MECFS, Deutschland

ME/ CFS in Deutschland: Rund 650.000 Betroffene, aber zu wenige Spezialambulanzen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 15:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das neue Handbuch unterstützt Fachkräfte bei Reha-Entscheidungen; parallel laufen Qualitätsmessungen und Klinikprojekte.
Heller, moderner Innenraum einer Rehabilitationsklinik mit natürlichem Lichteinfall und minimalistischem Design. Illustration mit AI erstellt.

Die Deutsche Rentenversicherung hat ein neues Fachwerk zur psychosomatischen Rehabilitation vorgelegt. Wie der Rentenversicherungsträger in einem Bericht vom 3. November 2026 mitteilte, richtet sich das ab sofort zum Download bereitstehende Handbuch an Fachkräfte im Gesundheitswesen, darunter insbesondere Ärztinnen, Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Psychische und psychosomatische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Das neue Standardwerk soll medizinisches Personal dabei unterstützen, rehabilitative Behandlungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, Indikationsentscheidungen transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten sowie die Schnittstellen zwischen ambulanter Betreuung, akutstationärer Versorgung und Rehabilitation spürbar zu verbessern.

Qualitätsmessung und Modernisierung in den Kliniken

Parallel zu den neuen Vorgaben treibt die Branche die Erfassung von Behandlungsergebnissen und die Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen voran. Über DAS REHAPORTAL läuft bis Februar 2027 eine bundesweite Erhebung von patientenberichteten Endpunkten (PROMs) in der psychosomatischen Rehabilitation.

Ziel dieser Erhebung an rund 50 beteiligten Einrichtungen ist es, die Ergebnisqualität sichtbar und einrichtungsübergreifend vergleichbar zu machen. Die Auswertung und Veröffentlichung der Daten im Portal ist für den Zeitraum nach Februar 2027 vorgesehen.

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An der Erhebung beteiligt sich unter anderem das ZAR Regensburg aus der Nanz-medico-Gruppe. Geplant sind mindestens 50 vollständige, jeweils rund fünf Minuten dauernde digitale Befragungsverläufe je Indikationsbereich bei Aufnahme und Entlassung.

Gleichzeitig investieren Rehabilitationseinrichtungen in neue Konzepte und Kapazitäten. Die Dr. Becker Klinik Norddeich stellte ihre Strategie REHA-KUL tour 2030 vor, die nach einem rund 1,5-jährigen Beteiligungsprozess mit mehr als 70 Mitarbeitenden aus allen acht Klinikstandorten erarbeitet wurde.

Das Konzept sieht vor, ambulante Angebote auszubauen, digitale Nachsorgeprogramme wie Caspar und Livi-RENA zu vertiefen sowie Fachkräfte zu fördern, während die stationäre Rehabilitation weiterhin das Fundament bildet. Die Klinik beschäftigt rund 215 Mitarbeitende und behandelt jährlich rund 3.875 Patientinnen und Patienten in der Orthopädie und Psychosomatik.

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Auch die stationäre Versorgungsinfrastruktur wird erweitert: In Treuchtlingen wurde die Psychosomatische Fachklinik Altmühltal des Bezirks Mittelfranken vor rund 130 Gästen, darunter Gesundheitsministerin Judith Gerlach, offiziell eingeweiht. Für den 16. November 2026 ist dort der Betriebsstart mit 143 Behandlungsplätzen angesetzt.

Spezialisierte Therapien und anhaltende Versorgungsdefizite

Neben allgemeinen psychosomatischen Kapazitäten gewinnen zertifizierte Behandlungsmethoden an Bedeutung. Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) ließen eine spezialisierte Station für CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) durch die Deutschsprachige Gesellschaft für CBASP zertifizieren. Dies stellt nach Einrichtungsangaben die erste und einzige zertifizierte Station dieser Art in der Schweiz dar.

Das Therapieverfahren wurde spezifisch für chronische Depressionen entwickelt und wird dort seit 2015 auf einer offenen Station über eine Behandlungsdauer von zwölf Wochen angewendet.

An den Schnittstellen zu komplexen, organisch bedingten Erschöpfungskrankheiten bestehen hingegen weiter erhebliche Versorgungslücken. In Österreich startete an der Klinik Oberwart ab Oktober eine spezialisierte Ambulanz für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS), eine neurologisch und immunologisch bedingte Erkrankung, ergänzt durch ein mehrwöchiges stationäres Angebot im Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf.

Die Immunologin Carmen Scheibenbogen, Leiterin der Nationalen Klinischen Studiengruppe an der Berliner Charité, bezeichnete die Versorgungslage für ME/CFS-Betroffene als unzureichend. Es gebe viel zu wenige Spezialambulanzen und bislang keine heilenden Arzneimittel. Laut Schätzungen sind in Deutschland rund 650.000 Menschen betroffen.

Staatliche Forschungsgelder fließen erst seit wenigen Jahren. Während erste Befunde nach einer Entfernung von Antikörpern mittels Immunadsorption eine deutliche Verbesserung bei einem Teil der Betroffenen zeigten, laufen derzeit größere, Placebo-kontrollierte Studien, deren Ergebnisse für 2028 erwartet werden.

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