Magenkeim, Darmkrebsrisiko

Magenkeim H. pylori: 1,6-fach erhöhtes Darmkrebsrisiko belegt

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsarbeiten verknüpfen H. pylori mit Darmkrebs, erklären bakterielle Entzündungswege und melden West-Nil-Fälle in Europa.

Neue Studien zeigen Entzündungsrisiken durch Bakterien und Viren
Eine sterile Laborumgebung mit einer Petrischale auf einem dunklen Metalltisch, symbolisch für medizinische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Analysen untersuchen verstärkt die Verbindung zwischen bakteriellen Infektionen sowie Virusinfektionen und einem signifikant erhöhten Risiko für systemische Entzündungen. Aktuelle Berichte und Studien verdeutlichen, dass Erreger, die oft jahrelang unbemerkt im Körper verbleiben, weitreichende Konsequenzen für die langfristige Gesundheit haben können, die von chronischen Organschäden bis hin zu Krebserkrankungen reichen.

Helicobacter pylori erhöht das Risiko für Darmkrebs

Ein wesentlicher Fokus der Forschung liegt auf dem Magenkeim Helicobacter pylori. Eine in der Fachzeitschrift eGastroenterology veröffentlichte Untersuchung zeigt auf, dass eine Infektion mit diesem Bakterium mit einem rund 1,6-fach höheren Risiko für die Entstehung von Darmkrebs einhergeht.

Die Analyse, die 43 Studien mit Daten von knapp 48,7 Millionen Menschen umfasste, kam zu dem Ergebnis, dass weltweit 22 % der Darmkrebsfälle mit H. pylori assoziiert sind. Bei der Beschränkung auf die 14 aussagekräftigsten Studien lag dieser Anteil bei 12 %.

Die regionale Verbreitung der Infektion weist dabei starke Unterschiede auf. Den höchsten Anteil verzeichnete die Mongolei mit 36 %, gefolgt vom westlichen Pazifikraum mit 25 %. In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 30 % der Bevölkerung mit dem Magenkeim infiziert. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung einer frühzeitigen Identifikation und Behandlung des Erregers zur Prävention von Folgeerkrankungen im Verdauungstrakt.

Molekulare Mechanismen bei Pseudomonas aeruginosa entschlüsselt

Auch im Bereich der Krankenhausinfektionen gibt es neue Erkenntnisse zu pathogenen Mechanismen. Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist weltweit für etwa 7 % der nosokomialen Infektionen verantwortlich und verursacht jährlich rund 559.000 Todesfälle. Ein Forschungsteam des CSSB unter der Leitung von Prof. Michael Kolbe konnte nun die Struktur entscheidender Enzyme aufklären, die zur Zerstörung von Wirtszellen beitragen.

Mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie wurde die Struktur der Phospholipase C PLC H bestimmt, während die PLC N mittels Röntgenkristallographie an der P11-Beamline des PETRA III (DESY) analysiert wurde.

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Eine Infektion mit dem Magenkeim H. pylori geht mit einem rund 1,6-fach höheren Risiko für Darmkrebs einher — und in Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 30 % der Bevölkerung betroffen, oft ohne es zu wissen. Wer seine Vorsorge selbst in die Hand nehmen will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden eine klare Checkliste für Test und Früherkennung sowie die wichtigsten Fragen für das nächste Arztgespräch. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Die Forscher stellten fest, dass der sogenannte PLC-H/R2-Komplex eine höhere Zytotoxizität aufweist als PLC N. Durch den Einsatz der Rasterkraftmikroskopie (AFM) konnte zudem belegt werden, dass dieser Komplex bereits innerhalb von 7 Minuten Poren in Lipid-Doppelschichten bildet. Diese strukturellen Einblicke könnten die Grundlage für künftige Behandlungsstrategien gegen den oft multiresistenten Keim bilden.

Darmbakterien treiben chronische Gallenwegsentzündungen voran

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist der Einfluss von Stoffwechselprodukten der Darmbakterien auf die Lebergesundheit. Eine in Nature Metabolism veröffentlichte Studie unter der Leitung von Antonio Molinaro identifizierte den Metabolit Imidazol-Propionat (ImP) als Treiber der primär sklerosierenden Cholangitis (PSC). ImP entsteht beim Abbau der Aminosäure Histidin durch bestimmte Darmbakterien.

Bei PSC-Patienten konnten erhöhte ImP-Werte im Blut im Vergleich zu gesunden Personen nachgewiesen werden. In Mausmodellen führte der Metabolit über die Aktivierung der p38- und mTORC1-Signalwege zu verstärkten Entzündungen der Gallenwege sowie zu biliärer Fibrose. Eine Blockade dieser Signalwege linderte in Versuchen die Symptome.

Da PSC vorwiegend junge Erwachsene betrifft und es bislang keine zugelassenen medikamentösen Therapien gibt, stellt die Lebertransplantation derzeit die einzige definitive Behandlungsmöglichkeit dar. Die neuen Daten deuten darauf hin, dass die gezielte Beeinflussung der ImP-produzierenden Bakterien ein neuer therapeutischer Ansatz sein könnte.

Ausbreitung des West-Nil-Virus in Europa und Deutschland

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Neben bakteriellen Risiken rücken auch Virusinfektionen in den Fokus der Gesundheitsbehörden. In Europa wurden aktuell mehr als 1.000 Infektionen mit dem West-Nil-Virus registriert. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete für Deutschland zwei nachgewiesene Infektionen beim Menschen sowie sieben weitere Fälle bei Tieren.

Das Virus wird hauptsächlich durch die heimische Culex-Mücke übertragen. Da derzeit kein Impfstoff für Menschen verfügbar ist, liegt das Augenmerk auf Präventionsmaßnahmen. Während viele Infektionen mild verlaufen, sind schwere Erkrankungen des Nervensystems möglich. Als besonders gefährdet gelten ältere Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen.

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