Mathematiker, OpenAI

Mathematiker vs. OpenAI: Vorwurf unbefugter Nutzung von Forschungsdaten

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mathematiker Andreas Thom verlangt AufklÀrung zu privaten Chatdaten, wÀhrend OpenAI möglichen Einfluss de-identifizierter Inhalte einrÀumt.

OpenAI unter Druck: Streit um ChatGPT-Daten und Mathe-Erfolge
Ein leerer Hörsaal mit einer leeren, staubigen Schultafel und natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Andreas Thom, Professor an der Technischen UniversitĂ€t Dresden, wirft dem US-Unternehmen OpenAI Unehrlichkeit im Umgang mit Trainingsdaten vor. Im Zentrum der Kritik steht der Verdacht, dass private Chat-VerlĂ€ufe des Mathematikers ohne explizite Zustimmung fĂŒr die Entwicklung neuer KI-Modelle verwendet wurden.

Thom fordert nun Beweise dafĂŒr, dass seine vertraulichen Forschungsdetails zu sogenannten Non-Sofic-Gruppen nicht in den Trainingsprozess eingeflossen sind.

Streit um die Nutzung privater Chat-Inhalte

Der Mathematiker gab an, die Nutzung seiner Daten fĂŒr Trainingszwecke bereits am 29. Juni 2026 deaktiviert zu haben. Dennoch vermutet er, dass unveröffentlichte Forschungsergebnisse aus seinen Interaktionen mit ChatGPT ihren Weg in das Modelltraining fanden.

Auslöser fĂŒr diesen Verdacht ist ein Anfang August veröffentlichtes Ergebnis von OpenAI zu Non-Sofic-Gruppen, das auf einer gemeinsamen Arbeit von Thom und einem Kollegen aus dem Jahr 2019 aufbaut. Damit wurde ein seit 27 Jahren bestehendes mathematisches Problem gelöst, das ursprĂŒnglich von Michail Leonidowitsch Gromow formuliert worden war.

Die Reaktion von OpenAI-Mitarbeitern auf die VorwĂŒrfe bezeichnete Thom als unbegrĂŒndet weit gefasst und materiell irrefĂŒhrend. Zuvor hatte ein Mitarbeiter des Unternehmens erklĂ€rt, ein solcher Datenabfluss sei nicht erfolgt. Thom argumentierte jedoch, dass diese Antwort lediglich den direkten Zugriff auf Nutzerdaten abgedeckt habe, nicht aber deren Verwendung im allgemeinen Trainingsprozess.

OpenAI rÀumt Einfluss de-identifizierter Daten ein

OpenAI rÀumte inzwischen ein, dass das Ergebnis zu den Non-Sofic-Gruppen auf der Arbeit von Thom aufbaut. Das Unternehmen erklÀrte zudem, dass ein Einfluss von de-identifizierten Daten auf die Modellentwicklung nicht vollstÀndig ausgeschlossen werden könne.

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Thom widersprach der Darstellung, dass eine Anonymisierung der Daten den Schutz des geistigen Eigentums gewÀhrleiste. Eine De-Identifizierung möge zwar Namen entfernen, lösche jedoch nicht den intellektuellen Gehalt einer spezifischen mathematischen Idee aus den DatensÀtzen.

Andere Wissenschaftler schlossen sich der Kritik an der mangelnden Transparenz und fehlerhaften Attribution an. So bemÀngelten Forscher wie Gonzalo Cao-Labora fehlende Quellenangaben in wissenschaftlichen Veröffentlichungen von OpenAI, woraufhin das Unternehmen entsprechende Referenzen ergÀnzte.

Kontroversen um die Lösung der Navier-Stokes-Gleichungen

Neben dem Fall Thom belastet eine weitere Kontroverse das VerhÀltnis zwischen OpenAI und der akademischen Gemeinschaft. OpenAI gab bekannt, dass ein internes Modell, das leistungsfÀhiger als GPT-6 Astra sei, die Navier-Stokes-Gleichungen gelöst habe.

Dieser Erfolg betrifft eines der sieben Millennium-Probleme des Clay Mathematics Institute aus dem Jahr 2000, fĂŒr deren Lösung jeweils ein Preisgeld von 1 Million US-Dollar ausgelobt wurde. Die Berechnung erfolgte laut Unternehmensangaben innerhalb von 88 Stunden unter Einsatz von etwa 10.000 parallelen KI-Agenten, wobei 130 Milliarden Tokens verarbeitet wurden.

Trotz des Verzichts von OpenAI auf das Preisgeld werfen Fachkollegen dem Unternehmen unlautere Methoden vor. Tristan Buckmaster von der New York University (NYU) behauptet, OpenAI habe seine EntwĂŒrfe aus dem Tool Codex genutzt und Druck auf ihn ausgeĂŒbt.

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Zudem sei sein Koautor Levent Alpöge von Anthropic systematisch ausgeschlossen worden. OpenAI-Vertreter wie Sam Altman bestreiten diese VorwĂŒrfe, rĂ€umten jedoch ein, dass das Training unter Einbeziehung relevanter Informationen nach dem Aufkommen erster GerĂŒchte stattfand.

Wachsende Skepsis in der Wissenschaft

In der Forschungsgemeinschaft wĂ€chst die Sorge ĂŒber eine zunehmende Geheimhaltung bei fĂŒhrenden KI-Laboren. Renommierte Mathematiker wie Terence Tao von der UCLA warnen vor dem extremen Tempo der Entwicklung und dem Mangel an wissenschaftlicher Offenheit.

Viele Experten befĂŒrchten, dass die Intransparenz bei den Trainingsquellen die wissenschaftliche IntegritĂ€t gefĂ€hrden und die Zusammenarbeit zwischen privaten Unternehmen und staatlichen Forschungseinrichtungen dauerhaft beschĂ€digen könnte.

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