Medizintechnik, Produkte

Medizintechnik: 86% der Produkte haben MÀngel, EU-Reform verschÀrft Risiken

Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 11:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der TÜV-Verband kritisiert geplante EU-Reformen der Medizinprodukteverordnung scharf. Weniger Kontrollen und RabattzwĂ€nge gefĂ€hrdeten die Sicherheit.

A Strategic Pivot: From Biopharma to Quantum Computing Infrastructure Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de
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Der TÜV-Verband hat schwere Bedenken gegen die vorgeschlagenen Änderungen der Medizinprodukteverordnung (MDR) und der Verordnung ĂŒber In-vitro-Diagnostika (IVDR) angemeldet. Die EU-Kommission wolle mit ihren PlĂ€nen die etablierten Sicherheitsstandards in den Mitgliedstaaten untergraben, so die Kritik.

Weniger Kontrollen, lÀngere Intervalle

Die Novelle sieht weitreichende Erleichterungen fĂŒr Hersteller vor. So sollen unangekĂŒndigte Audits bei Produzenten komplett wegfallen. Die regulĂ€ren Überwachungsintervalle wĂŒrden von derzeit zwölf auf 24 Monate verdoppelt. Besonders brisant: Die technische Dokumentation soll nach der Erstzertifizierung nicht mehr routinemĂ€ĂŸig geprĂŒft werden – nur noch bei konkretem Verdacht.

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Dr. Joachim BĂŒhler vom TÜV-Verband bezeichnete diese PlĂ€ne als „RĂŒckkehr von der prĂ€ventiven zur reaktiven Sicherheit". Weniger grĂŒndliche PrĂŒfungen bedeuteten zwangslĂ€ufig mehr fehlerhafte Produkte auf dem Markt, warnte er.

Alarmierende MĂ€ngelquote

Die aktuellen Zahlen untermauern die Sorgen der PrĂŒforganisation. Bei Testzyklen der jĂŒngsten Vergangenheit wiesen 86 Prozent der untersuchten Medizinprodukte MĂ€ngel auf. Besonders erschreckend: 36 Prozent hatten kritische oder schwerwiegende SicherheitslĂŒcken.

Der Verband kritisiert zudem die geplante Definition von „wohl etablierter Technologie" (WET) fĂŒr Hochrisiko-Produkte der Klasse III. Branchenkenner befĂŒrchten, dass diese Einstufung genutzt werden könnte, um die Anforderungen fĂŒr komplexe MedizingerĂ€te zu senken. Auch die Integration der KI-Verordnung in die Medizinprodukte-Regulierung fordern die PrĂŒfer – damit softwaregesteuerte Gesundheitsprodukte angemessen kontrolliert werden.

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Rabattzwang gefĂ€hrdet PrĂŒfkapazitĂ€ten

Ein weiterer Streitpunkt: Die EU-Kommission plant Pflichtrabatte von bis zu 50 Prozent fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen. Was Hersteller entlasten soll, könnte die benannten Stellen in ihrer Existenz bedrohen. Diese Organisationen sind fĂŒr die unabhĂ€ngige PrĂŒfung und Zertifizierung der Medizintechnik zustĂ€ndig. Fehlt ihnen die wirtschaftliche Basis, droht ein Engpass bei den TestkapazitĂ€ten.

Ein Rechtsgutachten von Professor Ulrich Haltern von der LMU MĂŒnchen aus dem Juni 2026 verschĂ€rft die Lage zusĂ€tzlich. Demnach könnten mehrere Aspekte der geplanten MDR- und IVDR-Revisionen gegen EU-Recht verstoßen. Sollten die VorschlĂ€ge in ihrer aktuellen Form weiterverfolgt werden, sind juristische Auseinandersetzungen wahrscheinlich.

Parallel laufende Regulierungsprozesse

Die Deabtte um die MDR-Revision fĂ€llt in eine Zeit massiver UmwĂ€lzungen im europĂ€ischen Gesundheits- und Chemiesektor. Erst Anfang Juni startete die EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Umsetzungsphase fĂŒr neue EU-Arzneimittelregeln. Ziel ist es, den Datenschutz zu straffen und Bewertungsverfahren zu beschleunigen.

Parallel treibt die EuropĂ€ische Chemikalienagentur (ECHA) ein umfassendes Verbot von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) voran. Diese Chemikalien sind fĂŒr die Herstellung von Kathetern, Stents und Implantaten unverzichtbar – wegen ihrer BiokompatibilitĂ€t und chemischen BestĂ€ndigkeit. Die Medizintechnikbranche soll eine Übergangsfrist von zwölf Jahren erhalten, um Alternativen zu finden. Ein formeller Gesetzesvorschlag zum PFAS-Verbot wird von der EU-Kommission fĂŒr 2027 erwartet.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Änderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.

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