Makuladegeneration: Fachgesellschaften empfehlen AMD-Screening ab 55 Jahren
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie altersbedingte Makuladegeneration (AMD) gilt als eine der Hauptursachen fĂŒr schweren Sehverlust im höheren Lebensalter. FĂŒhrende deutsche ophthalmologische Fachgesellschaften haben in einer ersten Leitlinie zur PrĂ€vention der AMD klare Empfehlungen formuliert: Ein gezieltes Screening sollte demnach ab einem Alter von 55 Jahren erfolgen.
Zugleich verweisen Fachpublikationen darauf, dass der weit verbreitete Amsler-Gitter-Test fĂŒr sich allein genommen nicht screeningtauglich ist, sondern primĂ€r als Instrument zur Selbstkontrolle dient.
FrĂŒherkennung und Grenzen von Selbsttests
Die Erkrankung betrifft die Netzhautmitte, die sogenannte Makula. Zu den frĂŒhen klinischen Warnzeichen gehören verzerrte Linien (Metamorphopsie), verschwommenes zentrales Sehen, ein dunkler oder leerer Fleck im Blickfeld (zentrales Skotom) sowie erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen und der Gesichtserkennung. Treten plötzliche VerĂ€nderungen im Gesichtsfeld auf, erfordert dies laut Fachquellen eine Ă€rztliche Evaluation innerhalb von ein bis zwei Tagen.
FĂŒr eine verlĂ€ssliche FrĂŒherkennung reicht das Amsler-Gitter allein jedoch nicht aus, da charakteristische FrĂŒhzeichen wie Drusen ausschlieĂlich bei einer Pupillendilatation sichtbar sind. In der Diagnostik kommen vier Stufen zum Einsatz: Heimtests zur Eigenbeobachtung, Standarduntersuchungen in der Augenarztpraxis, nichtinvasive Bildgebung sowie GefĂ€Ăverfahren mit Kontrastmittel.
FĂŒr detaillierte Verlaufskontrollen spielt die optische KohĂ€renztomografie (OCT) eine zentrale Rolle. Diese berĂŒhrungsfreie Untersuchung arbeitet mit Infrarotlicht ohne ionisierende Strahlung, dauert zwischen zwei und zehn Minuten und liefert hochauflösende Schnittbilder im Mikrometerbereich.
Bei invasiveren Verfahren wie der Fluoreszein-Angiografie erreicht der injizierte Farbstoff die NetzhautgefĂ€Ăe in 8 bis 15 Sekunden. Patienten mĂŒssen hierfĂŒr vier bis sechs Stunden nĂŒchtern bleiben, dĂŒrfen nach den pupillenerweiternden Tropfen fĂŒr die gleiche Zeit kein Kraftfahrzeug fĂŒhren und mĂŒssen mit einer vorĂŒbergehenden GelbfĂ€rbung des Urins von bis zu 36 Stunden rechnen.
Formen, Risikofaktoren und Progressionsmuster
Nach Angaben des National Eye Institute (NEI) stellt die AMD eine der zentralen Ursachen fĂŒr Sehkraftverlust bei Erwachsenen ab 50 Jahren in den USA dar. Fachquellen zufolge liegt die PrĂ€valenz bei ĂŒber 75-JĂ€hrigen bei rund 30 Prozent. Die Erkrankung verlĂ€uft im Wesentlichen in zwei AusprĂ€gungen:
Viele Menschen bemerken eine schleichende Verschlechterung ihrer Sicht im Alltag gar nicht, da sich das Auge oft unbewusst anpasst. Dieser kostenlose 3-Minuten-Test ermöglicht es Ihnen, Ihre Sehkraft bequem von zu Hause aus zu prĂŒfen und sofort eine erste EinschĂ€tzung zu erhalten. Sehtest ohne Arzttermin: In 3 Minuten wissen, ob Ihre Augen noch fit sind
- Trockene AMD: Sie macht rund 85 bis 90 Prozent der FĂ€lle aus, schreitet meist langsam voran und ist bislang nicht heilbar.
- Feuchte (neovaskulĂ€re) AMD: Sie tritt bei etwa 10 Prozent der Betroffenen auf, fĂŒhrt durch abnorme GefĂ€Ăneubildungen zu raschen, schweren zentralen Sehverlusten.
Als wesentliche Risikofaktoren gelten neben dem Alter und kardiovaskulÀren Erkrankungen vor allem genetische Dispositionen, welche das Risiko um das bis zu Zweifache steigern können. Der einzige modifizierbare Risikofaktor ist das Rauchen, welches das Erkrankungsrisiko um das Zwei- bis Dreifache erhöht.
ZusĂ€tzliche Risiken bestehen bei Diabetes, Hypertonie und einer Myopie von ĂŒber -6,0 Dioptrien. Die Folgen eines schweren Verlaufs verdeutlichen auch prominente FĂ€lle: So gab die britische Schauspielerin Judi Dench in einem BBC-Interview an, seit ihrer Diagnose im Jahr 2012 mit der Erkrankung zu leben und infolgedessen nicht mehr lesen oder an Filmsets arbeiten zu können.
Da unkorrigierte Sehprobleme nicht nur den Alltag, sondern auch die kognitive Belastung des Gehirns erhöhen können, ist eine regelmĂ€Ăige Kontrolle der Augen besonders wichtig. Nutzen Sie diesen kostenlosen Online-Schnelltest, um rechtzeitig auf VerĂ€nderungen zu reagieren und Ihre Sehkraft gezielt zu schĂŒtzen. Kostenlosen Online-Sehtest jetzt starten
Interventionen und therapeutische Optionen
Zur Risikosenkung bei intermediÀrer AMD zeigen formulierte NahrungsergÀnzungskombinationen wie AREDS und AREDS2 (bestehend aus Zink, Kupfer, den Vitaminen C und E sowie Lutein und Zeaxanthin) nachweislich Effekte: Sie verringern das Progressionsrisiko in spÀtere Krankheitsstadien, können das Entstehen der Erkrankung jedoch nicht verhindern.
FĂŒr die Behandlung der feuchten Verlaufsform stehen Anti-VEGF-Injektionen mit Wirkstoffen wie Ranibizumab oder Aflibercept zur VerfĂŒgung, hĂ€ufig ergĂ€nzt durch Verfahren wie die photodynamische Therapie.
Gegen die SpÀtform der trockenen AMD, die geographische Atrophie, wurden im Jahr 2023 durch die US-Arzneimittelbehörde FDA mit Pegcetacoplan (Syfovre) und Avacincaptad Pegol (Izervay) erstmals spezifische Medikamente zugelassen.
WÀhrend die American Academy of Ophthalmology (AAO) eine augenÀrztliche Basisuntersuchung bereits um das 40. Lebensjahr empfiehlt, raten Fachpublikationen Menschen ab 50 Jahren zu jÀhrlichen Kontrolluntersuchungen, um NetzhautverÀnderungen rechtzeitig vor einem irreversiblen Sehverlust festzustellen.
