Longevity, Deutschen

Longevity: 69% der Deutschen wollen lÀnger gesund leben

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine DAK-Umfrage zeigt großes Interesse an gesundem Altern, zugleich bremsen Zeitmangel, fehlende Motivation und Kosten die Umsetzung.
Ein minimalistischer Wohnraum mit einer Yogamatte, einer Karaffe mit Wasser und einer Schale mit frischem Obst bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Das Streben nach einer lĂ€ngeren Gesundheitsspanne, oft unter dem Begriff Longevity zusammengefasst, gewinnt in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend an Bedeutung. Eine im August 2026 veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit, fĂŒr die 1.043 Personen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren befragt wurden, verdeutlicht diesen Trend.

Demnach sehen 69 Prozent der Befragten ein deutliches Potenzial dafĂŒr, durch gezielte Maßnahmen mehr gesunde Lebensjahre zu erreichen. WĂ€hrend das Konzept der Longevity inzwischen der HĂ€lfte der Bevölkerung bekannt ist, zeigen sich jedoch auch deutliche HĂŒrden bei der praktischen Umsetzung prĂ€ventiver Strategien.

Bereitschaft zu gesundheitsfördernden Maßnahmen und bestehende Barrieren

Die Untersuchung der DAK-Gesundheit zeigt eine hohe prinzipielle Bereitschaft der Deutschen, aktiv in die eigene Gesundheit zu investieren. Über 70 Prozent der BĂŒrger geben an, etwas fĂŒr ihr Wohlbefinden tun zu wollen. Konkret wĂŒrden 74 Prozent der Befragten vermehrt Sport treiben, wĂ€hrend 71 Prozent die Pflege sozialer Kontakte als wesentlichen Faktor ansehen.

Weitere Maßnahmen umfassen Gehirntraining (62 Prozent), die Verbesserung der SchlafqualitĂ€t (59 Prozent) sowie die Nutzung technischer Hilfsmittel wie Wearables (44 Prozent). Insbesondere in der Altersgruppe der 60- bis 70-JĂ€hrigen möchte jeder Zweite körperlich und geistig fit bleiben.

Trotz dieser Absichten stehen der Umsetzung oft praktische Hindernisse im Weg. Als grĂ¶ĂŸte HĂŒrde identifizierte die Umfrage mit 40 Prozent einen mangelnden Zeitfaktor. 35 Prozent der Teilnehmer nannten fehlende Motivation als Grund, wobei hier ein geschlechtsspezifischer Unterschied besteht: WĂ€hrend 40 Prozent der MĂ€nner Motivationsprobleme angaben, waren es bei den Frauen 30 Prozent.

Weitere Barrieren sind zu hohe Kosten (22 Prozent) sowie Zweifel an der tatsĂ€chlichen Wirksamkeit der Maßnahmen (16 Prozent). Etwa jeder zweite Befragte betrachtet das Älterwerden zudem als einen rein natĂŒrlichen Prozess, auf den nur bedingt Einfluss genommen werden könne.

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Die wachsende MorbiditĂ€tslĂŒcke im deutschen Gesundheitssystem

Wissenschaftliche Daten unterstreichen die Diskrepanz zwischen der steigenden Lebenserwartung und der tatsÀchlich in Gesundheit verbrachten Zeit. Laut einer Analyse von Lancet Public Health stieg die weltweite Lebenserwartung zwischen 1990 und 2023 von 64,6 auf 73,8 Jahre.

Die gesunde Lebenserwartung konnte in diesem Zeitraum jedoch nur um 7,2 Jahre auf 63,1 Jahre gesteigert werden. Dies fĂŒhrte zu einer VergrĂ¶ĂŸerung der sogenannten MorbiditĂ€tslĂŒcke – dem Zeitraum, in dem Menschen mit Krankheiten leben – um 21,9 Prozent auf nunmehr 10,7 Jahre.

In Deutschland ist diese Entwicklung besonders ausgeprĂ€gt. Hier betrug die MorbiditĂ€tslĂŒcke im Jahr 2023 bereits 11,9 Jahre, gegenĂŒber 10,1 Jahren im Jahr 1990. Die damit verbundenen Krankheitskosten beliefen sich im Jahr 2023 auf insgesamt 491,6 Milliarden Euro, wovon ĂŒber die HĂ€lfte (53,2 Prozent) auf die Altersgruppe der ĂŒber 65-JĂ€hrigen entfiel. Vor diesem Hintergrund forderte DAK-Chef Andreas Storm eine deutliche StĂ€rkung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.

Experten fordern Fokus auf PrÀvention und Lebensstil

Kritik am gegenwÀrtigen System kommt auch aus der Wissenschaft. Der Epidemiologe Hajo Zeeb von der UniversitÀt Bremen bemÀngelte, dass das deutsche Gesundheitssystem meist erst dann aktiv werde, wenn eine Erkrankung bereits vorliege.

Im Vergleich der OECD-Staaten belege Deutschland bei der Lebenserwartung lediglich einen Platz im unteren Drittel, was unter anderem auf hohen Alkohol- und Tabakkonsum sowie fehlende PrĂ€ventionsnetzwerke zurĂŒckzufĂŒhren sei.

Mediziner wie Andrew Russon von der Schön Klinik Bad Aibling betonen, dass gesundes Altern auf sechs wesentlichen Bausteinen basiere: ErnÀhrung, Bewegung, Meiden von Risikosubstanzen, Stressmanagement, ausreichender Schlaf und soziale Kontakte. Er verwies darauf, dass Einsamkeit gesundheitlich schÀdlicher sein könne als der tÀgliche Konsum von 16 Zigaretten.

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Auch im Bereich der DemenzprÀvention zeigen aktuelle Initiativen Handlungsbedarf auf. Das Pharmaunternehmen Lilly weist in einer Kampagne darauf hin, dass bis zu 45 Prozent der DemenzfÀlle durch 14 beeinflussbare Risikofaktoren potenziell verhinderbar seien. In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz.

Organisationen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, die im September 2026 das zehnjĂ€hrige Bestehen ihrer Initiative Demenz Partner begeht, setzen verstĂ€rkt auf AufklĂ€rung und Schulungen, um das gesellschaftliche Bewusstsein fĂŒr prĂ€ventive AnsĂ€tze zu schĂ€rfen.

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