Lungentherapie, Gen-

Lungentherapie: Gen- und Zelltherapien ermöglichen maßgeschneiderte Behandlung

30.06.2026 - 17:53:35 | boerse-global.de

Neue Gen- und Zelltherapien sowie präzise Diagnostik ermöglichen maßgeschneiderte Behandlungen für COPD und seltene Lungenleiden.

Lungentherapie im Umbruch: Gen- und Zelltherapien für COPD
Lungentherapie - Nahaufnahme eines menschlichen Lungenmodells mit leuchtenden molekularen Strukturen, die Gentherapie symbolisieren, und Laborgeräten im Hintergrund. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Gen- und Zelltherapien sowie präzisere Diagnostik ermöglichen erstmals maßgeschneiderte Therapien für Patienten mit COPD und seltenen Lungenleiden.

Plattformtechnologie für die Lunge

Ein zentrales Problem der Lungentherapie war bisher die gezielte Einbringung von therapeutischen Genen ins Gewebe. Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen haben mit TBX4-PRECIS nun eine Plattform entwickelt, die diesen Schritt ermöglicht.

Prof. Dr. Soni Savai Pullamsetti schuf das Verfahren, um Wirkstoffe präzise an den Erkrankungsort zu lenken. Studien im Labor und am lebenden Organismus bestätigen die Genauigkeit der Plattform. Der Europäische Forschungsrat fördert die Kommerzialisierung mit 150.000 Euro. Gemeinsam mit der TransMIT Gesellschaft soll die klinische Anwendung vorbereitet werden.

Biologika: Die richtige Patientenwahl entscheidet

Auch bei den Biologika tut sich etwas. Eine Ende Juni veröffentlichte Übersichtsarbeit in Pulmonary Therapy zeigt: Der Erfolg dieser Therapien hängt maßgeblich von der präzisen Auswahl der Patienten ab.

Im Fokus stehen Patienten mit Typ-2-Entzündung – erkennbar an erhöhten Eosinophilenwerten ab 300 Zellen pro Mikroliter Blut. Als therapeutische Zielstrukturen dienen Zytokine wie IL-5, IL-4 und IL-13 sowie Alarmine wie IL-33 und TSLP. Während ältere Ansätze oft scheiterten, zeigen die neuen Biologika bei richtiger Patientenwahl vielversprechende Ergebnisse.

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CRISPR 2.0: Gezielte Zellabtötung

Die CRISPR-Forschung liefert ebenfalls neue Impulse. Ein internationales Team um das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung und Akribion Therapeutics stellt das Werkzeug Cas12a2 vor. Anders als herkömmliche CRISPR-Methoden kann dieses molekulare Skalpell Zellen gezielt abtöten – und zwar nur dann, wenn ein bestimmtes Ziel-Transkript vorhanden ist. Das eröffnet Möglichkeiten, virusinfizierte Zellen oder Krebszellen zu eliminieren, ohne gesundes Gewebe zu schädigen.

Parallel dazu verfolgt das Wiener Unternehmen Epitome Therapeutics einen anderen Ansatz. Das Spin-off des EMBL moduliert die Genexpression, ohne die DNA dauerhaft zu verändern. Ende Juni sicherte sich das Startup vier Millionen Euro für seine CADENCE-Plattform zur Epigenom-Editierung. Ziel: Die Aktivität von Genen präzise steuern – ein neuer Weg für die Behandlung chronischer Erkrankungen.

Zahlen und Forderungen: Der Druck steigt

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Die Dringlichkeit verbesserter Therapien zeigt sich in den aktuellen Zahlen. Allein in Bielefeld registrierte die AOK Anfang 2026 rund 9.700 COPD-Patienten. Schätzungen zufolge gehen etwa 90 Prozent dieser Fälle auf das Rauchen zurück. Bundesweit sterben jährlich rund 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Fachverbände fordern deshalb strengere Umweltauflagen. Das Bündnis „Saubere Luft 2030“, initiiert von der Deutschen Umwelthilfe, kritisiert die Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie. Experten verlangen die Einhaltung der strengeren WHO-Empfehlungen – um die Belastung der Atemwege zu senken und chronische Lungenerkrankungen gar nicht erst entstehen zu lassen.

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