MB.DRIVE Assist Pro: Mercedes plant den Start in Deutschland für 2027
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Stuttgarter Automobilhersteller Mercedes-Benz überdenkt seine Entwicklungsstrategie beim autonomen Fahren grundlegend. Weil hochautomatisierte Level-3-Systeme im Alltagsbetrieb bezüglich ihrer erlaubten Höchstgeschwindigkeit und der befahrbaren Streckenprofile gegenwärtig noch zu stark eingeschränkt sind, verlagert der Konzern seinen Schwerpunkt auf fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme der Stufe Level 2++. Das erklärte Entwicklungschef Jörg Burzer in Medienberichten.
Begrenzte Einsatzbereiche bremsen Level 3 aus
Mit dem System Drive Pilot brachte Mercedes-Benz im Jahr 2023 das erste behördlich genehmigte Level-3-System im US-Bundesstaat Nevada auf den Markt. Die Technik, die in der S-Klasse sowie im Elektromodell EQS angeboten wurde, übernahm unter bestimmten Bedingungen die Fahraufgabe. Allerdings blieb das System auf ausgewählte Straßenabschnitte und ein Tempo von etwa 40 mph (circa 64 km/h) begrenzt.
Die hochgesteckten Ambitionen für diesen Automatisierungsgrad seien rückblickend zu früh verfolgt worden, räumte CTO Jörg Burzer ein. Manchmal sei man der Zeit schlicht voraus. Neben den technischen Begrenzungen spielte auch die Nachfrage eine Rolle: Die Option schlug mit einem Aufpreis von 6.000 Euro zu Buche.
Im Zuge von Modellpflegen strich der Hersteller das Level-3-System nun wieder aus seinen Topmodellen. So wird die neue S-Klasse auf dem US-Markt ohne Level-3-Fähigkeiten ausgeliefert und greift stattdessen auf bis zu 27 Sensoren zurück, die den Betrieb von Level 2++ unterstützen.
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Level 2++ als Brückentechnologie mit Abomodell
Unter der Bezeichnung MB.DRIVE Assist Pro forciert der Autobauer künftig Systeme der Kategorie Level 2++. Diese bieten eine Punkt-zu-Punkt-Assistenz sowohl auf Autobahnen als auch im Stadtverkehr. Die Software übernimmt dabei Spurwechsel sowie Manöver an Kreuzungen und Ampeln, belässt die rechtliche Verantwortung und Überwachungspflicht jedoch bei der Person am Steuer.
In den USA führte Mercedes-Benz diese Funktionalität bereits ein; dort kostet der Dienst rund 1.100 Euro pro Jahr im Abonnement. Ein freihändiger Fahrassistent soll Ende 2026 oder Anfang 2027 auch in Europa folgen. Für den deutschen Markt ist MB.DRIVE Assist Pro, das in Kooperation mit Nvidia entsteht, für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Die notwendige behördliche Freigabe für Deutschland liegt dem Unternehmen bereits vor.
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Direkter Sprung auf Level 4 erst nach 2030
Eine weitere schrittweise Weiterentwicklung von Level 3 plant Mercedes-Benz vorerst nicht mehr. Stattdessen strebt der Konzern künftig direkt den Sprung zu vollständig fahrerlosen Level-4-Systemen an, bei denen die Insassen die Hände dauerhaft vom Lenkrad nehmen können.
Eine entsprechende Fahrzeugkategorie befindet sich unter dem Arbeitstitel einer Robo-Limousine in der Entwicklung. Bis zur Marktreife in Serienfahrzeugen wird es laut CTO Burzer jedoch noch dauern: Mit serienmäßigen Level-4-Modellen sei erst nach 2030 zu rechnen. Der Rollout soll schrittweise erfolgen, wobei komplexe städtische Verkehrssituationen zuletzt freigegeben werden.
Mit der strategischen Neuausrichtung steht der Hersteller nicht allein da. Auch der Münchener Konkurrent BMW nimmt sein entsprechendes System Personal Pilot L3 vorerst aus dem Angebot und plant für das Jahr 2027 stattdessen einen erweiterten Assistenzassistenten für den Stadtverkehr.
