MangelernÀhrung, Pflegeheim

MangelernÀhrung im Pflegeheim: Volksanwaltschaft fordert Screening bei Aufnahme

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Berichte zeigen VersorgungslĂŒcken in Pflegeheimen und Informationsbedarf zu Hause; Studien beleuchten ErnĂ€hrungsmuster und Gewichtsentwicklung.

ErnÀhrung im Alter: Pflege, PrÀvention und hÀusliche Versorgung
Ein gedeckter Esstisch mit frischem GemĂŒse in einem hellen, freundlichen Raum. Illustration mit AI erstellt.

AnlĂ€sslich des Internationalen Tages der Ă€lteren Menschen rĂŒckt die Versorgung der Senioren verstĂ€rkt in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Debatten.

Neben der sozialen Teilhabe und der medizinischen Infrastruktur erweist sich dabei insbesondere die bedarfsgerechte ErnĂ€hrung als zentrales Element fĂŒr die Erhaltung der SelbststĂ€ndigkeit und LebensqualitĂ€t. Aktuelle Berichte und Studien beleuchten dabei sowohl die Herausforderungen in der stationĂ€ren Pflege als auch prĂ€ventive AnsĂ€tze im hĂ€uslichen Umfeld.

PrÀvention von MangelernÀhrung in der Langzeitpflege

Ein wesentlicher Kritikpunkt in der aktuellen Versorgungssituation betrifft das ErnÀhrungsmanagement in Pflegeeinrichtungen. Die österreichische Volksanwaltschaft wies in einem Bericht von Ende September 2026 auf Defizite hin, die im Rahmen von Kommissionsbesuchen festgestellt wurden.

Beobachtet wurden unter anderem zu starre oder sehr frĂŒhe Essenszeiten sowie ein Mangel an Personal zur UnterstĂŒtzung bei der Nahrungsaufnahme. Der Volksanwalt forderte daher ein standardisiertes ErnĂ€hrungs-Screening bereits bei der Aufnahme in ein Heim. Da insbesondere Demenzerkrankungen das Risiko fĂŒr MangelernĂ€hrung erhöhen, sei eine systematische Überwachung der NĂ€hrstoffzufuhr unerlĂ€sslich.

In Bayern betont die ErnĂ€hrungsministerin Michaela Kaniber die Bedeutung einer auf das Alter zugeschnittenen Verpflegung. Um das Bewusstsein fĂŒr diese Problematik zu schĂ€rfen, plant das Kompetenzzentrum fĂŒr ErnĂ€hrung (KErn) fĂŒr den 12. Oktober 2026 eine Online-Informationsveranstaltung zum Thema ErnĂ€hrung im Alter.

Zudem soll im November 2026 eine bundesweite „Woche gegen MangelernĂ€hrung“ stattfinden, in der Fachzentren Workshops und VortrĂ€ge anbieten, um PflegekrĂ€fte und Angehörige zu sensibilisieren.

Soziale Aspekte und therapeutische AnsÀtze

ErnÀhrung im Alter wird zunehmend nicht nur unter physiologischen, sondern auch unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet. Das Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth in EichstÀtt praktiziert seit drei Jahren ein Konzept des therapeutischen Mittagessens.

In einem restaurantĂ€hnlichen Umfeld soll dabei die Selbstbestimmung und Kommunikation der Bewohner gefördert werden. Ähnliche AnsĂ€tze verfolgt die Plattform ErnĂ€hrung und Bewegung e. V. (peb) mit einem digitalen Leitfaden fĂŒr generationsĂŒbergreifende Kochaktionen, um den Austausch zwischen Jugendlichen und Senioren zu fördern.

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Die Bedeutung der SelbststĂ€ndigkeit wird auch durch die Longitudinal Urban Cohort Ageing Study (LUCAS) untermauert, die seit dem Jahr 2000 Daten zur funktionalen Kompetenz Ă€lterer Menschen erhebt. Ein fĂŒr den 8. Oktober 2026 geplantes Symposium in Hamburg wird sich in diesem Zusammenhang mit der Frage befassen, wie PrĂ€vention zur Erhaltung der Autonomie im Alter beitragen kann.

Forschungsergebnisse zu ErnÀhrungsmustern und Kostenfaktoren

Wissenschaftliche Erkenntnisse, wie die der Nurses’ Health Study II, unterstreichen den langfristigen Einfluss der ErnĂ€hrungsqualitĂ€t. In einer Untersuchung von ĂŒber 38.000 Frauen zeigte sich, dass eine ErnĂ€hrung mit niedrigem insulinĂ€mischem Potenzial oder eine starke Orientierung an der mediterranen DiĂ€t mit einer geringeren Gewichtszunahme im Alter korreliert.

Den Daten zufolge lag die jÀhrliche Gewichtszunahme bei einer ErnÀhrung nach dem Planetary Health Diet Index um 0,17 kg niedriger als bei Vergleichsgruppen.

Neben gesundheitlichen Aspekten spielen ökonomische Rahmenbedingungen eine wachsende Rolle. Die Verbraucherzentrale Bayern und Handelsunternehmen wie Kaufland geben spezifische Spartipps fĂŒr Senioren, um trotz inflationsbedingter Belastungen eine hochwertige ErnĂ€hrung sicherzustellen.

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Neben dem Vergleich von Grundpreisen werden hierbei spezielle Rabattaktionen fĂŒr Personen ab einem bestimmten Lebensalter angefĂŒhrt, um die finanzielle Unsicherheit, von der laut Interessenvertretungen insbesondere Frauen im Rentenalter betroffen sind, abzumildern.

Infrastruktur und hĂ€usliche UnterstĂŒtzung

Die Diakonie in Österreich weist darauf hin, dass rund 80 Prozent der pflegebedĂŒrftigen Menschen zu Hause versorgt werden, wobei der Großteil der Leistungen von Angehörigen erbracht wird. Eine Umfrage des Market-Instituts verdeutlichte hierbei Informationsdefizite: Jeder zweite Befragte wisse im Bedarfsfall nicht, an welche Stelle er sich wenden könne.

Organisationen fordern daher den Ausbau von Community Nurses und leichter zugÀnglichen Beratungsstellen, um die hÀusliche Versorgung und damit auch eine gesunde ErnÀhrung im gewohnten Umfeld langfristig zu stabilisieren.

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