Lungenfibrose: MHH leitet BREATH-EC-Forschung zu programmierten Fresszellen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zellbasierte Immuntherapie erschlieĂt zunehmend neue Anwendungsbereiche auĂerhalb der klassischen Onkologie. Mit dem Start im Oktober 2026 ĂŒbernimmt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) die Leitung des europĂ€ischen Forschungsvorhabens BREATH-EC.
Die auf vier Jahre angelegte Initiative widmet sich der Entwicklung zellulĂ€rer Therapeutika, die das Fortschreiten von Lungenfibrosen aufhalten und bestehende GewebeschĂ€den potenziell wieder rĂŒckgĂ€ngig machen sollen.
Genetisch programmierte Fresszellen gegen Gewebevernarbung
Im Mittelpunkt des Projekts stehen Fresszellen des Immunsystems, sogenannte Makrophagen. Diese Zellen werden entweder aus Spenderblut oder aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) gewonnen und anschlieĂend gentechnisch modifiziert. Die genetische Anpassung zielt darauf ab, die Zellen darauf zu trainieren, pathologische Fibrosezeichen im Lungengewebe gezielt zu identifizieren.
Sobald die verĂ€nderten Fresszellen die krankhaften VerĂ€nderungen im Gewebe lokalisieren, sollen sie vor Ort Antikörper gegen die Vernarbung produzieren und freisetzen. Durch diesen Mechanismus soll die fortschreitende GewebeverhĂ€rtung gestoppt und im besten Fall eine Umkehrung der Vernarbungsprozesse eingeleitet werden. FĂŒr den therapeutischen Einsatz ist eine direkte Applikation der Zellen ĂŒber die Atemwege mittels Bronchoskopie vorgesehen.
EuropÀische Forschungsallianz unter Leitung der MHH
FĂŒr das Gesamtvorhaben stellt die EuropĂ€ische Union Fördermittel in Höhe von rund 10 Mio. Euro bereit. Davon entfallen 2,73 Mio. Euro auf die MHH, an der das Projekt unter der wissenschaftlichen Koordination von Prof. Dr. Nico Lachmann angesiedelt ist.
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Das Konsortium umfasst insgesamt 18 Partnerinstitutionen aus acht LĂ€ndern: Deutschland, Schweden, England, SĂŒdkorea, Portugal, Irland, Italien und Belgien. Zu den beteiligten deutschen Partnereinrichtungen zĂ€hlen neben der MHH das Helmholtz-Zentrum fĂŒr Infektionsforschung (HZI), das Fraunhofer-Institut fĂŒr Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) sowie die UniversitĂ€tsklinik Freiburg.
PrĂ€klinischer Status und Perspektiven fĂŒr weitere Organe
Trotz des innovativen Konzepts befindet sich das Projekt BREATH-EC im Stadium der prĂ€klinischen Forschung. FĂŒr Patientinnen und Patienten ergeben sich daraus vorerst keine unmittelbaren Ănderungen in der aktuellen klinischen Versorgung.
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Gelingt der Nachweis der Wirksamkeit im Tiermodell und in zellulĂ€ren Systemen, könnte das Wirkprinzip der lokal wirkenden, antikörperproduzierenden Makrophagen kĂŒnftig ĂŒber Lungenerkrankungen hinaus ausgeweitet werden. Denkbar sei nach Angaben der Projektbeteiligten ein Transfer der Technologie auf andere Organfibrosen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen des Herzens und der Leber.
