Menopause und Diabetes: Früher Beginn erhöht das Risiko um rund 30 Prozent
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 00:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachbeiträge der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) verdeutlichen die zentrale Bedeutung einer stabilen metabolischen Gesundheit für das gesamte Gleichgewicht des Organismus.
Gleichzeitig warnen Fachleute eindringlich vor hormonellen Störungen, die durch extreme Diätformen und anhaltenden Energiemangel ausgelöst werden können. Ein Zusammenspiel aus Hormonstatus, Energieverfügbarkeit und Fettverteilung bestimmt maßgeblich das individuelle Krankheitsrisiko.
Hormonelle Umstellungen und metabolische Risiken
Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren wirken sich nach Angaben der DDG direkt auf den Stoffwechsel aus. Sinkende Östrogenspiegel in der Perimenopause begünstigen die Einlagerung von viszeralem Bauchfett, verringern die Insulinempfindlichkeit und lassen Blutfette sowie den Blutdruck ansteigen. Dadurch erhöht sich das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen deutlich.
Laut DDG-Präsidentin Prof. Julia Szendrödi vom Universitätsklinikum Heidelberg tragen Frauen mit einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes.
Anlässlich des Weltmenopausentags am 18. Oktober 2026 empfiehlt die DDG Frauen in der Lebensmitte einen gezielten Stoffwechsel-Check. Dieser sollte Nüchternglukose oder HbA1c, Blutdruck, Blutfettwerte, Gewicht, Taillenumfang und Leberwerte umfassen, insbesondere bei Vorliegen von Übergewicht, früherem Schwangerschaftsdiabetes oder familiärer Vorbelastung. Das Thema steht zudem im Fokus der DDG-Herbsttagung, die vom 13. bis 14. November 2026 in Dresden stattfindet.
Den biologischen Wandel untermauert eine am 12. Oktober 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Analyse von Dr. Glen Pridham vom Weizmann Institute of Science.
Die Auswertung von über 300 Millionen Labortests von mehr als einer Million Frauen zeigte bei 52 von 90 Laborparametern sprunghafte, meist ungünstige Veränderungen rund um die letzte Menstruation, unter anderem im Fettstoffwechsel sowie bei der Leber-, Nieren- und Knochenfunktion.
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Prof. Petra Stute vom Inselspital Bern gab dazu jedoch zu bedenken, dass sich daraus bisher keine direkten therapeutischen Konsequenzen ableiten ließen, und mahnte vor voreiligen Schlüssen.
Gefahren von Energiemangel und extremen Diäten
Während hormonelle Übergänge körpereigene Anpassungen erfordern, können drastische Einschränkungen bei der Kalorien- oder Nährstoffzufuhr das Hormonsystem zusätzlich destabilisieren. Der Endokrinologe Rodrigo Gomes de Souza betont, dass ein dauerhafter Energiemangel die Stoffwechselrate senke und die Schilddrüsenachse herunterfahre.
Ein solcher Mangelzustand könne Erkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis triggern oder verschlimmern. Ein prominentes Beispiel bietet die 25-jährige Tennisspielerin Emma Navarro, die ihre sportliche Karriere nach der Diagnose eines relativen Energiedefizits im Sport (RED-S) und Hashimoto-Thyreoiditis vorübergehend pausiert.
Auch der vollständige Verzicht auf bestimmte Makronährstoffe birgt Risiken. Die Biochemikerin Anna Divinskaya erläutert, dass extremer Kohlenhydratverzicht zu Muskelverlust führen könne, da die Leber Glukose aus Aminosäuren gewinnen müsse, um das Gehirn zu versorgen.
Zudem senke die Schilddrüse bei Glukosemangel die Produktion des Hormons T3, was den Stoffwechsel verlangsame und Müdigkeit hervorrufe, während steigende Cortisolwerte Bauchfett und Heißhunger begünstigen könnten.
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Differenzierte Diagnostik statt kurzfristiger Interventionen
Wissenschaftliche Analysen stellen wiederholte Reduktionsdiäten ohne medizinische Indikation infrage. Eine Übersichtsarbeit von Prof. Norbert Stefan und Prof. Faidon Magkos in Nature Reviews Endocrinology aus dem Jahr 2026 ergab, dass das Risiko von wiederholtem Gewichtsverlust und Wiederzunahme stark vom Ausgangsgewicht abhängt: Bei bestehender Adipositas habe dieser Zyklus kaum negative Zusatzeffekte, bei normalgewichtigen Personen führe er hingegen zu überproportionalem Verlust fettfreier Masse und verringertem Ruheenergieverbrauch.
Vor diesem Hintergrund raten Fachleute von unkritischen Maßnahmen ab. Die Ernährungstherapeutin Janine Jung vom Kantonsspital Graubünden warnt davor, gewichtsreduzierende GLP-1-Präparate als Lifestyle-Produkte ohne medizinische Indikation einzusetzen, da Risiken wie Muskelverlust und eine rasche Wiederzunahme nach dem Absetzen drohten.
Statt kurzfristiger Trends empfehlen Fachgesellschaften wie die DDG eine langfristige Lebensstilmodifikation: Regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining, ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse und pflanzlichen Fetten sowie gezieltes Stressmanagement stützen das hormonelle und metabolische Gleichgewicht dauerhaft.
