MĂ€nner in Krisen: Warum fast 70 Prozent der Suizide MĂ€nner betreffen
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMĂ€nner neigen in persönlichen Krisen dazu, sich zurĂŒckzuziehen und therapeutische UnterstĂŒtzung erst sehr spĂ€t in Anspruch zu nehmen. Nach Beobachtungen der Psychologin Katharina Piekorz von der Onlinepraxis im baden-wĂŒrttembergischen Oberderdingen stellen selbst hochgradig belastete MĂ€nner im ErstgesprĂ€ch hĂ€ufig die Frage, ob ihre Probleme ĂŒberhaupt schwerwiegend genug fĂŒr eine Behandlung seien.
WĂ€hrend Frauen meist rascher zu dem Schluss gelangen, dass sie UnterstĂŒtzung benötigen, zögern betroffene MĂ€nner den Schritt zur Beratung oft lange heraus.
Hohe Hemmschwellen und der Drang zum Alleingang
Dass Probleme vorrangig im Stillen ausgetragen werden, belegen auch Erhebungen zur Alltagskommunikation. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der hkk Krankenkasse besprechen lediglich 57 Prozent der MÀnner ihre Sorgen mit der Partnerin oder der Familie. Im Freundeskreis liegt dieser Anteil bei 45 Prozent. Mehr als jeder dritte Mann versucht demnach, auftretende Schwierigkeiten komplett auf sich allein gestellt zu bewÀltigen.
Auch im beruflichen Umfeld sind die Vorbehalte groĂ. Laut dem von LiveCareer veröffentlichten Bericht zur psychischen Gesundheit von MĂ€nnern, fĂŒr den 700 berufstĂ€tige MĂ€nner in den USA befragt wurden, gaben 84 Prozent der Teilnehmer an, dass von MĂ€nnern am Arbeitsplatz erwartet werde, psychische Probleme nicht zu zeigen.
Zudem verschwiegen 78 Prozent der Befragten Stress, Burnout oder psychische Belastungen im Job zumindest gelegentlich, um stark oder professionell zu wirken.
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Mehr als die HĂ€lfte der Arbeitnehmer gab an, dass FĂŒhrungskrĂ€fte sich im vorangegangenen Jahr nie nach dem Stresslevel oder Wohlbefinden erkundigt hĂ€tten, wĂ€hrend nur 15 Prozent angaben, sich bei der Inanspruchnahme von Hilfe wohlzufĂŒhlen. Zu den gröĂten Barrieren zĂ€hlten der Wunsch, allein zurechtzukommen, sowie die Angst vor Stigmatisierung und beruflichen Nachteilen.
Warnsignale und gesundheitliche Folgen
Fachleute weisen darauf hin, dass psychische Ăberlastungen bei MĂ€nnern oft ĂŒber indirekte Verhaltensmuster sichtbar werden. Als typische Warnsignale nennt Psychologin Katharina Piekorz lang anhaltenden schlechten Schlaf, exzessiv betriebenen Sport, ĂŒbermĂ€Ăige Arbeit, einen gesteigerten Alkoholkonsum sowie den generellen sozialen RĂŒckzug.
Der Psychotherapieforscher Andreas Walther betont dazu, dass nicht MĂ€nnlichkeit an sich krank mache, sondern insbesondere starre gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie ein Mann zu sein habe.
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Die ZurĂŒckhaltung bei der Inanspruchnahme medizinischer und psychologischer Hilfsangebote spiegelt sich in deutlichen statistischen Unterschieden wider. Nach Daten der UniversitĂ€t TĂŒbingen sterben MĂ€nner im Schnitt fĂŒnf Jahre frĂŒher als Frauen, was weitgehend auf vermeidbare Faktoren zurĂŒckgefĂŒhrt wird.
Zwar verzeichnete der Psychreport 2025 der Krankenkasse DAK bei Frauen 431 Fehltage je 100 Versicherte wegen psychischer Erkrankungen gegenĂŒber 266 Fehltagen bei MĂ€nnern. Gleichzeitig entfallen jedoch fast 70 Prozent der registrierten Suizide auf MĂ€nner, was die Diskrepanz zwischen offiziellen Diagnoseraten und tatsĂ€chlicher GefĂ€hrdung verdeutlicht.
VerĂ€nderte Wahrnehmung und UnterstĂŒtzungsangebote
Um dieser Schieflage entgegenzuwirken, thematisieren weltweite Initiativen wie die Movember-Aktion im November die MĂ€nnergesundheit und rĂŒcken psychische Belastungen gezielt ins öffentliche Bewusstsein.
Dass ein offener Umgang mit Belastungen gelingen kann, zeigt das Beispiel des 55-jÀhrigen Schauspielers Martin Luding, der öffentlich von einer anderthalbjÀhrigen Therapie berichtete und hervorhob, wie sehr ihm dieser Schritt geholfen habe.
Auch regionale Einrichtungen wie die MĂ€nnerberatung des Landes Oberösterreich verzeichnen einen kontinuierlichen Zulauf: Mit voraussichtlich rund 3.500 Beratungen im Jahr 2026 suchen MĂ€nner UnterstĂŒtzung vor allem bei Trennungen, Beziehungskonflikten oder beruflicher Ăberlastung, wobei Ratsuchende laut Einrichtungsleitung zunehmend frĂŒher den Kontakt aufnehmen.
