Forscher ziehen seltenes BlauaugentÀubchen von Hand auf
17.05.2024 - 06:17:40Ein Ă€uĂerst seltenes BlauaugentĂ€ubchen haben Wissenschaftler nach eigenen Angaben in Brasilien von Hand aufgezogen. Vermutlich lebten weltweit nur noch 15 Exemplare der Vogelart in freier Wildbahn, das mache die Taubenart zu einem der seltensten Tiere der Erde, teilte der britische Zoo Chester mit.
Gemeinsam mit brasilianischen und US-Kollegen entnahmen die Forscher demnach im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais mit Zustimmung der Behörden ein Ei und fĂŒtterten das KĂŒken nach dem SchlĂŒpfen aufwendig. «Die BemĂŒhungen zahlten sich aus, und das KĂŒken ist erst das dritte seiner Art, das jemals in menschlicher Obhut aufgezogen wurde», hieĂ es in der Mitteilung.
Art ist kaum erforscht
BlauaugentĂ€ubchen gelten nach Angaben des Zoos Chester als kaum erforschte Art. Mehr als 70 Jahre habe es keine bestĂ€tigten Aufzeichnungen gegeben, erst 2015 seien die Tiere wiederentdeckt worden. Lebensraum ist der Cerrado, wie die Feuchtsavannen im SĂŒdosten Brasiliens genannt werden. Die wichtigste Wasserquelle fĂŒr die meisten Regionen des sĂŒdamerikanischen Landes sei aber durch Viehweiden und Anbau von FeldfrĂŒchten bedroht.
«Das BlauaugentĂ€ubchen ist eines der seltensten Tiere der Erde und es ist ein echtes Privileg fĂŒr den Zoo Chester, an den BemĂŒhungen zur Rettung einer so seltenen und wertvollen Art wie dieser beteiligt zu sein», sagte der Leiter der Vogelabteilung des Tierparks, Andrew Owen. «Tatsache ist, dass wir etwas unternehmen mĂŒssen. Sonst mĂŒssen wir tatenlos zusehen, wie diese wunderschönen Vögel aussterben. Wir weigern uns, dies kampflos geschehen zu lassen.»
2023 hatte das internationale Forscherteam erstmals zwei der Tauben - Bruder und Schwester - von Hand groĂgezogen. Um die RettungsbemĂŒhungen zu ergĂ€nzen, wurden den Angaben zufolge in diesem Jahr zwei Eier aus dem Nest eines zweiten Paares entnommen. DafĂŒr habe eine Lizenz der zustĂ€ndigen brasilianischen Behörde Instituto Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade vorgelegen. Ein Ei habe einen tot geborenen Embryo enthalten. «Aber glĂŒcklicherweise war das andere Ei befruchtet, und daraus schlĂŒpfte ein gesundes KĂŒken», teilte der Zoo weiter mit.
DiÀt wie Kropfmilch
Das Team fĂŒtterte das Tier mit einer DiĂ€t, die der sogenannten Kropfmilch nachempfunden ist, die erwachsene Tauben fĂŒr ihre Jungen aufstoĂen. Das KĂŒken sei schnell gewachsen und solle nun gemeinsam mit den ersten beiden KĂŒken den Kern einer Population in menschlicher Obhut bilden, mit deren Hilfe die Art notfalls in Gefangenschaft vor dem Aussterben geschĂŒtzt werden könne.
Da es nur wenige Exemplare in freier Wildbahn gebe, könnten jedes Jahr nur wenige Eier entnommen werden, hieĂ es weiter. «Aber das Team hofft, seinen Erfolg zu wiederholen und nach und nach Brutpaare in sicheren Volieren zu etablieren, um KĂŒken hervorzubringen, mit denen die Wildpopulation verstĂ€rkt und das Risiko des Aussterbens verringert werden kann.»





