ME/ CFS: Diagnose dauert fünf Jahre – neues EU-Projekt startet
30.06.2026 - 20:55:23 | boerse-global.de
Experten kritisieren die anhaltende Psychologisierung körperlicher Beschwerden. Neue Forschungsprojekte und Versorgungsstrukturen sollen nun Abhilfe schaffen.
EU-Forschungsprojekt startet mit 7,5 Millionen Euro
Am 1. Juli 2026 beginnt das EU-weite Projekt „DISCOVER-ME“. Unter der Leitung der Medizinischen Universität Wien suchen Forscher nach Biomarkern und Subtypen für ME/CFS. Das Budget von 7,5 Millionen Euro stammt aus dem Horizon-Europe-Programm.
Die Wissenschaftler analysieren rund 2.000 Datensätze und über 700 Patientenproben. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Drug-Repurposing: Rund 9.000 bereits zugelassene Wirkstoffe werden auf ihre Eignung gegen ME/CFS getestet. Die Laufzeit des Projekts beträgt vier Jahre.
Ă–sterreich beschlieĂźt neuen Versorgungspfad
Am 26. Juni 2026 einigten sich Bund, Länder und Sozialversicherungen auf einen neuen Versorgungspfad für post-infektiöse Syndrome (PAIS). Dieser umfasst sowohl ME/CFS als auch Post-Covid. Die Bundes-Zielsteuerungskommission legte fest, dass die Sozialversicherung künftig eine zentrale Rolle übernimmt.
Parallel dazu wird die bestehende S1-Leitlinie zu einer S2+-Leitlinie ausgebaut. ME/CFS wird darin explizit berücksichtigt. Schätzungen zufolge sind in Österreich rund 73.600 Menschen von der Erkrankung betroffen.
Patientenvertretungen üben jedoch Kritik. Die Gutachtenpraxis sei weiterhin ungeklärt. Die strukturelle Verankerung des Versorgungspfads soll zumindest die Diagnosezeiten verkürzen.
Frauen erhalten seltener leitliniengerechte Therapie
Die diagnostische Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist eklatant. Beim Reizdarmsyndrom, das häufig mit Endometriose oder PCOS einhergeht, betreffen 70 Prozent der Diagnosen Frauen. Dennoch haben Frauen eine um 33 Prozent geringere Chance auf eine leitliniengerechte Behandlung.
Die Diagnose ME/CFS dauert im Schnitt fünf Jahre – mit schwerwiegenden Folgen. Ein neues EU-Projekt und ein österreichischer Versorgungspfad sollen das ändern. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Leitfaden, wie Sie die neuen Strukturen nutzen und Fehldiagnosen vermeiden. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Universität Wien erforscht den Einfluss von Hormonen wie Progesteron und Östrogen auf Verdauung und Schmerzempfinden. 20 bis 30 Prozent der Frauen mit Endometriose zeigen auch Reizdarm-Symptome. Ein neues KI-Projekt zur Darmdiagnostik startete im Juni 2026.
Auch nach der Menopause bleiben Eierstöcke immunologisch aktiv. Studien zeigen vermehrt Immunzellen und proinflammatorische Gene. Forscher diskutieren dies als möglichen Faktor für chronische Entzündungen bei älteren Frauen.
Fehldiagnosen mit schwerwiegenden Folgen
Am Kepler Universitätsklinikum in Linz wurde Ende Juni 2026 ein Haftungsfall anerkannt. Einer 30-jährigen Patientin war aufgrund einer kontaminierten Gewebeprobe fälschlicherweise Krebs diagnostiziert worden. Ärzte entfernten gesundes Gewebe und Organe.
Das Krankenhaus leistete bereits Teilzahlungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Auch international zeigen sich die Gefahren von Fehldiagnosen. Im vietnamesischen Thanh-Nhan-Krankenhaus wurde bei einem 14-jährigen Mädchen eine massive Eierstockzyste zunächst als Verdauungsstörung fehlgedeutet. Eine Notoperation war die Folge.
Roche-Medikament könnte neue Therapieoption bieten
Jahrelange Fehldiagnosen und Psychologisierung – das muss nicht sein. Der neue Versorgungspfad für post-infektiöse Syndrome bringt endlich klare Strukturen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Schritte Sie jetzt gehen können, um eine leitliniengerechte Behandlung zu erhalten. Leitfaden zum Versorgungspfad sichern
Während die Grundlagenforschung voranschreitet, gibt es Fortschritte bei gezielten Therapien. Der Roche-Wirkstoff Satralizumab (Enspryng) erhielt von der FDA eine vorrangige Prüfung. Das seit 2020 zugelassene Medikament soll künftig gegen die endokrine Orbitopathie (TED) eingesetzt werden – eine Autoimmunerkrankung der Augenhöhle.
Die FDA-Entscheidung wird bis zum 15. Oktober 2026 erwartet. Der Fall zeigt den Trend zu einer stärkeren Differenzierung autoimmuner Krankheitsbilder. Die pauschale Einordnung diffuser Symptome als psychische Probleme soll der Vergangenheit angehören.
