MĂ€nnergesundheit, KrebsfrĂŒherkennung

MĂ€nnergesundheit: Nur 28 Prozent nutzen regelmĂ€ĂŸig die KrebsfrĂŒherkennung

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute empfehlen altersgerechte Kontrollen und einen gesunden Lebensstil; zugleich zeigen Daten eine geringe Teilnahme an FrĂŒherkennungsangeboten.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Behandlungsraum in einer modernen medizinischen Praxis. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute und Gesundheitsorganisationen betonen verstĂ€rkt die Notwendigkeit einer lebenslangen und ganzheitlichen MĂ€nnergesundheit. Rund um weltweite AufklĂ€rungsinitiativen weisen Urologen und Institute darauf hin, dass PrĂ€vention, rechtzeitige Behandlung, Rehabilitation und ein kontinuierliches Gesundheitsmanagement ĂŒber alle Altersstufen hinweg ineinandergreifen mĂŒssen.

Vor allem im mittleren und höheren Lebensalter fĂŒhren VersĂ€umnisse bei Kontrolluntersuchungen hĂ€ufig dazu, dass schwerwiegende Erkrankungen wie Prostatakrebs oder Herz-Kreislauf-Probleme erst spĂ€t erkannt werden.

Herausforderungen in den verschiedenen Lebensphasen

Die Anforderungen an die medizinische Vorsorge wandeln sich mit dem Alter. Wie FachÀrzte des Provinzkrankenhauses Jiangsu darlegten, bedarf jede Lebensphase spezifischer Schwerpunkte: Bei Jugendlichen steht die Kontrolle der Fortpflanzungsentwicklung im Vordergrund, wÀhrend im fruchtbaren Alter der Schutz der Fruchtbarkeit entscheidend ist.

Dai Yutian von der Chinesischen Sexualwissenschaftlichen Gesellschaft verweist darauf, dass die beste SpermienqualitĂ€t bei MĂ€nnern im Alter von 25 bis 35 Jahren liege. Gleichzeitig steigt bei Ă€lteren VĂ€tern das Risiko fĂŒr kindliche Erkrankungen wie Autismus oder Schizophrenie.

Das Nationale Statistikamt Chinas verzeichnete in seinem Jahrbuch 2020 ein durchschnittliches Erstheiratsalter von MĂ€nnern von 29,38 Jahren, wĂ€hrend Frauen im Schnitt mit 27,95 Jahren erstmals heirateten. Yang Yuzhuo von der Peking-UniversitĂ€t erinnert zudem daran, vor Krebsbehandlungen rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz der Fruchtbarkeit zu ergreifen.

Mit zunehmendem Alter rĂŒcken andere Risiken in den Fokus. EntzĂŒndungen der Prostata treten vermehrt bei jĂŒngeren und mittelalten BerufstĂ€tigen im BĂŒroalltag auf, wĂ€hrend Prostatahyperplasie und Tumoren vorwiegend Ă€ltere JahrgĂ€nge betreffen.

Dr. Li Hengping vom Provinzkrankenhaus Gansu wies in diesem Zusammenhang auch auf regionale Risikofaktoren hin: Eine fett- und salzreiche ErnĂ€hrung, Alkoholkonsum sowie geringe FlĂŒssigkeitsaufnahme und Harnverhalt fĂŒhrten in bestimmten Gebieten zu hohen Raten an Harnsteinen. MĂ€nner ĂŒber 50 sollten daher neben urologischem Ultraschall auch jĂ€hrliche Bluttests nutzen.

Tabuthemen und kardiovaskulÀre ZusammenhÀnge

Im Alter ĂŒber 40 Jahren gewinnen hormonelle VerĂ€nderungen sowie erektile Dysfunktion an Bedeutung. Fachleute werten Erektionsstörungen zunehmend als wichtiges Warnsignal fĂŒr GefĂ€ĂŸ- und Stoffwechselleiden.

Laut epidemiologischen Erhebungen in China betrifft erektile Dysfunktion rund 150 Millionen MÀnner, wobei die PrÀvalenz jenseits des 40. Lebensjahrs bei 40,6 Prozent liegt. Die Problematik steht hÀufig in direktem Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Glukosestoffwechselstörungen, zerebrovaskulÀren Beschwerden sowie psychischen Belastungen wie Angst und Depression.

Jiang Hui, PrĂ€sident der Asia-Pacific Society for Sexual Medicine, ordnet Erektionsstörungen als Barometer fĂŒr den allgemeinen Gesundheitszustand ein. Allerdings halten SchamgefĂŒhle viele Betroffene von einem rechtzeitigen Gang in die Praxis ab.

Um Barrieren abzubauen, grĂŒndeten die Chinesische Sexualwissenschaftliche Gesellschaft und das Peking-UniversitĂ€tskrankenhaus eine interdisziplinĂ€re Allianz, die Kardiologie, Endokrinologie, Neurologie und Psychiatrie verzahnt.

