Mangelernährung, Bedarfs

Mangelernährung: Unter 50 Prozent des Bedarfs wird Ernährungstherapie wichtig

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 02:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Klinische Kriterien bestimmen den Einsatz von Ernährungstherapien; bei Krebs gelten konkrete Grenzwerte für Mangelernährung und Nährstoffbedarf.
Ein helles, steriles Krankenzimmer mit einem leeren Pflegebett und einer Schale mit frischem Gemüse auf einem Nachttisch. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Auswahl von Lebensmitteln nimmt in der medizinischen Rekonvaleszenz und Begleittherapie einen zentralen Stellenwert ein. Fachleute und Krankenhäuser betonen zunehmend, dass der Genesungsprozess durch eine angepasste Nährstoffzufuhr maßgeblich gestützt wird. Bei akuten Infektionen und schweren Erkrankungen steigt der Bedarf an Energie und Proteinen deutlich an.

Eiweiß ist hierbei für die Geweberegeneration sowie für die Funktionalität des Immunsystems unverzichtbar. Wie etwa das polnische Klinikum Kalisz hervorhebt, bildet eine ausgewogene Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Fisch, Eiern, magerem Fleisch und Hülsenfrüchten die Grundlage für eine effektive Erholung.

Klinische Leitlinien und Kriterien bei Mangelernährung

Eine unzureichende Nährstoffversorgung führt zu gravierenden Stoffwechselveränderungen. Zehrende Erkrankungen erfordern daher multimodale Behandlungsansätze, während chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine frühzeitige Prävention von Defiziten verlangen.

Auch das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom steht im Zusammenhang mit westlichen Ernährungsweisen, während ungünstige Fette beispielsweise die Symptome bei Psoriasis verschlechtern können.

Internationale Standards definieren präzise, wann medizinisch interveniert werden muss. Der GLINTS-Konsens der europäischen Fachgesellschaft ESPEN aus dem Jahr 2026 benennt vier Hauptindikationen für eine Ernährungstherapie: eine diagnostizierte Mangelernährung, ein hohes Ernährungsrisiko, eine signifikante Verringerung der Nahrungsaufnahme sowie die Unmöglichkeit einer oralen Ernährung über mehr als fünf Tage.

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Eine Intervention ist demnach angezeigt, wenn die orale Aufnahme in der vergangenen Woche weniger als 50 Prozent des Bedarfs betrug oder bei Krankheit und Entzündungsprozessen über mehr als zwei Wochen unter dieser Schwelle lag.

Bleibt die orale Aufnahme ohne Aussicht auf Besserung unter der 50-Prozent-Marke, ist eine enterale Ernährung indiziert; bei Darminsuffizienz oder als Ergänzung kommt parenterale Ernährung zum Einsatz.

Besondere Herausforderungen in der Onkologie

Besonders gravierend zeigt sich die Mangelernährung im onkologischen Bereich. Laut der German Hospital Malnutrition Study wiesen im Jahr 2006 bereits 38 Prozent der Krebspatienten bei der Krankenhausaufnahme eine Mangelernährung auf.

Insbesondere bei gastrointestinalen Tumoren sind Patienten häufig schon zum Zeitpunkt der Erstdiagnose mangelernährt. Auf der Jahrestagung für Hämatologie und Onkologie 2026 vorgestellte Daten belegen zudem, dass die krebsassoziierte Kachexie von charakteristischen Verschiebungen zahlreicher Laborparameter begleitet wird.

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Die Diagnosekriterien für Mangelernährung bei Krebs umfassen einen Body-Mass-Index (BMI) von unter 18,5 oder einen Gewichtsverlust von mehr als 10 Prozent innerhalb von drei bis sechs Monaten.

Ebenso gilt ein BMI unter 20 bei einem Gewichtsverlust von über 5 Prozent im selben Zeitraum als Kriterium; für Personen ab 65 Jahren greift dieser Schwellenwert bereits bei einem Verlust von über 5 Prozent in drei Monaten.

Gemäß der S3-Leitlinie von 2026 liegt der tägliche Energiebedarf von onkologischen Patienten bei 25 bis 30 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht, der Eiweißbedarf bei 1 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Differenzierte Kostformen und Mythenprüfung

In der praktischen Versorgung variiert das Vorgehen nach Indikation: Nach Eingriffen am Verdauungstrakt erfolgt ein schrittweiser Kostaufbau von flüssiger über breiige bis hin zu normaler Nahrung. Bei Diabetes mellitus stehen die Kohlenhydratmenge und die Lebensmittelauswahl im Vordergrund, während Typ-2-Diabetes zunehmend personalisierte Empfehlungen verlangt und ernährungspsychologische Methoden die Therapietreue unterstützen.

Fachgesellschaften warnen vor unbewiesenen Konzepten. Für die Wirksamkeit von zuckerfreier Kost, ketogener Ernährung, der Budwig-Diät oder Fasten während der Krebstherapie existieren keine wissenschaftlichen Belege.

Zugleich fordern Gesundheitsexperten ein systematisches Entkräften von Falschinformationen auf sozialen Plattformen, wo Diäten und Nahrungsergänzungsmittel mitunter gefährlicherweise als Alternative zu medizinischen Verfahren dargestellt werden, sowie strengere Regeln für kommerzielle Gesundheitsversprechen.

Auch das Mikrobiom rückt in den Fokus: Eine Studie von Lee et al. im Fachjournal Nature Medicine aus dem Jahr 2022 an 112 Patienten mit schwarzem Hautkrebs zeigte, dass eine höhere bakterielle Diversität mit einem besseren Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren korreliert.

Zur Förderung der Vielfalt werden jedoch keine Probiotika empfohlen, sondern ballaststoffreiche Kost: Resistente Stärke vom Typ 3, wie sie in abgekühlten Kartoffeln vorkommt, fördert die Bildung von Butyrat zur Unterstützung der Darmschleimhaut. Eine hohe Zuckerzufuhr während einer Antibiotikabehandlung steht hingegen im Zusammenhang mit einem Verlust dieser mikrobiellen Diversität.

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