Meerrettich, Erkältung

Meerrettich bei Erkältung: Schon 20 Gramm täglich können gesundheitsfördernd sein

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Honig kann Husten lindern, während Vitamin C die Beschwerdedauer teils verkürzt; für Vitamin D fehlt ein signifikanter Nutzen.
Getrocknete Kräuter wie Thymian, Ingwer und Kamillenblüten auf einer hölzernen Arbeitsfläche. Illustration mit AI erstellt.

Bei Atemwegsinfekten greifen viele Betroffene zu traditionellen Hausmitteln wie Kräutertees, Honig oder Hühnersuppe. Ratgeber und wissenschaftliche Erhebungen untersuchen auf Basis aktueller Erkenntnisse, welche pflanzlichen Tees und Nahrungsmittel entzündungsbedingte Erkältungssymptome nachweisbar lindern und die Genesung unterstützen können. Die Studienlage zeigt dabei deutliche Unterschiede zwischen belegten Effekten und rein traditionellen Annahmen.

Pflanzliche Tees und Honig im wissenschaftlichen Vergleich

Bei Heißgetränken unterscheidet sich der wissenschaftliche Nachweis je nach Pflanze erheblich. Für grünen Tee lieferte eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Japan aus dem Jahr 2022 mit 109 gesunden Erwachsenen Hinweise auf eine Wirksamkeit: Bei der täglichen Einnahme von 490 Milligramm Catechinen über einen Zeitraum von zwölf Wochen verkürzten sich Schnupfen, verstopfte Nase und Kopfschmerzen gegenüber Placebo. Auf Husten, Halsschmerzen oder Fieber zeigte sich hingegen kein Effekt.

Für Thymian erkennt die Europäische Arzneimittel-Agentur zwar die traditionelle Anwendung bei produktivem Husten an, klinische Studien gelten jedoch weiterhin als unzureichend. Auch für gewöhnlichen Salbeitee fehlen belastbare klinische Belege bei Halsschmerzen. Bei Ingwer existieren entzündungshemmende Laborwerte, während ausreichende klinische Untersuchungen am Menschen bislang fehlen.

Dennoch gilt ungesüßter Ingwertee mit Zitrone als gängige Alternative mit keimabtötenden Eigenschaften. Bei Kamillentee ist Vorsicht geboten, wenn eine Allergie gegen Korbblütler vorliegt; Schwangere sowie Personen, die Medikamente einnehmen, sollten vor dem Konsum ärztlichen Rat einholen.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2020 über 14 Studien zu Infektionen der oberen Atemwege bescheinigte Honig eine messbare Wirkung. Gegenüber der Standardversorgung reduzierte er Häufigkeit und Stärke von Husten. Ein Teelöffel pur vor dem Schlafengehen kann demnach Linderung verschaffen. Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus strikt ungeeignet.

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Belastbarkeit von Vitamin C und Vitamin D

Große Erwartungen werden häufig an Vitamine geknüpft, doch auch hier ist die Evidenz differenziert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält fest, dass hoch dosierte Vitamin-C-Präparate Erkältungen weder nachweislich verhindern noch heilen.

Eine Cochrane-Auswertung ergab jedoch, dass eine regelmäßige Einnahme die Erkältungsdauer bei Erwachsenen um rund 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent verkürzen kann. Begann die Zufuhr erst nach Auftreten der Symptome, blieb eine konsistente Verkürzung aus.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die 15 Vergleiche aus zehn randomisierten Doppelblindstudien mit täglich mindestens einem Gramm Vitamin C auswertete, ermittelte einen um durchschnittlich 15 Prozent geringeren Schweregrad der Beschwerden. Vor allem die Dauer schwerer Symptome ging zurück, während die Gesamtzahl der Infektionen unbeeinflusst blieb – mit Ausnahme von Menschen unter außergewöhnlicher körperlicher Belastung.

Für Vitamin D fiel die Bilanz ernüchternd aus. Eine Metaanalyse von 18 randomisierten kontrollierten Studien mit 3.648 Teilnehmenden zeigte bei bestehenden Infekten in methodisch hochwertigen Untersuchungen keinen statistisch signifikanten Nutzen. Auch zur Vorbeugung fand eine aktualisierte Metaanalyse über 46 Studien mit 64.086 Personen keinen signifikanten Schutz.

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Würzmittel, Suppen und traditionelle Anwendungen

Bei den Nahrungsmitteln sticht Meerrettich hervor, der 2021 zur Heilpflanze des Jahres gewählt wurde. Katharina Holthausen von der Verbraucherzentrale Bayern verwies darauf, dass die enthaltenen Senfölglycoside das Immunsystem stärken und schleimlösend wirken. Bereits 20 Gramm frisch geriebener Meerrettich täglich könnten gesundheitsfördernd sein, wobei zu hohe Dosen Magen und Darm reizen können.

Klassische Hühnersuppe liefert bei Erkrankungen wertvolles Protein und Flüssigkeit. Zwar wird ihr eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt, doch gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass sie einer gut zusammengestellten vegetarischen Suppe überlegen ist. Um den Flüssigkeitsbedarf zu decken, empfiehlt die DGE Erwachsenen als Orientierung rund 1,5 Liter Getränke pro Tag, wobei Fieber den Bedarf erhöht.

Von alkoholhaltigen Hausmitteln raten Experten ab. Zwar verwies der Ernährungsmediziner Matthias Riedl auf Hopfeninhaltsstoffe und eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg von 2018 zu entzündungshemmenden Eigenschaften des Polyphenols Xanthohumol; da Alkohol das Immunsystem schwächt, empfahl er im Bedarfsfall ausschließlich alkoholfreies Bier zu erwärmen.

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