Auch digitale KanĂ€le bieten niedrigschwellige ZugĂ€nge: So verzeichnet die JD-Internetklinik ĂŒber 1500 registrierte Ärzte, von denen mehr als 1000 an renommierten SpitzenkrankenhĂ€usern tĂ€tig sind.

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Geringere Lebenserwartung und zögerliche Vorsorge

Internationale Vergleiche belegen anhaltende Defizite beim Inanspruchnehmen prĂ€ventiver Angebote. Das Bundesinstitut fĂŒr Öffentliche Gesundheit weist darauf hin, dass MĂ€nner im Schnitt rund vier Jahre frĂŒher als Frauen sterben.

Nach Angaben von Christoph Aluttis, Leiter des Referats MĂ€nnergesundheit der Institution, zeigen MĂ€nner deutlich hĂ€ufiger riskanten Alkoholkonsum und nutzen Vorsorgeuntersuchungen seltener, was zu höheren Risiken fĂŒr Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs fĂŒhrt. Ähnliche Muster meldet das brasilianische Gesundheitsministerium: Dort leben MĂ€nner durchschnittlich 7,1 Jahre kĂŒrzer als Frauen.

In Deutschland verdeutlichte eine Auswertung der Krankenkasse AOK den Nachholbedarf: Lediglich 28 Prozent der MĂ€nner im Alter von 54 bis 70 Jahren nahmen in mindestens drei von zehn Jahren an der FrĂŒherkennung teil. Dabei stellt Prostatakrebs die hĂ€ufigste bösartige Tumorerkrankung bei MĂ€nnern dar; schĂ€tzungsweise 6,9 Prozent erkranken im Laufe ihres Lebens daran.

In der österreichischen Region KÀrnten bezifferte die Urologin Fuchs-Samitz die jÀhrlichen Neudiagnosen bei Prostatakrebs auf etwa 600 FÀlle. Insgesamt verzeichnet das Bundesland rund 3.700 Krebserstdiagnosen pro Jahr.

Trotz der Dringlichkeit liegt die Beteiligungsquote an speziellen KrebsfrĂŒherkennungsmaßnahmen dort bei lediglich etwa 30 Prozent, wĂ€hrend die Wartezeiten fĂŒr Darmkrebsvorsorgen drei bis sechs Monate betragen.

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Auch das Beratungsprogramm fit2work in Österreich verzeichnet seit Jahren einen MĂ€nneranteil von rund 42 Prozent bei seinen ĂŒber 26.700 Erstberatungen, was den fortbestehenden Zögerungsgrad belegt.

Kampagnen wie Movember verdeutlichen jedoch den Wert offener Kommunikation: Eine Erhebung der Organisation aus dem Jahr 2025 in sechs MĂ€rkten ergab, dass der Anteil derjenigen, die sich beim GesprĂ€ch ĂŒber Gesundheitsthemen wohlfĂŒhlen, binnen eines Monats von 66 auf 83 Prozent anstieg.

Empfehlungen fĂŒr FrĂŒherkennung und Lebensstil

Zur EindĂ€mmung chronischer Krankheiten raten Gesundheitsbehörden zu strukturierten Lebensstil- und FrĂŒherkennungsschritten. Das Bundesinstitut fĂŒr Öffentliche Gesundheit empfiehlt die jĂ€hrliche Prostatakrebs-Vorsorge ab dem 45. Lebensjahr, die DarmkrebsfrĂŒherkennung ab 50 Jahren sowie eine Anpassung des Lebensstils mit regelmĂ€ĂŸiger Bewegung, ausgewogener ErnĂ€hrung, Pflege der psychischen Gesundheit und dem Abbau riskanten Konsums.

Das taiwanische Gesundheitsministerium formuliert im Kampf gegen Krebs, kardiovaskulÀre Beschwerden und das sogenannte metabolische Syndrom vier Kernregeln:
- Eine ausgewogene ErnÀhrung mit mindestens 1500 bis 2000 Millilitern Wasser tÀglich
- RegelmĂ€ĂŸige Bewegung von mindestens dreimal 30 Minuten wöchentlich mit einem Ziel-Taillenumfang von unter 90 Zentimetern
- RegelmĂ€ĂŸige Untersuchungen im Abstand von fĂŒnf Jahren zwischen 30 und 39 Jahren sowie alle drei Jahre ab dem 40. Lebensjahr
- Darmkrebs-Screenings alle zwei Jahre ab 45 Jahren sowie jÀhrliche PSA-Bestimmungen ab 50 Jahren beziehungsweise ab 45 Jahren bei entsprechender Familienanamnese

Urologen heben hervor, dass eine zeitgemĂ€ĂŸe Prostatadiagnostik neben dem PSA-Wert stets auch dessen Verlauf, familiĂ€re Vorbelastungen und bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie berĂŒcksichtigen muss, da ein isoliert erhöhter Laborwert nicht zwingend auf einen Tumor hinweist. Vorsorge sollte folglich nicht als punktuelle Aktion verstanden werden, sondern als kontinuierliche Begleitung ĂŒber die gesamte Lebensspanne.

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