Medikationsprüfung bei Krebs: Fehlverschreibungen sinken von 70,8 auf 29,9 Prozent
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deUmfassende pharmazeutische Medikationsprüfungen können Verschreibungsprobleme bei älteren Krebspatienten signifikant verringern. Dies belegt eine randomisierte kontrollierte Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums, die im Fachblatt Journal of Internal Medicine publiziert wurde.
Unter der Leitung des Korrespondenzautors Ben Schöttker untersuchte das Forschungsteam, in welchem Ausmaß strukturierte Medikationsanalysen durch Apotheker die Arzneimittelsicherheit bei Senioren während einer Krebserkrankung verbessern können.
Deutliche Reduzierung von Fehlverschreibungen und Überdosierung
Für die Untersuchung analysierte das Deutsche Krebsforschungszentrum eine Studienpopulation von 443 Patienten ab einem Alter von 65 Jahren, die sich in onkologischer Rehabilitation befanden und gleichzeitig mindestens 5 Dauermedikamente einnahmen. In der Interventionsgruppe erhielten die behandelnden Ärzte jeweils einen detaillierten Beratungsbrief des zuständigen Apothekers mit Hinweisen zur Arzneimitteloptimierung.
Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial einer solchen pharmazeutischen Begleitung: Am Studienende lag der Anteil potenziell unangemessener Verschreibungen in der Interventionsgruppe bei 29,9%, verglichen mit 70,8% in der Standardversorgung. Dies entspricht einer Differenz von -40,9 Prozentpunkten.
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Auch der Medikationsübergebrauch konnte spürbar eingedämmt werden. Während in der Gruppe mit Standardversorgung noch 64,1% der Patienten von einer Übermedikation betroffen waren, betrug der Anteil in der Interventionsgruppe am Ende der Studie 34,2%, was eine Reduzierung um -29,9 Prozentpunkte bedeutet.
Unterversorgung und Lücken beim Impfschutz aufgedeckt
Neben der Reduktion überflüssiger oder riskanter Präparate zielte die Untersuchung auch auf die Identifikation versäumter Behandlungen ab. Beim Medikationsuntergebrauch dokumentierte das Deutsche Krebsforschungszentrum am Studienende eine Quote von 44,9% in der Interventionsgruppe gegenüber 73,2% in der Standardversorgung, womit sich eine Differenz von -28,3 Prozentpunkten ergab.
Darüber hinaus machten die Apotheker im Rahmen der pharmazeutischen Reviews auf bestehende Versorgungslücken beim Impfstatus aufmerksam. Insgesamt meldeten die Fachleute 337 fehlende Impfempfehlungen bezüglich Influenza, Pneumonie, COVID-19 und Gürtelrose. Bei dieser Zählung handelte es sich ausdrücklich um die ausgesprochenen Empfehlungen und nicht um bereits verabreichte Impfungen.
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Offene Fragen bei klinischen Langzeitfolgen
Trotz der nachweisbaren Verbesserungen bei den Verschreibungsmustern weist die Erhebung des Deutschen Krebsforschungszentrums methodische Abgrenzungen auf. So wurden im Rahmen des Projekts keine Daten zu unerwünschten Arzneimittelereignissen, Hospitalisierungen oder zur individuellen Lebensqualität der Patienten erhoben.
Ebenso fehlen weiterführende Daten zu einer möglichen Tumorprogression sowie zum langfristigen Überleben. Inwiefern sich die optimierte Medikation direkt auf harte klinische Endpunkte niederschlägt, bleibt damit ein Gegenstand für künftige Untersuchungen.
Dennoch unterstreichen die vorliegenden Daten, dass ein institutionalisierter Austausch zwischen Apothekern und behandelnden Ärzten die Arzneimitteltherapie in der Geriatrie und Onkologie wirksam entlasten kann.
