen sind, hat das Bundesforschungsministerium bisher nur 22 Millionen bewilligt. TatsĂ€chlich abgeflossen sind rund 5,1 Millionen Euro. Fachpolitiker warnen vor einem Verfall der Mittel – wĂ€hrend der Forschungsbedarf angesichts der komplexen neuroinflammatorischen Prozesse dringlich bleibt.

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