Menopause-Forschung: 52 von 90 Laborwerten verÀndern sich plötzlich
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Auswertungen groĂer biomedizinischer DatensĂ€tze liefern neue Einblicke in den weiblichen Alterungsprozess. Eine internationale Forschungsarbeit unter Beteiligung des Weizmann-Instituts, ĂŒber die im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine berichtet wurde, beschreibt die Menopause als einen plötzlichen, den gesamten Körper betreffenden physiologischen Einschnitt.
Auf Basis von mehr als 300 Millionen Labortests von ĂŒber einer Million Frauen aus den USA und Israel zeichnet die Untersuchung ein detailliertes Bild der systemischen Verschiebungen rund um die letzte Menstruation.
Umfassende VerÀnderungen im gesamten Organismus
Die zugrunde liegende Datenbasis stĂŒtzt sich auf US-Daten der NHANES-Erhebungen von 1999 bis 2022 mit 19.452 Personen und 11.412 Menopause-Ereignissen sowie israelische Clalit-Registerdaten von 2004 bis 2024, die 1,3 Millionen Frauen im Alter von 30 bis 70 Jahren umfassen.
In den US-Daten zeigten 52 von 90 untersuchten Laborwerten statistisch signifikante, abrupte VerĂ€nderungen zum Zeitpunkt der letzten Menstruation. Die SprunggröĂen lagen zwischen 0,1 und 1,4 Standardabweichungen. Die Abweichungen in den beiden DatensĂ€tzen NHANES und Clalit korrelierten dabei eng mit einem Wert von r=0,89 (P=10?16).
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Die gemessenen AusschlĂ€ge betrafen neben den Sexualhormonen auch Marker fĂŒr Knochen, Leber, Nieren, Blutchemie und Blutfette. So stieg etwa der Blutbleispiegel durch die Freisetzung aus den Knochen an, wĂ€hrend Ferritin in der NHANES-Kohorte einen Sprung von 0,6 Standardabweichungen aufwies.
Bei MĂ€nnern lieĂen sich in vergleichbaren Altersspannen keine derart abrupten SprĂŒnge feststellen, sondern graduelle VerlĂ€ufe. Zudem wiesen im Jahr nach der Menopause 19 Prozent der US-Frauen eine mittelschwere oder schwere Depression auf, verglichen mit 11 Prozent im spĂ€teren Verlauf.
Nach der Menopause nehmen ĂŒberdies Knochendichte beschleunigt ab sowie Diagnosen von Arthritis, Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkten, SchlaganfĂ€llen und Osteoporose beschleunigt zu.
Hormonelle Verschiebungen beginnen Jahre frĂŒher
Das mediane Alter bei der letzten Menstruation lag laut NHANES-Daten bei 50 Jahren mit einem Interquartilsabstand von 45 bis 53 Jahren. Allerdings zeigten die Laborwerte, dass fundamentale hormonelle Dynamiken deutlich vor diesem Zeitpunkt einsetzen. Das Anti-MĂŒller-Hormon (AMH) sank etwa 15 Jahre vor dem Ereignis, Ăstradiol rund 12 Jahre vorher, wĂ€hrend das Follikelstimulierende Hormon (FSH) rund 14 Jahre zuvor anstieg.
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Damit verĂ€nderten sich die Sexualhormone bereits 12 bis 15 Jahre vor der letzten Regelblutung, was bisherige SchĂ€tzungen von 3 bis 7 Jahren deutlich ĂŒbersteigt. Die beschleunigten Prozesse traten der Untersuchung zufolge rund 15 Jahre vor der Menopause auf und damit etwa 7 Jahre frĂŒher als in der SWAN-Studie beobachtet.
Wissenschaftliche Diskussion und therapeutische Einordnung
Die Studie untersuchte zudem den Einfluss einer Menopausen-Hormontherapie, die von rund 9 Prozent der Frauen genutzt wurde. Die Behandlung war mit geringeren VerÀnderungen assoziiert, insbesondere an Knochen, Leber und Nieren, wobei sich 39 von 80 Parametern unterschieden; bei oraler Gabe wurden allerdings höhere Werte des C-reaktiven Proteins gemessen.
Uri Alon vom Weizmann-Institut hob hervor, dass FSH und Ăstradiol allein nicht ausreichten, um den Menopausezeitpunkt prĂ€zise festzulegen, weshalb Knochendichte-Checks im Alter von 40 bis 45 Jahren sowie Hormontherapien zur PrĂ€vention erwogen werden sollten.
Rebecca Mitchell von der Macquarie University verwies darauf, dass rund 40 Prozent der Frauen die Menopause bereits in ihren 40ern erreichen. Peyman Hadji aus Frankfurt betonte, die Befunde stĂŒtzten ein systemisches VerstĂ€ndnis des Prozesses.
Fachleute weisen jedoch auf methodische EinschrĂ€nkungen hin, darunter das retrospektive Studiendesign, die nicht randomisierten Effekte der Hormontherapie sowie die Selbstauskunft zur Menopause. Andrew Shelling von der University of Auckland stufte die Befunde als hypothesengenerierend und nicht als abschlieĂend ein.
Petra Stute vom Inselspital Bern ordnete die Formulierung einer physiologischen Klippe als zugespitzt ein; daraus lasse sich weder ein plötzlicher Krankheitsbeginn noch eine unmittelbare neue Behandlungsempfehlung ableiten.
Auch Elina Safro von der Australasian Menopause Society bezeichnete die Klippen-Diese als nicht plausibel. Martha Hickey von der University of Melbourne bezeichnete den Ausdruck als unzulÀssig alarmierend und betonte die geringere Aussagekraft retrospektiver Erhebungen.
